Real Keepers, Trust Me I Lie und Everblame im Fillmore in Birkenfeld (15.03.13)

Das „Fillmore“ in Birkenfeld ist eine schöne Kneipe: Gitarren hängen dort an der Wand nebst Schallplatten in verschiedenen Farben. Gleich drei Bands gaben sich dort am 15.03.2013 die Ehre: Real Keepers, Trust Me I Lie und Everblame. Geplant war dieses Konzert eigentlich schon für den 07.12.12, aber weil damals Jens, der Gitarrist von Trust Me I Lie, an der Hand verletzt war, wurde der Gig verschoben.
Das Konzert ist ein – Achtung, Wortspiel! – ganz heißer Kandidat für die Rubrik „kältestes Konzert ever“, denn der Temperaturunterschied zwischen außen (etwa -5°C) und innen schien nicht allzu hoch zu sein. Der im Bereich der Theke aufgestellte und erst beim Eintreffen der ersten Bandmitglieder eingeschaltete Ofen war keineswegs ausreichend, um alle Räumlichkeiten in angenehme Temperatur zu hüllen. Der kleine Konzertsaal war schlichtweg eiskalt, aber weil es immerhin eine Wärmequelle gab, vor der man sich zum Aufwärmen postieren konnte, falls dieser begehrte Platz nicht besetzt war, gehört der Titel „kältestes Konzert ever“ nach wie vor dem Abend im November 2007, als im Saarbrücker E-Werk u.a. die Parachutes, Rise Against und The Used auftraten.

Warum angesichts dieser widrigen Umstände die erste Band, Real Keepers aus Mainz, beschloss, ihren Auftritt erst um 21.30 Uhr zu starten anstatt wie angekündigt eine Stunde vorher, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Vielleicht hoffte man darauf, dass zu fortgeschrittener Uhrzeit mehr Zuschauer da wären, aber das Publikum blieb recht übersichtlich.

Die Leute, die anwesend waren, wirkten aber überaus begeistert von dem musikalischen Stilmix, den die Band um den Sänger Bobo Nyiah bot. Hier knallten kräftige Gitarrenriffs, geliefert von Walter Stobbe an der schwarzen ESP LTD Viper, auf teilweise Reggae- und Ragga-artigen Gesang – eine interessante Mischung, die ich bisher noch nicht erlebt habe. Die rockige Musik, zu der auch Bassist Ralf Brehmer, der auch für die Maschine mit den Samples verantwortlich ist, sowie Schlagzeuger Sándor Hum ihren Teil beisteuern, ist schon für sich allein genommen ganz schön mitreißend, aber ich denke, das i-Tüpfelchen dieser Band ist die energiegeladene Performance des aus Tobago stammenden Sängers, der über seine Tätigkeit bei den Real Keepers hinaus etliche andere Musikprojekte vorweisen kann. Boby Nyiah war so in action, dass er regelrecht dampfte, aber das zeigte auch, wie kalt es immer noch war, genauso wie der „gefrierende Atem“ der anderen Musiker. Diese ließen sich aber nichts anmerken und die headbangenden Mädels (manche in kurzen Kleidchen und dünnen Strumpfhosen – sehr mutig angesichts einer Raumtemperatur knapp über dem Gefrierpunkt) sowie die Tatsache, dass so gut wie jeder zumindest ein wenig mit dem Fuß im Takt wippte, sind meiner Ansicht nach Beweis genug, dass die Real Keepers mit ihren Grooves ihr Ziel erreicht haben.

Neugierig geworden? Dann hört doch einfach mal auf der Soundcloud-Seite der Band in ihre Songs rein! Man findet dort auch recht lange Ausschnitte der fünf Lieder aus der aktuellen EP „Crocodile Mentality“ (veröffentlicht am 14.12.12).

Das nächste Konzert der Real Keepers findet am 04.05.2013 im Rahmen des Crossover Abends in der Destille Nordhausen statt.

Damit es weitergehen konnte mit Trust Me I Lie, musste erst einmal das Equipment auf der Bühne umgebaut werden. Im Unterschied zu anderen Konzerten in eher kleinem Rahmen, bei denen jede Band dieselben Verstärker, dasselbe Schlagzeug usw. benutzt, war an diesem Abend etwas mehr Umräumen angesagt.

