Archive in Wiesbaden (Schlachthof, 06.04.13)

May the King of Rock’n’Roll be with you

Er hat’s wirklich getan! Die Rede ist von Robin Foster, der mir nach dem Konzert in Stuttgart beim Plaudern am Merchandisestand versprochen hat, beim nächsten Konzert, bei dem ich dabei bin, seine Epiphone Sheraton auf der Bühne zu verwenden und nicht wie üblich die Riviera, weil er ja seine Sheraton hier in Luzies Welt im März als „Gitarre des Monats“ vorgestellt hat. Und tatsächlich: Der Musiker spielte in Wiesbaden DIE Gitarre und zeigte sogar grinsend darauf, als er mich im Publikum erblickte. Als ob ich nicht schon angesichts des gehaltenen Versprechens mit großen Augen an der Barriere gestanden hätte! 😉 Noch schöner wär’s gewesen, wenn meine Kamera sich dazu herabgelassen hätte, wenigstens ein nicht verwackeltes Foto von diesem schönen Instrument hinzubekommen, aber nein…

Besser hat sie’s nicht hingekriegt und die wunderbare Verzierung am Kopf der Gitarre schaut man sich dann, falls es interessiert, besser auf der Epiphone-Seite an.

Diesmal war die französische Truppe um den englischen Musiker komplett anwesend, neben Bandleader Robin Foster standen auf der Bühne also Gaetan Fagot an der Gitarre und Hikit Corbel am Bass, während Steven „Stevie Wonder“ Prigent am Keyboard saß und Hibu Corbel am Schlagzeug. Ich erfuhr beim Konzert, dass der Drummer am 4. April in Stuttgart wohl relativ kurzfristig ausgefallen war und dass es deshalb – mit Archive-Drummer Smiley als Vertretung – nur vier Lieder von Robin Foster und seiner Band zu hören gab. Das war an diesem Abend erfreulicherweise anders und es wurden zu meinem Entzücken die beiden Lieder des neuen Albums „PenInsular“ gespielt, die ich schon beim ersten Hören als ungewöhnlich und überragend empfand, nämlich „Sheriff of Lagatjar“ und „Finis Terrae“, bei denen der Bass ganz deutlich im Vordergrund steht. Aber auch Klassiker wie „Loop“ und „Brest by night“ vom Album „Life is elsewhere“, das man sich auf Robin Fosters Homepage im Stream anhören kann, durften nicht fehlen.

Ein glücklicher Konzertbesucher erhielt ein Exemplar des neuen Albums – von Robin Foster in die Menge geworfen – kostenlos und konnte sich das gute Stück nach dem Konzert von der Band signieren lassen. Wie schon in Stuttgart war der Andrang recht groß, und da ich ja schon eine CD hatte, bat ich Robin Foster, eine Nachricht an die Leser meines Blogs zu schreiben, was er auch prompt getan hat. Bitteschön:

Und dankeschön an den sympathischen Musiker für alles: für diese Kleinigkeiten, die die Luzie glücklich machen, fürs Nettsein gegenüber den Fans und vor allem für die fantastische Musik, mit der Robin Foster sich hoffentlich in noch viele Herzen hineinspielt! Wenn ich das richtig mitbekommen habe, soll das neue Album in etwa sechs Wochen erscheinen.

Es kann übrigens geschehen, dass die Epiphone Sheraton wieder auf der Bühne zum Einsatz kommt, denn Robin Foster meinte, dass diese Gitarre richtig gut geklungen hat.

Ach ja, es spielte ja noch eine andere Band in Wiesbaden! Um es gleich vorwegzunehmen, während ich versuche, von meiner Robin-Foster-Wolke herunterzukommen: Mir gefiel der Archive-Auftritt in Wiesbaden besser als der in Stuttgart zwei Tage zuvor. Vielleicht weil ich um all die Veränderungen inzwischen wusste… vielleicht aber auch, weil die Lieder – gespielt wurden dieselben – doch mit ein wenig mehr Energie dargeboten wurden als in der Baden-Württembergischen Landeshauptstadt. Schon das Intro mit Dave Pen an seiner Trommel, das in „Finding it so hard“ überging, wofür Dave ans Mikro wechselte, hat wesentlich mehr geknallt und ich fand’s klasse. Pollard Berriers Job beschränkte sich dabei zunächst aufs Schütteln zweier Rasseln, seitlich zum Publikum stehend bzw. leicht tänzelnd, bevor er zur Gibson-Gitarre griff, während Darius Keeler am Keyboard wie üblich mal mehr, mal weniger wild im Takt gestikulierte.

