GaS goes Rock Warm-up Party im JUZ Neunkirchen (23.03.13)

Unter dem Motto „GaS goes Rock Warm-up Party“ lieferten am 23.03.2013 – pünktlich zum Osterferienbeginn – im Neunkircher JUZ gleich drei Bands eine überzeugende Darbietung knüppelharter Gitarrenriffs und knackiger Shouts nebst klar gesungenen Passagen. Doch bevor die Auftritte von Trust Me I Lie, Alive At Last und den Parachutes en detail unter die Lupe genommen werden, sollte vielleicht zuerst einmal geklärt werden, was „GaS goes Rock“ überhaupt bedeutet.
Ganz einfach: Es handelt sich dabei um ein Benefizfestival am Gymnasium am Steinwald (GaS) in Neunkirchen, das im letzten Jahr Premiere hatte und das dieses Jahr am 25.05. in eine neue Runde geht. Zwei der drei Bands, die im JUZ auf der Bühne standen, werden mit dabei sein, und zwar Trust Me I Lie, die bereits in der ersten Edition des GaS goes Rock zeigten, was sie draufhaben, sowie die Parachutes, die Headliner des Festivals sein werden. Organisiert wird das GaS goes Rock von den Schülern, die Sandra Rupp unterrichtet, wobei der Löwenanteil sämtlicher Planungen der Lehrerin selbst zugeschrieben werden dürfte. Alle Erlöse werden in diesem Jahr dem Kinderhospizdienst Saar gespendet.

Trust Me I Lie eröffneten den Konzertabend und auch wenn ich die fünf gerade erst eine Woche zuvor live und in action erlebt habe (siehe Bericht), war ich trotzdem pünktlich vor Ort, um mir das Ganze noch einmal zu gönnen. Vor allem war ich neugierig, wie die Band ihren Auftritt ohne Bassist gestalten würde, denn es war letzte Woche schon klar, dass Swolle nicht dabei sein kann, und ein Ersatz-Bassist konnte nicht aufgetrieben werden. Also ließen die vier den Bass einfach weg, und trotzdem hörten sich die Songs noch gut an, gespielt wurden dieselben wie im Fillmore. Gestartet wurde also mit dem relativ neuen „Spectrophobia“, das vorhanden sein wird auf der EP, die bis zum GaS goes Rock fertiggestellt sein soll. Nach „Burn, forest, burn“ und „Eternity dies today“, zwei älteren Liedern, wurde mit „Hey Mister“ und anschließend „Circles“ wieder neueres Material gespielt und das hört sich in meinen Ohren richtig gut an.

Damit die Band zumindest vollständig aussieht, versuchten die vier nach ein paar Songs, jemanden aus dem Publikum dazu zu bewegen, auf Swolles nicht eingestöpseltem Bass so zu tun, als würde das Instrument gespielt werden, aber selbst ein Freund der Band, der den Bass einfach in die Hand gedrückt bekam, war für diese Gaudi nicht zu begeistern.
Die Bühne im Neunkircher JUZ ist aufgrund des mittig platzierten Stahlträgers und der für normal große Menschen etwas niedrig geratenen Deckenhöhe nicht so ganz optimal konstruiert. Für Schlagzeuger Dennis war das kein Problem, der absolviert sein Programm ja ohnehin sitzend, und auch Sniggas hatte nach oben hin genug Platz, aber Gitarrist Jens platzierte sich von Anfang an vor der Bühne im Zuschauerraum. Das war eine gute Idee, ein wenig schade fand ich allerdings, dass Jens‘ Mikro so aufgestellt war, dass er seine Parts quasi in Richtung Wand grölte anstatt dorthin, wo die Zuschauer sich ballten.

