Blackmail im Kölner Blue Shell (Album-Release-Konzert, 22.02.13)

Musiker müssen sich angesichts sinkender Verkaufszahlen heutzutage ganz schön was einfallen lassen, wenn sie ihre Werke erfolgreich verkaufen möchten. Im Rahmen der Veröffentlichung ihres neuen Albums „II“ am 22.01.2013 in Deutschland waren die Indie-Rocker von Blackmail ziemlich kreativ:

Erste Appetitanreger gab es schon frühzeitig, Ende 2012, in Form eines Videoteasers fürs Album und – spektakulärer – als Gratisdownload des Songs „Impact“. Es folgte ein weiterer Videoteaser zum Album und einer zum nächsten Song „The rush“, der dann Anfang Februar zum Anhören bereitstand bei Spotify sowie auf der dem Slam Alternative Music Magazine beigelegten CD, gefolgt von dem von Joerg Steineck erstellten Video. Des Weiteren sollten die auf den Bandseiten im Internet geposteten Zitate aus Albumreviews sowie Fotos von den fertigen CDs die Neugier noch mehr anheizen.

Doch damit nicht genug: Aller Möglichkeiten des unerlaubten Mitschneidens zum Trotz gestatteten die vier Mannen von Blackmail ihren Fans und allen Interessierten ein ganz besonderes Schmankerl, indem sie ihr komplettes neues Opus ab 18.02. als Stream ins Netz stellten. Wer die zehn neuen Songs als Ohrenschmaus empfindet, wird sich ohnehin das Album zulegen und dieses wird gleich in mehreren Varianten angeboten: als stinknormale CD oder in der 180 gr. Vinyl-Edition mit Gatefold-Cover inklusive Hidden Track und beiliegendem Download-Code.

Getoppt wurde alles noch durch das Album-Release-Konzert im ganz kleinen Rahmen: Nur 66 Tickets waren zum Verkauf angeboten worden für das Event der besonderen Art im Kölner Blue Shell und es bräuchte wohl nicht eigens erwähnt zu werden, dass das Konzert ausverkauft war!

Solche gemütlichen Gigs sind voll nach meinem Geschmack, erst recht, wenn das Ganze zu einem supergünstigen Preis angeboten wird, ein Exemplar der CD inklusive. In so einem Fall nehme ich gerne eine leicht stressige mehrstündige Autofahrt nach der Arbeit in Kauf, denn Köln liegt nicht gerade um die Ecke.

Wie so oft stand ich mal wieder viel zu früh vor der Konzerthalle und bedauerlicher- wenn auch verständlicherweise hatte trotz unangenehmem Ostwind, der die arktischen Temperaturen noch eisiger wirken ließ, niemand, der sich schon in der guten warmen Stube aufhielt, Mitleid mit mir und den nach und nach eintrudelnden anderen Leuten. Die Klänge des Soundchecks, die nach außen drangen, als hätte das Blue Shell keine Wände, machten das Warten aber etwas angenehmer. Immerhin wurden ein paar Songs mehrmals komplett gespielt. Erst nach 20.30 Uhr, als zwei männliche Besucher forsch in den Saal stürmten und alle anderen Wartenden den beiden hinterher, wurde die Anwesenheit des Publikums im Innern akzeptiert. Ein riesiges Banner mit dem Coverfoto des Albums bedeckte die eine Langseite des Clubs.

Nach Vorlage der Bestellbestätigung und Kontrolle des Namens bekam man sein Ticket ausgehändigt und mit diesem erhielt man am Merch-Stand das neue Blackmail-Album auf CD. Dann hieß es wieder warten, der Fotograf vom JMC-Magazin war wie ich ohne Begleitung da und ich vermute, dass für die vielen Leute, die sich kannten und ihre Gesprächspartner hatten, die Zeit wahrscheinlich schneller vorbeiging als für mich und den Mann mit der Kamera. Immerhin war die Musik gut, am Anfang wurden sogar ein paar Blackmail-Songs gespielt.

