Danko Jones in der Garage in Saarbrücken (03.05.2013)

Danko Jones? Bis vor ein paar Tagen war mir die Musik der kanadischen Band noch völlig fremd (und die Anhänger der bereits seit 1996 bestehenden Band werden angesichts dieses in aller Öffentlichkeit abgelegten Geständnisses vielleicht voller Entsetzen aufseufzen). Zwar habe ich den Bandnamen schon häufiger gehört und ich habe auch mitbekommen, dass Danko Jones auf Tour sind und ein neues Album haben, aber irgendwie gab es keinen Anreiz für mich, einfach mal in die Musik des Trios reinzuhören. Das änderte sich vor ein paar Tagen schlagartig, als ich feststellte, dass ich keinerlei Pläne fürs Wochenende habe und Danko Jones in der Garage in Saarbrücken spielen. Diese Konstellation führte dann tatsächlich zur Eingabe des Bandnamens bei Spotify und die Klänge, die nach Anklicken des Play-Buttons an meine Ohren drangen – von mir einrangiert in die Schublade „schmutziger Hardrock mit einer Prise Blues“ –, zum Ticketkauf fürs Konzert.

Als ich wenige Minuten vor Einlass an der Garage ankam, war der Besucherandrang recht übersichtlich. Die Halle füllte sich erst nach und nach und selbst die Lücken in der ersten Reihe wurden erst geschlossen, als Bombus, die Vorband, um Punkt 20 Uhr den Konzertabend eröffnete.

Die vier Schweden aus Göteborg (genauer gesagt: die drei, die vor dem mit nacktem Oberkörper spielenden Schlagzeuger Peter auf der Bühne standen) scheinen auf Gibson-Instrumente zu stehen: Sänger Feffe spielte auf einer Explorer…

…Bassist Jonas Rydberg hatte einen Thunderbird und Matte, der andere Sänger, benutzte eine Flying V. Der Rickenbacker-Bass mit dem schwarz-weißen Korpus, der links auf der Bühne im Rack stand und mir sofort ins Auge gefallen war, kam leider nicht zum Einsatz.

Die Musik der Ende 2008 gegründeten Band fand ich okay, riss mich aber nicht wirklich vom Hocker. Bei anderen im Publikum, die ein wenig herumhopsten, die Hände in die Luft reckten und nach jedem Song kräftig applaudierten, scheinen die Schweden richtig gut angekommen zu sein. Wer möchte, kann ja mal die Soundcloud-Seite der Band anklicken, die bietet einige Lieder aus dem ersten Album „Bombus“ (veröffentlicht im Mai 2010) sowie älteres Material zum Anhören.

Gut gefiel mir die Idee, dass der Gesang gelegentlich abwechselnd von dem Herrn links (Feffe), dessen Gesicht permanent von seinen nassen Haaren bedeckt war, und dem Herrn auf der anderen Seite der Bühne (Matte) kam. Der in der Bühnenmitte platzierte Bassist war allerdings derjenige, der das Bühnengeschehen dominierte. Er war ständig in Bewegung, stellte über seine Gestik den Kontakt zum Publikum her und dürfte mit seinen Verrenkungen Begeisterung bei der in großer Anzahl vorhandenen Fotografen ausgelöst haben. Das gibt bestimmt tolle Fotos!

Bombus, deren neues Album „The Poet and the Parrot“ im August 2013 erscheinen wird, werden auch bei den restlichen Danko Jones-Konzerten im Mai dabei sein und spielen außerdem folgende Konzerte in Schweden:
04.07.2013 Metaltown, Göteborg
09.08.2013 Getaway Rock Festival, Gävle

Gegen 21 Uhr bewegte sich der Bühnentechniker mit der weißen Gibson SG, an der er die ganze Zeit herumgezwirbelt hatte, zum Bühnenaufgang, Adam Willard erklomm seinen Platz hinterm Schlagzeug, Frontman Danko Jones bekam sein Instrument um den Hals gehängt, Bassist JC (John Calabrese) betrat die Bühne und los ging‘s mit „Had enough“ vom Album „Below the belt“ (2010), gefolgt vom noch älteren „Play the blues“ aus dem „Born a lion“-Album (2002) und anschließend „Sticky Situation“ und „First date“ aus dem im Jahr 2006 erschienenen Longplayer „Sleep is the enemy“. Erst der fünfte Song, „Just a beautiful day“, stammt aus dem aktuellen Album „Rock’n’roll is black and blue“ (2012) und während andere Bands mit relativ neuem Release in der Regel bei Konzerten den Akzent auf das allerneuste Werk legen, scheint dieses bei Danko Jones keine größere Rolle zu spielen als die älteren Alben. Die folgenden Lieder zeigen, dass den Kanadiern offenbar daran gelegen war, aus jeder Schaffensphase wenigstens einen Song zu präsentieren:
„Dance“ (aus „We sweat blood“, 2003)
„Code of the road“ (aus „Never too loud“, 2008)
„Sugar chocolate“ (von der Debut-EP „Danko Jones“ aus dem Jahr 1998)
„Full of regret“ (aus „Below the belt“, 2010)
„Lovercall“ (aus „Born a lion“, 2002)
„Conceited“ (vom aktuellen Album)
„Cadillac“ (aus „I’m alive and on fire“, 2001)
„I Believed in god“ (vom aktuellen Album)
————————————————————
„I think bad thoughts“ (aus „Below the belt“, 2010)
„Mango kid“ (aus „I’m alive and on fire“, 2001)
„Mountain“ (bislang nur live gespielt)

Ich hörte da keine stilistischen Unterschiede, wie es sie bei manchen Bands über die Jahre hinweg gibt, aber mir gefiel die Musik – sie ist perfekt, um mit guter Laune ins Wochenende hineinzurocken!