Auch Benne an der Fender Telecaster kam immer mal wieder vor die Bühne gehopst, weil er nur dort Platz zum Hochspringen hatte. Der Auftritt war also so mitreißend wie immer, aber die meisten der Zuschauer hielten sich in Sachen Bewegungsdrang oder Begeisterungsstürme ziemlich zurück, und zwar den ganzen Abend lang. Selbst bei der legendären „Umbrella“-Version hätten einige mal ein bisschen mehr aus sich rausgehen können… (Von der Performance dieses Songs in Birkenfeld gibt es inzwischen übrigens ein Video – unbedingt anschauen!) Was war da los mit der Neunkircher Jugend?! Vielleicht waren manche auch wegen nicht ganz auskurierter Erkältungen etwas angeschlagen, momentan hat man ja den Eindruck, als wäre so gut wie jeder krank, kein Wunder bei dem Winterwetter, das dem Frühling einfach keinen Platz machen will!  Auch Sängerin Sniggas fühlte sich nach eigenen Angaben etwas schlapp und wacklig auf den Beinen, stellenweise hörte man auch, dass die Erkältung, die sie schon längere Zeit plagt und die den Gesangsaufnahmen für die EP im Wege steht, immer noch nicht so ganz überwunden ist. Gute Besserung wünsche ich!

Beim letzten Song „The Kraken“ beeindruckte mich das Gitarrensolo, das Benne begann und in das Jens nach ein paar Takten einstimmte, total. Ich habe dieses Lied inzwischen zwar schon ein paarmal gehört, aber anscheinend habe ich bisher immer vergessen, auf diesen musikalisch wirklich phantastischen Moment hinzuweisen.

Wer sich Trust Me I Lie live anschauen möchte, hat dazu einige Gelegenheiten in der nächsten Zeit:
30.03.13 Saarlouis (JUZ)
11.04.13 Trier (Lucky’s Luke)
12.04.13 Pirmasens (JuHa, zusammen mit The Green River Burial, Out of Decay, A Cowboy’s Revenge)
13.04.13 Gelnhausen
27.04.13 JUZ Quierschied (mit And I Saw The Desolation)
25.05.13 GaS goes Rock (zusammen mit Parachutes, Unchained, Surrender The Crown, The Day We Fall, The College Sluts, From Fall To Spring)

Zahlreiche weitere Fotos von Trust Me I Lie gibt es ganz am Ende dieses Artikels.

Alive At Last aus Alfeld bei Hildesheim (der „Heimatstadt“ des M’era Luna-Festivals) werden zwar nicht beim GaS goes Rock dabei sein, waren aber als langjährige Freunde der Parachutes im Neunkircher JUZ am Start, um die Besucher mit Post-Hardcore / Screamo / Metal, wie die fünf ihren Musikstil auf ihrer Facebookseite umschrieben haben, auf den Headliner des Abends vorzubereiten. Das sympathische Quintett bot eine sehr raumgreifende Performance, denn trotz mehrfacher Bitten an die Zuschauer, sich doch ein paar Meter weiter in Richtung Bühne zu bewegen, kamen die meisten dieser Aufforderung nicht nach (was für mich ein Rätsel ist), also nutzten Sänger Sebastian Fricke, Gitarrist Hans Christian Weske und Bassist Viktor Schanz den vorderen Bereich des Zuschauerraums, um dem Publikum mal zu zeigen, wie man sich auf die Rhythmen von Alive At Last bewegen kann, selbst mit Instrument um den Hals. Holterdipolter, da ging’s ab! Nicht nur die Energie, die aus den jungen Männern da herausbrach, sondern auch der musikalische Rahmen beeindruckte mich sehr.

Die meisten der zehn Songs, die gespielt wurden, stammen vom aktuellen, im Januar auf den Markt gebrachten Album, das schlicht mit „Alive at last“  betitelt ist, so auch der Opener, der auf der Setlist den Namen „Kampfsport“ trägt. Einen solchen Titel wird man aber weder auf dem Debütalbum noch auf der 2009 veröffentlichten EP „Anchors Aweigh“  finden. Sänger Seb erklärte mir, dass die Arbeitstitel mancher Songs, die dann fürs Album umbenannt wurden, immer noch so in den Köpfen der Bandmitglieder verankert seien, dass sie diese ursprünglichen Titel verwenden und nicht die neuen. Der offizielle Titel von „Kampfsport“ sei außerdem viel zu lang, um ihn mal eben schnell auf eine Setlist zu schreiben, weswegen ich vermute, dass es sich dabei um das Lied „The beauty of something little less golden“ handelt.