Beim kurzen Soundcheck waren die Bandmitglieder von Trust Me I Lie noch gut warm angezogen, aber für ihren Auftritt trotzten die Musiker den arktischen Temperaturen: Bassist Swolle hatte den bis oben hin zugeknöpften Parka gegen ein Muskelshirt getauscht und auch Gitarrist Jens, Drummer Dennis sowie Sängerin Sniggas standen (bzw. saßen im Fall des Schlagzeugers) in kurzen Ärmeln da. Bloß Benne, ebenfalls Gitarrist, ließ seine Jeansjacke an, was ich gut verstehen kann, denn ich blieb auch nach wie vor gut eingepackt in Shirt, Hoodie und Jacke.

Trust Me I Lie starteten mit „Spectrophobia“, einem der neuen Songs, der auch auf der EP, die die fünf gerade aufnehmen, zu hören sein wird. Die Produktion dieser Scheibe wird übrigens unterstützt von der Wacken Foundation.

Nach den beiden älteren Liedern „Burn, forest, burn“ und „Eternity dies today“, bei denen Sniggas mal wieder zeigte, dass sie sowohl ihre männlichen Bandkollegen als auch das Publikum voll im Griff hat, gab es mit „Hey Mister“ und „Circles“ – so auch der Titel der EP – wieder zwei ganz neue Songs auf die Mütze. Die Kombination aus brettharten Riffs und Growls im Wechsel mit klarem Gesang finde ich total klasse und auch die Tatsache, dass nicht nur die quirlige Frontfrau, sondern auch Gitarrist Jens gelegentlich ins Mikro brüllt, macht die Performance total abwechslungsreich. Die bereits in meinem Bericht über das Konzert im Illinger JUZ erwähnte Action auf der Bühne ist ein weiterer Grund, warum es einfach tierisch Spaß macht, den fünf jungen Leuten beim Musizieren zuzuschauen. Sie sind alle ständig in Bewegung und scheinen das Abrocken zu genießen. Das steckt an, und manche der offensichtlich einstudierten Auf-und-ab-Moves der Saiteninstrumentspieler lassen mich schmunzeln – but hey, that’s how entertainment should be!

Mir fiel auf, dass sowohl Jens als auch Benne diesmal auf anderen Gitarren spielten als im Dezember. Beide hatten in Birkenfeld Fender-Gitarren dabei und ich bin jetzt schon gespannt, welche sechssaitigen Schätze die beiden eventuell darüber hinaus besitzen und zu einem der nächsten Konzerte mitbringen!

Der Höhepunkt des Auftritts von Trust Me I Lie war zweifelsohne ihre Alternacore-Version von „Umbrella“, die das Original meiner Ansicht nach um Längen schlägt. Bei diesem Song ging im Publikum wirklich jeder ab und den Schluss mit Jens‘ Gegröle fand ich wie immer großartig! Kein Wunder also, dass irgendjemand im Publikum „Nochmal!“ rief! Aber die dritte Band wollte ja auch irgendwann mal starten und die Show von Trust Me I Lie war noch nicht zu Ende. Das Quintett hatte nämlich noch  „BTHP“ und das neue Lied „The Kraken“ mit im Gepäck und das sind ebenfalls Tracks, die sich absolut nicht zu verstecken brauchen. Wer auf die härteren Töne steht, sollte sich Trust Me I Lie unbedingt einmal anschauen!

Ich hoffe, dass sich keiner der Bandmitglieder einen Schnupfen eingefangen hat und dass vor allem die Erkältung, die Sängerin Sniggas schon seit einiger Zeit plagt, endlich mal verschwindet, denn Trust Me I Lie haben schon in einer Woche ihr nächstes Konzert: Zusammen mit Parachutes und Alive At Last wird am 23.03. das JUZ Neunkirchen gerockt.