Erst kurz vor 22 Uhr betraten Kurt Ebelhäuser (Gitarre, Background-Gesang), Mathias Reetz (Gesang, Gitarre), Carlos Ebelhäuser (Bass) und Tim Ebert (Schlagzeug) die kleine Bühne. Eigentlich ist Mario Matthias der Drummer bei Blackmail, aber er war leider krank und konnte deshalb beim Konzert nicht dabeisein; ich wünsche ihm gute Besserung! Tim, der zu Mathias‘ anderer Band The Heart of Horror gehört, lächelte fast permanent und schien die Vertretung Marios zu genießen.

Außer den vieren hielt sich im Hintergrund derselbe junge Mann auf, der auch beim Scumbucket-Konzert in Saarbrücken dabei war: Eike Jamelle. Seine Aufgabe war die Bedienung der technischen Geräte, außerdem bewegte er ab und zu den Schellenring und rockte im Takt.

Wie auf dem neuen Album starteten Blackmail mit „Impact“, dann folgte mit „Shine“ ein weiterer neuer Track. Mein letztes Album-Release-Konzert ist gerade mal eine knappe Woche her (*klick*), aber ich musste in Köln feststellen, dass nicht jeder Gig dieser Art nach denselben Regeln abläuft. Während Surrender The Crown ihr komplettes Album gespielt hatten, beschränkten sich Blackmail auf ein paar Songs aus „II“ und boten darüber hinaus ältere Klassiker, so folgte als drittes Lied „Evon“ vom „Friend or Foe“-Album.

Ich wunderte mich ja, warum ein Blatt mit Ausschnitten des Textes von „The rush“ – Lied Nr. 4 des Abends – am äußersten Bühnenrand neben Carlos‘ Pedalboard klebte, denn wenn der Mann am Bass nicht so ganz textsicher sein sollte, ist das doch nicht weiter tragisch, und Mathias hätte den Text von seinem Platz in der Mitte gar nicht erkennen können. Apropos „The rush“: Ich mag total die Stelle am Ende des Songs, bei der Kurt den Refrain singt, das harmoniert super mit Mathias‘ Stimme und bereichert den ohnehin richtig guten Song noch.

Danach wurde zuerst wieder ein älteres Lied gespielt, und zwar „Same sane“ vom 2001 veröffentlichten Album „Bliss please“, bevor man mit „Palms“, einer ziemlich schnellen, rockigen Nummer, wieder zum eigentlichen Anlass des Abends zurückkehrte. Aber nur kurz, denn das folgende Lied „Friend“, ebenfalls vom  „Friend or Foe“-Album, entführte das Publikum wieder in ältere Zeiten. Während der ersten Minuten dieses Songs war alles in geheimnisvolles blaues Licht getaucht, was sehr gut zur Musik passte.

Den Schluss des mit knapp 10 Minuten Spielzeit ohnehin episch langen Liedes dehnten die vier Musiker ganz schön. Jedesmal, wenn ich dachte, dass es nun tatsächlich vorbei ist, und applaudierte, griffen Kurt und Kollegen wieder in die Saiten und spielten noch ein paar Takte. Ich hatte den Eindruck, das machte denen unheimlich Spaß, und ein Blick ins Publikum ließ mich viele lächelnde Gesichter erkennen.