Danach war für Pollard Berrier Singen angesagt und er legte eine einwandfreie Version von „Wiped out“ aus dem aktuellen Longplayer hin, es gab sogar Applaus für den hervorragend gesungenen „My aaaaangel“-Part. „System“, der einzige Song vom „Lights“-Album an diesem Abend, kam bei mir ebenfalls sehr viel besser an als in Stuttgart, wo ich es – pardon – etwas „farblos“ fand.

Dann stand wieder vier Lieder lang das aktuelle Schaffen vor Archive im Vordergrund: Holly Martin betrat für „Hatchet“ die Bühne (Warum kann man ihr Mikro nicht mal ein wenig lauter stellen? Ich habe mir extra die Earplugs aus den Ohren geschält, um sicher zu sein, dass es nicht an mir liegt, aber nein, ihre Stimme war im Vergleich zu dem Instrumentmix um sie herum einfach zu leise, zumindest dort, wo ich stand, dabei HAT sie eine fantastische Stimme und es müsste doch möglich sein, diese ein wenig mehr in den Vordergrund zu rücken!? Oder mag Holly / die Band das nicht? Rein optisch ist die Frau auch mit braunen Haaren eine Wucht, keine Frage, aber ich würde sie auch gerne mal akustisch ein wenig intensiver erleben dürfen.), anschließend folgte die aktuelle Single „Stick me in the heart“, ebenfalls wunderschön dargeboten von Pollard und Holly, und bei „Conflict“ stand Dave Pen wieder im Mittelpunkt, auch wenn Pollard dort mitsingt. Für etliche aus dem Publikum scheint die Stelle, an der Dave seinen Schrei ausstößt, ähnlich zu wirken, wie wenn Brian Molko bei „Special needs“ von „flash photography and SCREAMS“ singt… Ich finde es ja nach wie vor erstaunlich, wie die beiden Herren Berrier und Pen das hinkriegen, mit Gitarre um den Hals und in der Hand herumzuspringen und zu tanzen und zwischendrin mal lockerflockig zu singen und dabei nicht nur gut auszusehen, sondern sich auch noch gut anzuhören. Beeindruckend finde ich vor allem, wie beweglich der große Dave Pen ist, selbst wenn er die Gibson Hollowbody umgeschnallt hat. Es ist für ihn kein Problem, mal eben in die Knie zu gehen und einmal quer über die Bühne zu wirbeln.

Der Schlagzeuger Smiley machte auf mich von Anfang an den Eindruck, als ob er es genießt, die Drumsticks zu schwingen und es schien mir auch so, als ob er manchmal ganz gezielt irgendwelche Leute aus dem Publikum anschaut und ihnen zulächelt.

Danny Griffiths scheint mit seiner Position rechts außen (vom Publikum aus gesehen) ganz zufrieden zu sein, er ist auch der Einzige des Archive-Trupps, der eher wenig herumzappelt und lieber mal ab und zu zu einem der vier akkurat in einer Reihe neben dem Keyboard aufgestellten Bierchen greift.

Nach „Conflict“ hatte Holly erneut einen Auftritt, um „Violently“ zu singen, ganz großartig wieder einmal und ich bewundere es, wie diese Frau es schafft, das Publikum erst zum Tanzen zu bringen, bis die Sohle qualmt, und am Schluss desselben Songs, wenn sie selbst ganz leise wird, die Zuschauer wie brave, mit Gänsehaut besetzte Lämmchen, die vollkommen verzaubert zur Bühne hin schmachten, dastehen zu lassen, bevor sie mit einem ins Mikro gehauchten „Thank you“ entschwebt.

