Esben And The Witch in Luxemburg (Rockhalcafe), 07.05.13

Wenn man aufgrund seines Jobs morgens früh – so richtig früh – aufstehen muss, überlegt man es sich natürlich gründlich, ob man wirklich mitten in der Woche die kleine Reise nach Luxemburg, um sich dort ein Konzert anzusehen, auf sich nimmt. Esben And The Witch bei einem Gratiskonzert im kleinen Rockhalcafe erleben zu können, erschien mir allerdings so verlockend, dass ein Fernbleiben, wenn ich ehrlich bin, nicht wirklich zur Debatte stand. Ein kleines Nachmittagsschläfchen vor der Abfahrt sollte das zu erwartende Schlafdefizit während der Nacht ein wenig abmildern.

Ich bin so froh, dass ich mir den einstündigen Auftritt des nach einem dänischen Märchen benannten Trios aus Brighton gegönnt habe, denn dieses Konzert war fantastisch und die Europa-Tour von Esben And The Witch ist hiermit eröffnet.

Eine Vorband gab es (zum Glück) nicht, die Schlafmütze in mir triumphierte also, als kurz nach 21 Uhr Rachel Davies, Daniel Copeman und Thomas Fisher die Bühne betraten und mit „Iceland spar“ starteten, einem Lied, das mit einem melodischen Gitarren- und Schlagzeuggewitter beginnt, das dann fast verstummt, damit Rachels klare Stimme im Vordergrund steht, die dann wiederum dem nächsten Soundgewitter Platz macht und so weiter. „Iceland spar“ ist, wie ich finde, ein gewaltiger Opener, einer mit Bums, und dieses Lied eröffnet auch das aktuelle Album „Wash The Sins Not Only The Face“ (erschienen im Januar 2013). Die zierliche Frontfrau spielte bei diesem Lied in Luxemburg Bass und drosch während der Passagen, in denen sie nicht singen musste, ganz schön auf das Instrument ein.

Weiter ging es – ebenfalls wie auf dem Longplayer – mit „Slow wave“. Auch hier wechseln Gitarrenmelodien mit Rachels zartem Gesang, den die junge Frau überwiegend mit geschlossenen Augen präsentierte. Sie wirkte ganz natürlich, war nur dezent oder sogar ungeschminkt, und hatte sich auch klamottenmäßig nicht wirklich in Schale geworfen. Wozu auch? Wenn der Fokus auf der Musik liegen soll, ist eine schlichte schwarze Hose plus rotbraunes T-Shirt doch eine angemessene Bekleidung. Lediglich die recht wuchtigen Schuhe, die an Rachels dünnen Beinen etwas überdimensioniert wirkten und das Bedienen der zahlreichen Pedale erschwerten, waren ebendarum ein Eyecatcher.

Apropos Schuhwerk: Thomas Fisher hatte seine Schuhe am Bühnenrand platziert und schlurfte auf dunklen Socken über den ihm zustehenden Bereich. Das schräg eingebaute Pickup an seiner Gitarre scheint mir ein Hinweis darauf zu sein, dass es sich um eine Epiphone Nighthawk handelt. Ganz links neben der Bühne war auf dem Boden eine weitere Epiphone-Gitarre, von der man nur Hals und Kopf sah, abgestellt; die Verzierung am Kopf sah sehr nach Epiphone Sheraton aus! Wäre diese Gitarre zum Einatz gekommen – ich hätte Herrn Fisher zu Füßen gelegen!

Die Füße des Schlagzeugers Daniel Copeman steckten übrigens auch bloß in Socken. Ihn als Schlagzeuger zu bezeichnen, wird seinem Tun allerdings keineswegs gerecht, denn er sang gelegentlich auch (z.B. bei „Lucia“, s.u.) und war darüber hinaus für die elektronisch produzierten Sounds zuständig. Auf einem Tisch neben dem Schlagzeug standen etliche Geräte mit vielen Schaltern und Knöpfchen, an denen er gelegentlich herumdrehte, um ein Wummern oder zusätzliche Beats ertönen zu lassen, z.B. für Lied Nr. 3, „Marching song“.

Ich hatte ja gehofft, dass diese erste Single der Band, die unter ihrem jetzigen Label Matador veröffentlicht wurde, auf dem Programm stehen würde, und genoss diese vier Minuten extrem. Rachel spielte dabei auf der Fender-Gitarre.

