Eric Clapton in der Festhalle in Frankfurt (29.05.13)

Dass Eric Clapton in Frankfurt ein Konzert gibt, hatte ich mitbekommen, und obwohl es mir bewusst ist, dass der Mann eine lebende Legende an der Gitarre ist, stand ein Besuch dieses Konzerts eigentlich nicht zur Debatte, weil Bluesrock nun wirklich nicht die Musik ist, mit der man mich hinterm Ofen hervorlockt. Erst recht nicht in Kombination mit horrenden Ticketpreisen. Aber wie das manchmal so geht (siehe Bericht über Lana Del Rey), verbrachte ich dann doch diesen Mittwochabend nach staubedingt zeitlich leicht ausgedehnter Autofahrt in der riesigen Frankfurter Festhalle. Schon die Hintergrundmusik vor Konzertbeginn erinnerte mich daran, dass mir die Blues-Volldröhnung bevorsteht.

Punkt 20 Uhr betraten vier Männer in Anzügen die Bühne: Andy Fairweather Low & The Lowriders legten los mit ihren Blues-Rhythmen, nachdem der Frontman – nicht nur von der Kleidung her ganz der Gentleman – seine Kollegen vorgestellt hatte: Paul Beavis am Schlagzeug, Dave Bronze am Bass und Saxofonist Nick Pentelow, der ein zweites Saxofon vor sich stehen hatte und bei einem Lied sogar Klarinette spielte. Die gelegentlichen Soli brachten dem Mann jede Menge Szenenapplaus ein.

Ankündigungen des Frontmans in der Art „This is a song from the sixties“ oder „This is from 1971“ waren keineswegs so zu verstehen, dass die vier Musiker Lieder aus dieser Zeit lediglich nachspielten. Zumindest den Herrn an Mikrofon und Gitarre gab es damals in der Musikwelt schon und ein paar der Lieder kannte ich sogar, nämlich „If Paradise is half as nice“, das 1969 ein Riesenhit von Andys damaliger Band Amen Corner war, und auch das Shadows-Cover „Apache“, das vor meinem inneren Auge sofort Szenen aus diversen Westernfilmen ablaufen ließ.
Natürlich spielten die vier auch einen Song vom kommenden Album, „Too much la la music going down“, der sofort ertönt, wenn man auf die Bandhomepage klickt.
Die komplette Setlist für die Eric Clapton-Tour hat die Band auf ihrer Facebook-Seite gepostet.

Andy Fairweather benutzte ganz zu meinem Entzücken drei verschiedene Gitarren: eine elektroakustische, eine E-Gitarre mit weißem Korpus (von der Form her könnte es eine Fender gewesen sein, ich bin mir aber nicht sicher) und eine Gitarre, die auf die Distanz hin wie eine Gibson-Hollowbody aussah, in Wirklichkeit aber eine Knight-Gitarre ist.

Nach 45 Minuten verabschiedeten sich die Musiker – passend zu den zu Beginn schon gezeigten guten Manieren mit einer Verbeugung vor dem Publikum.

Bislang feststehende Konzerttermine für Andy Fairweather Low & The Lowriders:
Oktober
04. Shanklin Theatre, Isle of White
05. The Cellars, Eastney
06. Pontardawe Arts Centre
12. Ripley Town Hall
18. The Robin 2
19. Blackwood Minors Institute
28. The Tivoli Theatre, Wimborne
30. The Customs House, South Shields
November
08. Westcliff Theatre, Clacton
09. High Barn, Gt Bardfield
21. The Artrix, Redditch
22. The Library Theatre, Darwen
23. The Stables, Wavendon
29. The Borough Theatre, Abergavenny
30. The Village Hall, Lowdham
Dezember
07. The Atkinson, Southport

Die Halle war voll, als der Star des Abends kurz nach 21 Uhr in schlichtem blauem Poloshirt und blue jeans die Bühne betrat. Die elektroakustische Gitarre in der Hand, startete Eric Clapton mit „Hello old friend“ in sein Programm. Insgesamt acht andere Musiker scharten sich um den 68-Jährigen, der vor über 50 Jahren zum ersten Mal auf der Bühne stand: auf der linken Seite der Bühne Doyle Bramhall II an der Linkshändergitarre, Paul Carrack, der auch kräftig mitsang, an der Hammond-Orgel und im hinteren Bereich zwei Backgroundsängerinnen, rechts des mittig platzierten Drummers Steve Jordan Bassist Willie Weeks und noch weiter rechts der Keyboarder Chris Stainton sowie rechts vorne Greg Leisz, der abwechselnd am Keyboard, einem banjoartigen Instrument und an der Pedal-Steel-Gitarre tätig war.