Die sich anschließenden Lieder „Kings of speed“  und „Fuck U“ fand ich ebenfalls grandios, das letztere vor allem gegen Ende hin, wenn der Refrain immer und immer wieder wiederholt wird. „Interlace“ ist für mich jetzt nicht so der Knaller, aber ich finde es generell gut, wenn zwischen den ganz großen Songs immer mal wieder ruhigere Lieder zum Stillstehen (mehr oder weniger) und Energiesammeln eingeflochten werden. Denn danach flogen wieder die Fetzen: Pollard Berrier griff zum Mikroständer und die Pianomelodie läutete „Bullets“ ein. Auch wenn mir der mit seiner Gitarre am vorderen Bühnenrand abrockende Steve Harris nach wie vor fehlt – und seine „Vertretung“ (?) Mike Bird steht ja nunmal eher im Abseits –, von dem gänzlich verschwundenen Bassisten ganz zu schweigen, war „Bullets“ für meinen Geschmack um einiges mitreißender als in Stuttgart, obwohl Herr Berrier auch dort die Hüften schwang, aber irgendwie hat’s in Wiesbaden noch mehr gewirkt.

Dann kam die Pause, das Publikum klatschte wie verrückt, das Konzert hat also nicht nur mir gefallen. Als erstes Lied der Zugabe folgte „You make me feel“ in der Version Holly featuring Pollard, da Maria Q ja während dieser Archive-Tour leider nicht dabei sein wird, und mit den beiden aus dem „Controlling Crowds“-Album stammenden Liedern, dem leisen „Words on signs“, bei dem wieder der Focus auf Dave Pen lag, und dem fetzigen „Dangervisit“ ging der Konzertabend dann zu Ende. Doch zuvor bedankte sich Pollard Berrier noch beim Publikum, und zwar auf Deutsch, und forderte auch einen Applaus für Robin Foster und seine Band ein, was in dem Gejohle leider ein wenig unterging.

Diesmal bin ich noch gespannter als letztes Jahr, wie es mit Archive weitergeht! Dass eine Band im zweiten Tourzyklus zu einem Album statt guten zwei Stunden nur eineinhalb Stunden auf der Bühne steht, ist meines Erachtens relativ normal. Aber was ist mit den Songs, an denen Maria Q maßgeblich beteiligt war, zum Beispiel dieses bislang unveröffentlichte „Signs I can’t ignore“-Lied, das sie im letzten Herbst bei Konzerten sang, oder „Silent“? Und wird Mike Bird jetzt „richtiges“ Mitglied im Archive-Kollektiv, kommt Steve Harris irgendwann wieder oder bekommen wir eines Tages einen neuen Gitarristen präsentiert? Ebenso neugierig bin ich darauf, wie die Sache mit dem Bass langfristig gelöst wird. Vielleicht tut sich ja etwas in dieser Hinsicht bei den nächsten Konzerten, es kommen dieses Jahr ja noch einige:

07.04.2013 Freiburg (Jazzhaus)
09.04.2013 Erlangen (Kulturzentrum E-Werk)
10.04.2013 Krefeld (KuFa)
12.04.2013 Lille, Frankreich (Zenith Arena – Paradis Artificiel)
17.04.2013 Glasgow, Schottland (Oran Mor)
18.04.2013 Manchester, England (Sound Control)
19.04.2013 London, England (Koko)
20.04.2013 Dublin, Irland (The Village)
26.04.2013 Festival Insolent – Vannes, Frankreich
28.04.2013 Festival des Artefacts – Strasbourg (Zenith), Frankreich
02.06. 2013 Jardin Du Michel Festival – Bulligny, Frankreich
06.06.2013 Caribana Festival – Nyon, Schweiz
08.06.2013 Stare Misto Festival – Ukraine
21.06.2013 Southside Festival
23.06.2013 Hurricane Festival
28.06.2013 Open Air Festival – St. Gallen, Schweiz
29.06.2013 Le Rock Dans Tous Ses État – Hippodrome d’Evreux, Frankreich
03.07.2013 Musiques en Stock – Free Festival – Cluses, Frankreich
05.07.2013 Eurockéennes – Belfort, Frankreich
06.07.2013 Festival Au Foin De La Rue – Saint Denis de Gastines, Frankreich
07.07.2013 Main Square Festival – Arras, Frankreich
13.07.2013 Festival Terres du Son – Tours, Frankreich
16.07.2013 Francofolies de La Rochelle – La Rochelle, Frankreich
19.07.2013 Théâtre Antique – Arles Festival, Frankreich
21.07.2013 Melt! Festival – Ferropolis
23.07.2013 Les Nuits de la Guitar de Patrimonio – Patrimonio, Korsika
25.07.2013 Les Nuits de Fourvière – Lyon, Frankreich
31.07.2013 Théâtre Jean-Deschamps – Carcassonne, Frankreich
03.08.2013 Ronquières Festival – Ronquières, Belgien
09.08.2013 Chien A Plumes – Lac de Villegusien, Langres, Frankreich
15.08.2013 Frequency Festival – Green Park St. Pölten, Österreich
16.08.2013 Open Air Gampel – Gampel, Schweiz
06.09.2013 Burn Selector Festival – Warschau, Polen