Allerdings war nach „Friend“ der komplette Livepart des Abends bereits zu Ende. Die Musik aus der Konserve ertönte, der Vorhang vor der Bühne wurde zugezogen und Instrumente sowie technisches Gerät wurden weggeräumt. Nach sieben Songs. 7! Das war ein ziemlich kurzes Konzert! Andererseits: Bei welchem Konzert hat man anschließend schon die Gelegenheit, mit den Bandmitgliedern zu reden, sich Autogramme geben zu lassen und die CD oder das Ticket signieren zu lassen? Das war schon sehr einzigartig. Kein Wunder also, dass Kurt & Co. ganz schön in Beschlag genommen waren, aber nicht nur von Fans, sondern auch, so wie es aussah, von Freunden und Bekannten. Wer sich lieber bewegen wollte, konnte zu recht lautem Indie-Rock, der jegliche Konversation ohnehin erschwerte, das Tanzbein schwingen. Das war dann der von mir bevorzugte Part, neben dem Plaudern mit den zwei netten Blackmail-Hörern, die ich schon beim Warten vor der Halle kennengelernt hatte. (Ein nettes Hallo in Richtung Mainz!) Vielleicht sollte ich meine vermutlich anerzogene Zurückhaltung gegenüber Musikern allmählich mal überwinden. Immerhin schaffte ich es, mich bei Mathias zu bedanken für die Geschichte über seine Lieblingsgitarre, die er für meinen Blog angefertigt hat, und ich ließ es mir nicht nehmen, dem Schlagzeuger von Scumbucket ein dickes Lob für seine Performance neulich in Saarbrücken auszusprechen. Die anderen Musiker wollte ich bei ihren Gesprächen nicht stören und ich wollte mich auch nicht danebenstellen wie bei einer Belagerung und auf meine Chance, einen Piep von mir geben zu können, warten. Daher von dieser Stelle aus ein dickes Dankeschön für das besondere Event zum erschwinglichen Preis und viel Erfolg mit „II“! Wir werden uns wiedersehen! Ich bin jetzt schon gespannt, ob dann auch die neuen Songs, bei denen Kurt umfangreichere Gesangspassagen hat, auf dem Programm stehen werden!

Tourdaten:
21.03.2013 Wiesbaden, Schlachthof (Support: Monopeople)
22.03.2013 Stuttgart, Universum (Support: Monopeople)
23.03.2013 St. Gallen, Grabenhalle (Support: Monopeople)
24.03.2013 Salzburg, Rockhaus (Support: Monopeople)
30.03.2013 Koblenz, Dreams (SuperFuzzFestival mit Zen Zebra und Monopeople)
02.04.2013 Zürich, Rote Fabrik (Ziegel Oh Lac) (Support: Waines)
03.04.2013 Mailand, Lofi (Support: Waines)
04.04.2013 München, 59:1 (Support: Waines)
05.04.2013 Wien, B72 (Support: Eve’s Fruit)
06.04.2013 Dresden, Beatpol (Support: Zen Zebra)
07.04.2013 Hannover, Faust (Support: Zen Zebra)
10.04.2013 Bielefeld, Forum (Support: Zen Zebra)
11.04.2013 Hamburg, Molotow (Support: Zen Zebra)
12.04.2013 Leipzig, Werk 2 (Support: Zen Zebra)
13.04.2013 Kaiserslautern, Kammgarn (Support: Monopeople)
14.04.2013 Köln, Underground (Support: Monopeople)
18.04.2013 Berlin, Postbahnhof (Support: Drive Like Maria)
19.04.2013 Dortmund, FZW (Support: Drive Like Maria)
24.05.2013 Amsterdam, Melkweg (Support: Drive Like Maria)

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Über luuuzie

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4 Antworten zu Blackmail im Kölner Blue Shell (Album-Release-Konzert, 22.02.13)

  1. Chris schreibt:

    Hallo Luzie, es war wiedereinmal, eine angenehme Zeit bei dir und deiner Beschreibung über die
    Abenteuerliche Reise nach Köln. 😀 Ach ja, die Bilder die du „uns“ mitgebracht hast, sind echt gut geworden. 🙂 Danke für deine Mühe und das wir an deinen Abenteuern teil haben dürfen. 🙂
    Liebe Grüße Chris

  2. Thomas schreibt:

    Hey Luzie,
    super Bericht! Nachdem ich mich jetzt vollends reingehört habe freue ich mich schon auf das nächste Konzert in Kaiserslautern. Kommst du auch?
    Viele Grüße
    Thomas (aus Mainz 😉

  3. luuuzie schreibt:

    Hallo Chris und Thomas!
    Dankeschön für euer Lob! Und ja, ich werde mir das Konzert in Kaiserslautern anschauen, bin vorher aber noch auf einem anderen Blackmail-Konzert, über das ich garantiert auch berichten werde. 😉
    Liebe Grüße und bis bald!

  4. Pingback: Blackmail in Zürich (02.04.13) | Luzies Welt

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