Apropos „golden“: Ein goldfarbenes Binding hat die LTD-Gitarre (eine EC-401 in vintage black?), die Marvin Rekatzky spielt. Dieser musizierte ziemlich relaxed auf seiner Bühnenseite vor sich hin und ist zusammen mit Hans der Ideengeber für neue Songs.

Seb ließ wirklich nichts unversucht, um die Leute ein wenig zum Abrocken zu motivieren. Er feuerte sie immer wieder an, aber selbst wenn er manchen direkt vor der Nase herumhopste, wie auch seine Kollegen Hans und Viktor, blieb die Reaktion eher bescheiden. Den ersten Auftritt im Saarland haben sich die fünf vermutlich ein wenig anders vorgestellt…

Den Abschluss des Auftritts von Alive At Last bildete das Lied „Burn these bridges“, zu dem es auch ein Video gibt, das in einer S-Bahn in Köln gefilmt wurde:

Als ich mir dieses Filmchen zum ersten Mal anschaute, fragte ich mich noch, ob Sänger Seb auch bei Konzerten so eben mal zwischen gegrowltem Gesang und clean vocals wechseln kann. Seit dem Abend im JUZ weiß ich: Yes, he can! Und das löst bei mir (aka der Person, die ständig Trouble mit ihren Stimmbändern hat) natürlich einige Begeisterung aus, abgesehen davon, dass das Lied wirklich gut ist. Sebastian ist übrigens nicht der Einzige, der bei Alive At Last singt, denn Gitarrist Hans und auch der Schlagzeuger Michael Breuninger steuern bei einigen Liedern die Backgroundvocals bei.

Wer meine Konzertberichte kennt, dürfte schon Erfahrungen haben mit meinem Faible für Gitarren, und ein paar Zeilen weiter oben klingt es ja auch schon an. In dieser Hinsicht bin ich wieder um eine Erfahrung reicher, denn die Korpus- und Kopfform von Hans‘ Gitarre sah so anders aus als alles, was ich in Sachen Sechssaiter bisher bewusst wahrgenommen habe, und da der Musiker permanent in Bewegung war, gelang es mir zunächst nicht, den Markennamen zu entziffern. Nach dem Konzert klärte es sich aber, dass es sich um eine Schecter-Gitarre handelt. (Ich vermute, es ist eine Diamond C-7 Blackjack ATX.)

Gitarren anschauen und anhören kann man sich bei den beiden bislang feststehenden nächsten Konzerten von Alive At Last:
10.05.2013 Minden (Hamburger Hof)
15.06.2013 Ravensburg (Jugi)

Ganz viele weitere Fotos von Alive At Last gibt es weiter unten.

Gegen 23 Uhr war dann die Zeit für die Parachutes gekommen. Sobald der Headliner des Abends auf der Bühne stand, bewegten sich tatsächlich ein paar mehr Zuschauer in Richtung Bühne, als das früher am Abend der Fall war. Die fünf saarländischen Musiker hatten – ganz die Profis – eigene Beleuchtungselemente dabei, mit denen auf der Bühne eine wunderbare Stimmung erzeugt wurde.

Los ging’s wie auf dem aktuellen Album „Blueprints“: Ganz gemächlich wurde also der Parachutes-Auftritt eingeleitet mit „Through the mist“, das mich immer in eine traumartige Atmosphäre versetzt, gefolgt von dem etwas härteren „Comas“, bevor das Tempo mit dem älteren „Flatlines“ (vom „Vultures“-Album aus dem Jahr 2008) noch ein wenig mehr anzog. David Halberstadt war diesmal mit Fender-Gitarre und Pedalboard von den Zuschauern aus gesehen links „geparkt“, neben Chris Hunsicker am Bass, während der andere Mann mit Gitarre, Carsten Jung, die rechte Seite der Bühne für sich hatte. Sänger Stefan Kinn wirbelte im Bereich des Stahlträgers herum, machte gelegentlich halt vor Stefan Schaus‘ Schlagzeug und kam auch ab und zu von der Bühne in den Zuschauerbereich heruntergehüpft.