Schon wenige Sekunden, nachdem Danko Jones ihr Konzert eröffnet hatten, merkte ich, dass der Frontman eine richtige Rampensau ist! Er zeigte den Zuschauern nicht nur des öfteren seine Zunge und wie beweglich das Teil ist, sondern quatschte mehrfach das Publikum direkt an.
Eine junge Dame aus der ersten Reihe wurde so richtig von ihm aufs Korn genommen: Er zeigte auf sie und ahmte für die Zuschauer den Gesichtsausdruck des Mädchens nach, während er erklärte, dass er nur dann so gelangweilt schauen würde, wenn er auf einem Coldplay-Konzert wäre. Außerdem hätte sie auch noch auf die Uhr gesehen, so etwas gehöre sich nicht für eine Rock Show und für Herrn Jones war der Fall klar: Sie war nur ihrem Freund zuliebe aufs Konzert mitgekommen, scheint ihn also sehr zu lieben, was wiederum positiv sei. Das Motörhead-T-Shirt besagten Freundes fand er cool und er bat die junge Frau, nicht mehr so verdrießlich dreinzuschauen und Begeisterung zumindest vorzutäuschen. Was für ein Schelm! An Selbstbewusstsein scheint es diesem Menschen nicht zu mangeln!
Es wundert mich nicht, dass Danko Jones bereits nur mit Spoken Word Performances auf Tour gegangen ist und sogar ein Album nur mit gesprochenen Texten im Angebot hat („The magical world of rock“). Bei der Energie, die offenbar in ihm steckt, kann ich es auch nachvollziehen, dass es ihm nicht reicht, lediglich auf der Bühne den Entertainer zu spielen: Als Radiomoderator ist er auch noch tätig und außerdem schreibt er für diverse Rock-Magazine. Der Typ hat echt Talent, allerdings tat mir die oben erwähnte junge Frau ein bisschen leid und während ich diese Zeilen tippe, erinnere ich mich an eine Show der Angefahrenen Schulkinder vor langer, langer Zeit, in der meine damalige Brille für einen der Comedians Anlass war, mich mehr ins Rampenlicht zu stellen, als mir lieb war. Natürlich lachten meine Freunde damals noch wochen-, wenn nicht sogar monatelang darüber! Uuuuuh, schnell wieder zurück in die Gegenwart!

Das Publikum war total aus dem Häuschen, die Leute tanzten, schrien vor Begeisterung und applaudierten und ab und zu wurde ein Crowdsurfer über die Köpfe getragen.

Bassist JC hatte zwar kein Mikro, aber ganz viel Augenkontakt mit dem Publikum und er forderte es immer mal wieder mit Gesten auf, im Takt mitzuklatschen, was prompt erledigt wurde. Allerdings konnte es der Sänger nicht gut ertragen, dass er mal nicht im Mittelpunkt stand, zumindest spielte er seine Rolle als obercooler Frontman und Womanizer, um den sich alles drehen muss, hervorragend. Deshalb beklagte er sich über einen der Zuschauer, der ständig dem Bassisten, der vor seiner Nase stand, die Hand hinstreckte und nicht dem Sänger, und forderte außerdem die Zuschauer auf, korrekt zu klatschen, mit in die Höhe gestreckten Armen und nicht kaum wahrnehmbar vor dem Körper.

Wir erfuhren außerdem, dass die Danko Jones-Europatour erst am Tag zuvor gestartet war (in Wiesbaden), dass aber das zweite Konzert jeder Tour, egal wo, immer das beste sei. Beim ersten sei man als Musiker meist müde und wisse nicht mehr so genau, wie die einzelnen Lieder gespielt werden; bei Konzert Nr. 2 sei man fitter – die Danko Jones-Crew habe in der Nacht zuvor acht Stunden geschlafen – und auch wieder up to date, was die Songs betrifft. Das Ganze steigere sich dann aber noch beim nächsten Konzert… und beim übernächsten…

Zu fortgerückter Stunde gehörte dem Schlagzeuger Adam „Atom“ Willard, der seit Frühjahr 2011 für Danko Jones tätig ist, ein paar Minuten lang die Bühne ganz allein. Bei einem Drumsolo zeigte er sein Können, bevor seine beiden Bandkollegen wieder hinzukamen, um zu dritt weiterzurocken.

Ganz zum Schluss wurde im Rahmen von „Mountain“ etlichen verstorbenen Musikern gedacht, der Sänger nannte Namen wie z.B. Bon Scott, Cliff Burton, Joey, Dee Dee und Johnny Ramone, Adam Yauch, Johnny Cash und als Letzten – vermutlich Anlass dieser Aktion, die an diesem Abend allerdings nicht zum ersten Mal stattfand, siehe YouTube – Jeff Hannemann, dessen Tod erst wenige Stunden zuvor die Fans und Freunde von Slayer erschütterte. Auch Oberspaßmacher Danko Jones schien tief bewegt zu sein und so endete das Konzert mit einem kleinen Stimmungsdämpfer – und mit dem Versprechen, die Leute aus Saarbrücken und Umgebung nicht wieder 26 Monate lang warten zu lassen bis zum nächsten Konzert. Na denn, ich bin gerne wieder dabei! Und dann kann auch ich mitsingen!

Danko Jones werden noch eine lange Zeit auf Tour sein; über die genauen Daten und Orte informiert man sich am besten auf der Homepage der Band.

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