Der Security-Mensch wollte sicherlich nicht auf so vielen Fotos verewigt werden, aber ein Stückchen rübergehen kam für ihm anscheinend auch nicht in Frage.

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Über luuuzie

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8 Antworten zu Archive in Wiesbaden (Schlachthof, 06.04.13)

  1. Chris schreibt:

    Hallo liebe Luzie, dein neuer Bericht von dem Archive Konzert von gestern Abend in Wiesbaden hatte etwas, für mich, sehr beruhigendes. Es freute mich zu lesen das du so viel Spaß hattest und das Robin Foster sein Versprechen gehalten hat und auf seiner Epiphone Sheraton gespielt hat. Vielleicht habe ich nächste Woche ja auch das glück sie zu hören.Jetzt nach deinem zweiten Bericht über die Archive tour bin ich schon fast mehr gespant auf die Vorband als auf Archive…:)..nein..doch eher auf Archive 🙂 Ich hoffe nur das sie, wenn ich sie nächste Woche zum ersten mal sehe auch gut drauf sind. 🙂 Zu deinen mitgebrachten Bildern kann ich auch nur sagen, die sind wieder echt gut geworden. Zum Schluss noch ein großes DANKESCHÖN für deine Mühe die du dir immer machst.
    Liebe Grüße Chris 🙂

  2. Pola schreibt:

    Hallo Luzie,dein Bericht ist wieder großartig…das war wirklich so wie Du geschrieben hast..das war mein erstes Archive Konzert und ich war nicht enttäuscht-war echt super! Danke nochmal und vielleicht bis nächstes mal..
    Liebe Grüsse Agata

  3. Chris schreibt:

    Hi Luzie, die Gitarre die man jetzt auf dem Bild zu „Luzies Welt“ sehen kann, ist das die Gitarre von Pollard Berrier ? 🙂
    Liebe Grüße Chris

  4. luuuzie schreibt:

    Hallo Chris und Pola! Vielen Dank für eure netten Rückmeldungen! Und du hast Recht, Chris, das ist eine der Gitarren, die Pollard Berrier benutzt (Ich dachte, es schadet nichts, mal die „Tapete“ zu wechseln.), die wirst du ja auch bald sehen und ich wünsche dir viel Spaß beim Konzert. Liebe Grüße!

  5. Chris schreibt:

    Hallo Luzie, ich wollte dir nur kurz sagen das Robin Foster die Epiphone Sheraton in Krefeld leider nicht mehr benutzt hat, sie stand allerdings in einem Ständer hinter ihm.
    Liebe Grüße Chris 🙂

  6. luuuzie schreibt:

    Aha, interessant! Dann scheint das ja wirklich eine einmalige Angelegenheit gewesen zu sein mit der Sheraton.

  7. Udo schreibt:

    Hi Luzie, Dein Artikel und die Fotos sind super! Das Konzert war Klasse, wenn auch (zu) kurz und leider Maria Q fehlte. Einziges Ärgernis, als „Hatchet“ gespielt wurde, Holly nach vorne kam und… man die Ohren spitze musste um Sie zu hören. Das Sie eine Klasse Stimme hat kann man wunderbar auf youtube in einer Akustik Session von oüi FM (bspw. „violently“ ) hören.
    Nochmals Danke für Artikel + Fotos und viele Grüße, Udo

  8. luuuzie schreibt:

    Hallo Udo! Danke für deine Rückmeldung und die netten Worte!
    Liebe Grüße, Luzie

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