Außerdem stehen folgende Konzerte bereits fest:
30.03.13 JUZ Saarlouis
11.04.13 Trier (Lucky’s Luke)
12.04.13 Pirmasens (JuHa, zusammen mit The Green River Burial, Out of Decay, A Cowboy’s Revenge)
13.04.13 Gelnhausen
27.04.13 JUZ Quierschied (mit And I Saw The Desolation)
25.05.13 GaS goes Rock (Gymnasium am Steinwald, Neunkirchen, zusammen mit Parachutes, Unchained, The Day We Fall, Surrender The Crown, The College Sluts, From Fall To Spring)

Es war bereits kurz vor Mitternacht, als Everblame endlich die Gelegenheit bekamen, ihre Songs vorzustellen. Die drei Musiker aus Mannheim bezeichnen ihren Stil als Alternative Hard Pop und das zurecht, denn sämtliche Songs haben die richtige Prise harter Riffs und rockiger Bass- und Schlagzeugarbeit, die gelegentlich auch zum Headbangen einlädt, während der überwiegend klare Gesang von Raphael Isenhuth und die leicht mitsingbaren Refrains auch in den Ohren eines nicht an die aggressivere Musikkost gewohnten Hörers auf Gefallen stoßen dürften. Ich denke da zum Beispiel an „Souldiver“ und die Single „I like your style“ vom aktuellen Album „Beast in chaos“, veröffentlicht am 21.03.13, in dessen Zeichen das musikalische Programm stand, bevor mit „Flowers“ und „Take a bow“ auch Songs aus dem Debütalbum „Frantic“ aus dem Jahr 2011  präsentiert wurden.

Eine der Besucherinnen war total begeistert von Schlagzeuger Tobias Heidinger, der aber auch wirklich mit einer beachtlichen Energie auf die Drums eindrosch. Generell empfinde ich die Musik von Everblame als sehr hochwertig. Mir gefiel es auch gut, dass der hochgewachsene und stets ein wenig lächelnde Bassist Max Feibel bei einem Song (dem melancholischen „You live like you love low“) für den kompletten Gesangspart zuständig war und nicht bloß für die Backgroundvocals wie bei anderen Liedern. Erwähnenswert ist auch die Sammlung an Pedalen, die sowohl dem Gitarristen als auch dem Bassisten zu Füßen lag und die sogar Jamie Baker von den Officers begeistern dürfte.

Trotz vorgerückter Stunde verlangte das Publikum, als das Konzert nach etwa 45 Minuten zu Ende sein sollte, eine Zugabe, und es bekam sie auch. Raphael holte dafür seine andere Gitarre (anderes Tuning?) und widmete den Song dem Wirt des „Fillmore“.

Übrigens: Auch für die Herren von Everblame, die sich gelegentlich am Öfchen niederließen, war dieser Abend nicht das kälteste Konzert ihrer Karriere. In ihrem Fall war das ein Open Air, das im Dezember 2006 im rheinland-pfälzischen Hassloch stattfand.

Schon heute Abend stehen Everblame wieder auf der Bühne und auch weitere Konzerte sind bereits eingeplant :
16.03.2013 Weinheim (Cafe Central)
05.04.2013 Wiesbaden (Kreativfabrik)
06.04.2013 Karlsruhe (Stadtmitte)
12.04.2013 Mannheim (FORUM)
13.04.2013 Leipzig (Bandhaus)
04.05.2013 BAN-Festival Geisenheim
07.09.2013 Setalight Festival Berlin

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2 Antworten zu Real Keepers, Trust Me I Lie und Everblame im Fillmore in Birkenfeld (15.03.13)

  1. Vilja Minchen schreibt:

    Ob es nun an meiner bereits verblassten Erinnerung an das Konzert im E-Werk 2007 und den noch allzu frischen Erinnerungen an gestern Abend liegt oder an der Tatsache, dass ich trotz Wolldecke, Schal und heißem Tee immer noch zitternd auf meiner Couch liege: In meinem Kopf wird sich dieses Konzert mit Sicherheit als das kälteste Konzert bislang festsetzen. Aber es hat Spaß gemacht und zwei interessante, neue Bands haben meinen Musikhorizont erweitert! 😀

    Und dank Deines Berichtes werden DIESE Erinnerungen hoffentlich weniger schnell verblassen! Hat wie immer Spaß gemacht, „mit Dir eine kleine Zeitreise zu machen“, liebe Luzie!

  2. Pingback: GaS goes Rock Warm-up Party im JUZ Neunkirchen (23.03.13) | Luzies Welt

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