Anschließend boten Esben And The Witch das älteste Lied ihres Konzertabends, die 2010 als 7“-Vinyl veröffentlichte Single „Lucia, at the Precipice“, bevor mit den drei Songs „Deathwaltz“, „Despair“ und „Yellow wood“ wieder das aktuelle Album in den Vordergrund rückte.

Rachel sprach nicht viel mit dem Publikum, bedankte sich aber nach jedem Lied und signalisierte den Zuschauern so, dass das Lied zu Ende ist und nun applaudiert werden darf, denn das war aufgrund des Wechsels von lauteren und leisen Tönen während der Songs nicht immer offensichtlich, vor allem bei denjenigen, die mit den Werken von Esben And The Witch nicht so vertraut sind. Die hübsche Frau erklärte, die Band sei zum ersten Mal in Luxemburg und es sei gut, nach der Nordamerika-Tour im März und April wieder zurück in Europa zu sein.
Die Band hätte sich bestimmt über mehr Besucher gefreut, es waren vielleicht 25 Leute vor Ort, von denen einige an ihren Tischen sitzen geblieben waren und somit nur beschränkte Sicht auf die Bühne hatten. Für mich unverständlich, ich bin immer froh, wenn mir niemand den Blick auf die Bühne versperrt! Es kann natürlich sein, dass diese Leute gar nicht wegen des Konzerts dort waren, sondern bloß zum Essen und / oder Trinken. Dass aber nur wenige Leute gekommen waren zu einem Konzert einer großartigen Band, das keinen Eintritt kostet, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Aber gut, vielleicht sind Esben And The Witch einfach (noch) nicht so bekannt, dass sie überall scharenweise Zuschauer anziehen.

Kurz vor Ende des Auftritts spielten die drei „Eumenides“, das wie „Marching song“ auf dem Debutalbum „Violet cries“ aus dem Jahr 2011 zu finden ist. Die britische Musikpresse war damals voll des Lobes über dieses Album und ich teile diese Ansicht. Die Musik der drei ist für mich Musik zum Augenschließen und Abdriften in traumlandschaftartige Sphären und aufgrund von Rachels samtiger Stimme und der teilweise repetitiven Gitarrenmelodien im Mix mit elektronisch erzeugten Soundlandschaften gelingt mir das Abtauchen aus der Realität meist mühelos.

Bei „The Fall of Glorieta Mountain“, ein Lied, über das ich mich auch total gefreut habe, jagte mir vor allem den Part, in dem Rachel die letzten Verse ohne Instrumentbegleitung singt, einen besonders angenehmen Schauer über den Rücken. Applaus gab es dafür allerdings nicht, denn „Glorieta“ ging nahtlos in „Smashed to pieces in the still of the night“ über – den letzten Song des Abends und auch der letzte Song auf dem aktuellen Album.

Nach dem Konzert konnte, wer wollte, mit den Musikern plaudern, und um die Sängerin, die vor die Tür getreten war, scharten sich gleich ein paar Zuschauer, während die beiden Herren mit dem Aufräumen der Bühne beschäftigt waren. Wie so oft regierte bei mir auch an diesem Abend die Vernunft, sodass ich mich recht zügig auf die Heimreise machte, denn ein anstrengender Arbeitstag wird durch zu wenig Schlaf schnell zum Alptraum.

An folgenden Daten und Orten kann man Esben And The Witch demnächst live bestaunen – unbedingt hingehen, wenn es irgendwie möglich ist!

08.05.13 Vevey (Rocking Chair), Schweiz
09.05.13 Mailand (Circolo Magnolia), Italien
10.05.13 Turin (Spazio 211), Italien
11.05.13 Ravenna (Hana Bi), Italien
12.05.13 Ljubljana (Kino Siska), Slowenien
13.05.13 Zagreb (KSET), Kroatien
15.05.13 Bratislava (Klib za zrkadlom), Slovakei
16.05.13 Budapest (A38), Ungarn
17.05.13 Wien (B72), Österreich
18.05.13 Prag (Lucerna Music Bar), Tschechien
19.05.13 Leipzig, Wave Gotik Treffen
24.05.13 Manchester (St. Clement’s Church), England
01.06.13 Nantes (Stereolux), Frankreich
08.06.13 Helsinki (Kuudes Linja), Finnland
16.08.13 Skipton (Beacons Festival), England

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