Blackmail in Kaiserslautern (13.04.13)

Die Leute, die mich kennen, wissen, dass ich mir von Bands, die ich mag, gerne mehrere Konzerte anschaue, wenn sich das zeitlich irgendwie einrichten lässt. An diesem sonnigen Samstag im April standen daher wieder Blackmail, supportet von Monopeople, auf dem Programm.

Den Weg zum Kammgarn in Kaiserslautern zu finden, war gar kein Problem. Zur kleinen Odyssee kam es erst, als wir in dem riesigen Komplex der ehemaligen Spinnerei den Cotton Club suchten, wo das Konzert stattfand. Ein paar Wegweiser im Gelände wären vielleicht nicht schlecht – auch was den Eingang zur Konzerthalle betrifft, denn wir kamen offenbar an der völlig falschen Seite des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes an und fürchteten schon, wir müssten über den Zaun klettern…

„Zwei, die Krach machen“ – so umschreiben Monopeople aus Trier auf ihrer Facebookseite ihren Musikstil und das trifft es wirklich sehr genau. Punkt 20 Uhr betraten die beiden – Johannes Koster an den Drums und Tim Wollmann, barfuß am fünfsaitigen Bass – die Bühne und hauten den Zuschauern ihren Noise-Rock um die Ohren. Sowohl der Schlagzeuger als auch der Bassist schreien ihre Texte eher, als dass man da von Gesang sprechen könnte, und mit Hilfe diverser Pedale erzeugte der junge Mann am Bass ziemlich schräge Geräusche. Kostprobe gefällig? Dann hört doch mal in „Motormann“ oder „Apache Apache“ rein!

Ich mochte die sehr energiegeladene Performance und fand es erstaunlich, wie viel Power in nur zwei Leuten steckt! Zwar hatte ich die beiden schon einmal auf der Bühne erlebt, aber in meiner Erinnerung war Monopeople unter „verrückter Lärm“ abgespeichert. Bei aller Begeisterung für diesen Liveauftritt kann ich es mir nach wie vor nicht so recht vorstellen, mir die Musik dieses Duos zu Hause anzuhören, das ist mir ehrlich gesagt zu anstrengend. Als Musik, die man sich im Auto auf dem Weg von der Arbeit nach Hause anhört – zum Aggressionsabbau sozusagen – eignet sich das Ganze meiner Ansicht nach schon eher. Aber wie gesagt: Live sind die beiden ein Knaller!

Ich kam mir allerdings ein bisschen komisch vor, als ich mich mit meiner Freundin beim Beginn des Konzerts etwas näher vor der Bühne platzierte, denn die anderen Zuschauer blieben hinter dem ersten Drittel des Raumes, wo Tische und Barhocker offenbar allzu sehr zum Sitzen einluden. Nach jedem Musikstück gab es aber kräftigen Applaus.

Als Blackmail um 21 Uhr loslegten, kamen die Leute ein wenig näher, genossen die Indie-Rock-Klänge aber etwas reservierter als die Zuschauer in Zürich, wo viel mehr getanzt wurde. Auch die Band war ein wenig zurückhaltender, fand ich, obwohl Kurt natürlich ein paar Witzchen gemacht hat. Marshmallowgrillen wollte er nach dem Konzert, na klar! Es war ja Samstagabend.

Gespielt wurden im Wesentlichen dieselben Lieder wie in Zürich, jedoch in leicht veränderter Reihenfolge und ohne „Nostra“, insgesamt also ein schöner Mix aus ganz neuen Liedern wie „Impact“ und „The Rush“ aus dem aktuellen Album „II“ und Klassikern wie „It could be yours“ und „Ken I die“. Hach ja… „It’s so cosy in hell…“. Schön war’s! Das allerletzte Lied, „Friend“, wurde diesmal aber nicht so ausgedehnt wie bei den anderen Konzerten, die ich gesehen habe. Ob das am Publikum lag? Reagiert eine Band tatsächlich auf die Zuschauer? Hätte es einen neuen Längenrekord von „Friend“ gegeben, wenn jeder im Publikum total abgegangen wäre? Es gibt aber doch auch stille Genießer, die nicht so aus sich rausgehen. Hm, vielleicht sollte ich mir diese Fragen mal im Hinterkopf behalten und sie bei Gelegenheit stellen.

Vielen Dank übrigens an Eike, der mir nach dem Konzert die Setlist gegeben hat. Es war wieder eine Wonne, dem jungen Mann hinten links zuzuschauen und zu sehen, mit welcher Leidenschaft er seinem Job nachgeht! Wer ihn noch nicht kennt: Eike Jamelle bedient allerhand technische Geräte und haut ab und zu auch von seinem Platz aus auf das Becken am Schlagzeug.

Mathias stellte den blonden Mann am Schlagzeug, Tim Ebert, kurz vor und erklärte, dass Mario leider krank ist. (Wer es noch nicht weiß: Tim ist der Drummer bei The Heart of Horror, Mathias‘ anderer Band.) Der Sänger selbst hörte sich stellenweise so an, als wäre er ein wenig erkältet, aber er hatte ganz viel gesangliche Unterstützung von Kurt und Carlos. Ich drücke die Daumen, dass da kein größerer Schnupfen im Anmarsch ist und die letzten Konzerte der Tour gut über die Bühne gehen!

Diesmal habe ich mich übrigens bewusst nicht vor Kurt gestellt, damit ich nicht die ganze Zeit auf seine schöne Gitarre starre, sondern auch mal mehr vom restlichen Bühnengeschehen mitbekomme. Prompt ist mir aufgefallen, dass Bassist Carlos doch recht häufig mitsingt, und sein Pedalboard sieht auch ganz hübsch aus.

Dass Kurt irgendwann an seiner Framus-Gitarre eine Saite riss, fand der wahrscheinlich nicht so erquicklich. Ich schon, denn das bedeutete ja nichts anderes als dass die Ersatzgitarre zum Einsatz kommen muss: die Gibson Hollowbody (aus der ES-Reihe?) – viel zu schön, um bloß an der Seite der Bühne im Rack zu stehen! Da hab ich mir dann doch kurz überlegt, meinen Standort zu wechseln, blieb dann aber, wo ich war, und schmachtete das Instrument aus der Ferne an  – und wünschte mir, meine Finger würden irgendwann ebenso flink über den Hals meiner Gitarre gleiten (Ja, stellt euch vor, ich habe inzwischen eine!) und dabei auch noch angenehme Geräusche produzieren! Kurt scheint ein richtiger Virtuose in dieser Disziplin zu sein und auch Mathias beherrscht sein Instrument in beeindruckender Weise.

Ich bin jetzt schon ganz gespannt auf die Konzerttermine, die im Herbst anstehen. Hoffentlich dauert die Bekanntgabe nicht mehr allzu lang! Bis dahin muss die Übersicht über die letzten Konzerte im Frühling und die drei Festivals im Sommer genügen:

14.04.2013 Köln, Underground (Support: Monopeople)
18.04.2013 Berlin, Postbahnhof (Support: Drive Like Maria)
19.04.2013 Dortmund, FZW (Support: Drive Like Maria)
24.05.2013 Amsterdam, Melkweg (Support: Drive Like Maria, Green Lizard)
08.06.2013 Ellerdorf, Wilwarin Festival
20.07.2013 Weigendorf, Open Air
01.09.2013 Münster, Portside Open Air Festival (zusammen mit Selig)

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