Nach dem musikalischen Ausflug ins Jahr 2008 standen wieder drei Songs vom aktuellen Longplayer auf dem Programm: „Dark waters“, „Arcane“ und „Shard collector“.

Diesmal wollte ich ein wenig genauer auf die Samples achten und nicht nur auf die Gitarren starren, obwohl Carsten Jungs Neuanschaffung, eine schwarze Gibson Les Paul Custom ein richtiger Augenschmaus ist, und tatsächlich, man hörte die Samples laut und deutlich! Sogar an die Klaviermelodie, mit der „Shard Collector“ ausklingt, kann ich mich noch gut erinnern.

Das folgende Lied „Vultures“ aus dem gleichnamigen Album widmete Stefan Kinn Trust Me I Lie. Oder war es erst der nächste Song „How are you feeling, Jimmy? Like a mean motherfucker, Sir!“, der sich auf dem 2009 erschienenen Album „The working horse“ befindet? Nach ein paar Takten von „Jimmy“ verschwand der Sänger in dem an die Bühne angrenzenden Raum, die anderen Musiker spielten weiter, konnten ihr Staunen angesichts des nicht mehr zurückkehrenden Frontmans aber nicht so ganz verbergen. Pünktlich zum nächsten Lied „Let me build a bridge and tear it down“ kam Stefan aber wieder auf die Bühne und entschuldigte seine kurze Abwesenheit mit Kreislaufproblemen. Die Luft im Saale war wegen den vielen Rauchern tatsächlich nicht die allerbeste und es hätte wohl keinem außer den Nachbarn geschadet, wenn man ‘mal kurz die Fenster zum Lüften geöffnet hätte. Das Lied „Let me build a bridge“, dessen Video  unlängst in den c-tube Charts den ersten Platz erklimmen konnte, macht mich immer etwas melancholisch… so auch an diesem Abend. Beim darauf folgenden Lied „A luminous black“ suchte der Sänger erneut den Nebenraum auf, nachdem schon seine Mimik und Gestik den Kollegen gegenüber darauf schließen ließ, dass es ihm nicht wirklich gut geht, und als das Lied zu Ende war, endete auch das Konzert. Ein wenig früher als geplant. Die vier Parachutes schauten erst einmal nach ihrem Sänger und machten sich dann an den Abbau ihres Equipments. Ich hoffe, dass es Stefan inzwischen wieder besser geht. Bis zum nächsten Konzert hat jeder immerhin noch ein wenig Zeit, um sich von allen Krankheitskeimen, die da gerade überall herumschwirren und hemmungslos die Leute anfallen, wieder freizumachen, und vielleicht ist bis dahin endlich auch der Frühling hier eingekehrt!

Auf der Bühne stehen die Parachutes an folgenden Terminen:
18.05.13 Lehrte (JuNO)
25.05.13 GaS goes Rock
29.05.13 Oberhausen (Kulttempel) mit Memphis May Fire und Betraying The Martyrs
30.05.13 Stuttgart (Universum) mit Memphis May Fire und Betraying The Martyrs
31.05.13 München (Feierwerk) mit Memphis May Fire und Betraying The Martyrs
01.06.13 Berlin (Comet) mit Memphis May Fire und Betraying The Martyrs
26.07.13 Riez Open Air, Bausendorf
10.08.13 Erfurt (Domizil)
17.08.13 Midsummer Open Air, Halver
04.10.13 Braunschweig (B58)

Zum Anschauen dutzender weiterer Fotos von den Parachutes einfach nach unten scrollen!

Vielen Dank übrigens an alle Bands für die Erlaubnis zum Fotografieren, sogar mit Blitz, sodass diesmal viele Bilder etwas geworden sind! Allerdings erkenne ich nun auch, dass das Geblitze bei den Fotos auf Kosten der Farben geht, während ohne Blitz zwar die Bühnenbeleuchtung ersichtlich wird, aber alles andere total verwackelt ist. Aber schaut selbst!

FOTOS

Trust Me I Lie

Alive At Last

Parachutes

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