IAMDYNAMITE in Luxemburg (Rockhalcafe), 04.03.2013

IADGermanyklein„Supermegafantastic“ – So könnte meine Antwort lauten auf die Frage „Luzie, wie war dein Montagabend?“. „Supermegafantastic“  heißt aber auch das 2012 erschienene Debütalbum der Band IAMDYNAMITE, über die ich vor ein paar Tagen im Internet gestolpert bin. Den Musikstil der Songs des Duos aus dem US-Bundesstaat Michigan könnte man als eine Mischung aus Psychedelic-, Sixties-, Indie- und Punkrock bezeichnen. Alle zehn Lieder des Albums, das dankenswerterweise bei Spotify vertreten ist, versprühen eine große Portion gute Laune, der man sich kaum entziehen kann, und sind quasi so bunt wie das Albumartwork. Fast traute ich meinen Augen nicht, als ich entdeckte, dass die Band, bestehend aus Christopher Martin (Gesang und Gitarre) und Chris Phillips (Schlagzeug und Gesang), ein Konzert in meiner Nähe geben sollte. Gratis im gemütlichen Rockhalcafé! Ich wäre also schön blöd gewesen, mir dieses Konzert im kleinen Rahmen entgehen zu lassen!

Kurz bevor es losging, verteilten die Kellner an alle Anwesenden Ohrstöpsel – wie aufmerksam! Pünktlich um 21 Uhr flanierten dann Chris mit Stirnband und Chris mit Gitarre einmal quer durch den Raum, um vom Backstage-Bereich zur kleinen Bühne zu gelangen, flankiert vom Applaus des Publikums. Dieses war leider ziemlich übersichtlich, schätzungsweise 30 Leute hatten sich im Rockhalcafe eingefunden und nur ein kleines Grüppchen trat vor die Bühne, sobald die beiden Musiker startbereit waren, während die anderen Zuschauer an ihren Tischen oder an der Theke sitzen blieben. „Wie kannst du bei den Beats da ruhig sitzen bleiben?“, trällerte eine Farin-Urlaub-ähnliche Stimme in meinem Kopf, und noch während ich mich wunderte, zog mich die Hollowbody-Gitarre mit schwarzem Korpus, Bigsby-Vibrato und Gretsch-Logo am Kopf in ihren Bann. Gleiches gilt für die Musik, die da produziert wurde und die einen sofort mitriss und zum Zappeln animierte. Ich fand es total beeindruckend, was für eine Stimmung nur zwei Musiker verbreiten können, denn es gab ja bloß Gesang, Gitarre und Schlagzeug. Und gerade der Gesang der beiden, häufig gleichzeitig, auch über mehrere Takte hinweg, oder nacheinander, ist echt stark!

Der Hauptsänger hatte die Augen die meiste Zeit geschlossen und schien total abgetaucht zu sein in seiner Musik. Er sprach nicht viel zwischen den Songs, aber er stellte seinen Kollegen, dessen Bart angeblich ganz weich ist, und sich selbst kurz vor und das Publikum erfuhr, dass IAMDYNAMITE zum ersten Mal in Luxemburg zu Gast sind. Die genaue Reihenfolge der Lieder weiß ich nicht mehr, aber wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, wurden bis auf „Annie“ alle Songs gespielt, die auch auf der Bandpage-Seite von IAMDYNAMITE kostenlos in voller Länge angehört werden können, und „Hi Lo“ war, glaube ich, auch dabei. Manche Lieder endeten in einem wahren Gitarrengewitter, der Frontman wirkte gelegentlich, als würde er sich mit der rechten Hand an den Gitarrensaiten in Trance schrummeln, während sein Kollege am glitzernd roten Yamaha-Schlagzeug den Takt vorgab und bei einem Song auch so richtig ins Bassdrumpedal trat. Spätestens beim letzten Song – das war „Ms. Jones“ in einer extralangen Version – sollte jedem im Saale klar gewesen sein, dass der Drummer zwar auf der Bühne eher im Hintergrund platziert ist, aber seine Rolle nicht nur wegen seines Gesangs stark über den bloßen Rhythmusgeber hinausgeht. Der Bandname ist wirklich Programm! Bloß schade, dass die Sound-Explosion nach 40 Minuten schon zu Ende war, und obwohl der Applaus zumindest eine kleine Zugabe gerechtfertigt hätte, legte Chris seine Gitarre weg und zog die Stecker an den Verstärkern.

Allerdings konnte man nach dem Konzert mit den beiden Musikern plaudern, sich Autogramme geben lassen, Fotos machen, alles ganz locker. Chris, der barfuß spielende Schlagzeuger, erzählte einem der Zuschauer von der bevorstehenden US-Tour und dem damit verbundenen Hin- und Herreisen in dem großen Land. Auf meinen Einwurf, dass das Publikum in den Vereinigten Staaten sicher größer sei als hier, meinte er, der Termin im Rockhalcafe wäre recht kurzfristig anberaumt worden, das sei vielleicht ein Grund für die geringe Nachfrage. Wer in der Nähe wohnt und nicht dort war, hat auf jeden Fall etwas verpasst.

Da beim Konzert nur die eine Gretsch-Gitarre zum Einsatz kam (nicht dass mich das in irgendeiner Weise gestört hätte) und ich nirgends eine andere sehen konnte, fragte ich Chris, den Gitarristen, nach der Show, ob das seine einzige Gitarre sei oder seine Lieblingsgitarre. Nach kurzem Überlegen meinte er, dass er mehrere Gitarren besitzt, dass er aber Hollowbody-Gitarren am liebsten hat. Er hätte nur diese eine Gitarre mitgenommen nach Europa, weil es ziemlich stressig wäre, mit mehreren Gitarren von einem Ort zum nächsten zu reisen.

Das Reisen scheint generell nicht so ganz ohne zu sein, denn nach Aussage des Drummers sei das Jetlag erst seit dem Tag zuvor verschwunden und trotzdem sei er sich nicht so ganz sicher, welcher Wochentag gerade ist.

Bald schon müssen die zwei wieder mit dem nächsten Jetlag kämpfen, denn bereits Mitte März kehren die beiden wieder in die Vereinigten Staaten zurück, um sich dort bis Mitte Mai quasi von Osten nach Westen durchzurocken. Vorher hat man aber hierzulande noch ein paar Gelegenheiten, sich IAMDYNAMITE anzusehen:
05.03.13 Köln (MTC)
06.03.13 Bielefeld (Forum)
07.03.13 Hamburg (Molotow)
08.03.13 Osnabrück (Kleine Freiheit)
09.03.13 Berlin (Radio Fritz! Festival)

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