Nach dem zweiten Song „My father‘s eyes“ wechselte Mr. Slowhand an die Fender mit schwarzem Korpus und spielte damit bzw. mit einer identisch aussehenden Gitarre, die ihm für Lied Nr. 5 gereicht wurde, einige Lieder. Man merkt, dass ich die meisten Lieder nicht kannte, aber was genau da gespielt wurde, kann ja bei setlist.fm nachgelesen werden. Erstaunlich finde ich die hohe Anzahl an Coversongs, die an diesem Abend zu hören waren, und das liegt nicht etwa an Claptons aktuellem Album „Old sock“, denn davon wurde lediglich ein Lied („Gotta get over“) zum Besten gegeben. Selbstverständlich durften ein paar Klassiker, die auch ich kenne, nicht fehlen, aber die kamen erst später. Zwei von ihnen wurden im insgesamt fünf Lieder umfassenden Akustik-Teil, für den für die Herren Clapton und Bramhall Stühle herbeigetragen wurden, dargeboten: Auf einer Elektroakustik-Gitarre mit dunklem Korpus begleitete Eric Clapton während dieser Phase des Konzerts u.a. „Layla“ – die ersten Töne dieses Liedes brachten fast alle Zuschauer sofort zum Mitklatschen im Takt und manche fingen sogar an zu kreischen, als der 17-fache Grammy-Gewinner zu singen begann – und „Wonderful tonight“. Zuvor kam aber Organist Paul Carrack so richtig zu Wort und sang sein Lied „It ain’t easy (to love somebody)“, während sich die beiden Background-Sängerinnen sitzend im Takt hin und her wogen und ab und zu den Mann mit Hut beim Gesang verstärkten.

Eric Clapton sprach außer ein paar „Dankeschön“s so gut wie gar nichts, kündigte Lied Nr. 14 aber als „Rock’n’Roll-Song“ an – es handelte sich um das recht alte „Blues Power“ vom ersten Soloalbum Claptons aus dem Jahr 1970.

Die Kamera, deren Bilder auf die beiden Videoleinwände links und rechts der Bühne übertragen wurden, zoomte die meiste Zeit auf Korpus und Hals von Eric Claptons Gitarre, was mich auch jetzt wieder zu der Frage bringt, ob ich meine Zeit nicht lieber zum Gitarreüben anstatt zum Konzertberichtschreiben nutzen soll…

Kurz vor Ende wurde auch das ziemlich bekannte Lied „Crossroads“ gespielt. Ich hatte den Eindruck, dass die Instrumentalsoli zum Schluss hin immer mehr an Raum gewannen, während der Gesang zurückgedrängt wurde. Bei „Little queen of spades“ hatte Keyboarder Chris Stainton seinen großen Solo-Auftritt und erntete kräftigen Applaus, bevor auch Doyle Bramhall II an seiner ziemlich lädierten Fender-Gitarre kurze Zeit im Vordergrund stand, und auch beim letzten Lied vor der Zugabe, dem J.J. Cale-Cover „Cocaine“, wurde den Soli entsprechenden Platz eingeräumt.

Richtig gut fand ich den Cream-Song „Sunshine of your love“, mit dem der Zugabenteil eingeleitet wurde und bei dem es ein Wiedersehen und -hören mit Andy Fairweather Low gab. Dieser spielte Gitarre und sang außerdem beim Refrain mit bei der zweiten – und letzten – Zugabe, „High time we went“, was größtenteils von Paul Carrack gesungen wurde, bevor das Clapton-Programm nach etwa zwei Stunden zu Ende ging.

Unsere Sitzplätze im zweiten Rang erwiesen sich übrigens als eher gute Plätze. Ich hatte die ganze Zeit gewitzelt, dass es eigentlich eine Unverschämtheit ist, so viel Geld hinblättern zu müssen, um die Musiker dann in Ameisengröße zu sehen. Da wir recht nah an der Bühne saßen, wirkten die Leute dort aber immerhin waldameisengroß. Extrem nervig war allerdings, dass der Durchgang zu den anderen Blöcken zwischen Reihe 1 und Reihe 2 verläuft, also direkt vor uns, und auch wenn der Fußgängerverkehr während des Konzerts etwas abebbte, latschte trotzdem ständig jemand an uns vorbei (Richtung Bar oder Toilette vermutlich), kaum dass wir die Beine wieder ausgestreckt und es uns wieder halbwegs bequem gemacht hatten.

Von dort oben aus konnten wir aber das Spiel der verschiedenen Lichter hervorragend sehen, wobei die Lightshow eher dezent, aber ansprechend gestaltet war. Der einzige Schnickschnack waren die beiden quer über die Bühne verlaufenden Beleuchtungselemente mit zwischen den Lampen eingebauten Bildschirmen, die verschiedene Muster in verschiedenen Farben zeigten, aber selbst das wirkte nicht zu überladen.

Die Lautstärke empfand ich als überaus angenehm; dieses Konzert war das erste seit Ewigkeiten, bei dem ich komplett ohne Earplugs auskam. Etwas störend am Sound war lediglich das gelegentlich wahrnehmbare Echo der Drums von der hinteren Seite der Halle her.

Alles in allem war das also ein sehr zufriedenstellender Konzertabend und es ist schon etwas Besonderes, einen so berühmten Musiker – immerhin der einzige, der 3-faches Mitglied der Rock and Roll Hall of Fame  ist – einmal live gesehen zu haben.

Weitere Konzerttermine:
02.06.13 Leipzig (Arena)
04.06.13 Litauen, Kaunas (Zalgirio Arena)
05.06.13 Lettland, Riga (Arena)
07.06.13 Polen, Lodz (Poland Atlas Arena)
09.06.13 München (Olympiahalle)
11.06.13 Österreich, Wien (Stadthalle)
12.06.13 Stuttgart (Hanns-Martin-Schleyer-Halle)
14.06.13 Oberhausen (König-Pilsener Arena)
15.06.13 Köln (Lanxess Arena)
18.06.13 Nürnberg (Arena Nürnberger Versicherung)
19.06.13 Tschechien, Prag (O2 Arena)

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