Paul Banks in Paris (L’Alhambra, 11.02.13)

Nachdem mir am vorletzten Wochenende eine lästige Erkältung einen Strich durch sämtliche geplanten Aktivitäten gemacht hatte, beschloss ich, sobald es mir wieder besser ging, mir etwas richtig Gutes zu tun, und buchte spontan eine Kurzreise nach Paris. Wer mich kennt, weiß, welche positiven Energien der Aufenthalt in der französischen Hauptstadt gewöhnlich bei mir freisetzt, erst recht, wenn ein Konzertchen involviert ist.

Statt Paul Banks hätte ich mir auch die 69 Eyes anschauen können, denn die spielten auch am 11.02. in Paris und Herrn Banks hatte ich ja erst vor kurzem in Luxemburg beim Konzert (siehe Blogeintrag) gesehen, wohingegen mein letztes 69 Eyes-Konzert zweieinhalb Jahre zurückliegt. Und trotzdem: Der Banks-Gig in Luxemburg war so phänomenal, dass es eine Wiederholung geben musste! Die Finnen müssen warten.

Am Abreisetag versetzte mich aber zuerst einmal der Blick aus dem Fenster (Schnee) und sofort danach der ins Internet in Panik, denn schwarz auf Weiß prangten da die Worte, dass der Zug, den ich gebucht hatte, nicht fuhr. Offenbar machte die Kälte dem deutschen Hochgeschwindigkeitszug wieder zu schaffen, obwohl es eigentlich gar nicht sooo kalt war, aber alles Gemotze änderte nichts an der Tatsache, dass ich zuerst zum Warten am kalten Bahnhof verdonnert und anschließend dazu gezwungen war, mich mit drei verschiedenen Zügen französischer Bauart in Richtung Paris zu begeben – wo ich zum Glück nur eineinhalb Stunden später als geplant ankam. Die Sonne schien, es war vergleichsweise warm und nach einem leckeren café crème mit pain au chocolat und anschließend einem frisch gebackenen Brot mit Houmous stellte sich dann auch das Paris-Wohlgefühl ein.

Die Konzerthalle, das Alhambra, ist nicht allzu groß; 600 bis 800 Besucher kann der Saal fassen und ich schätze, dass darin sogar weniger Platz ist als im Atelier in Luxemburg. Wie im legendären Pariser L’Olympia steigt auch im Alhambra nach hinten zu der Boden leicht an, sodass man von dort auch relativ gut auf die Bühne sieht. Geniale Idee, einen Konzertsaal so zu konstruieren! Zwischen Bühne und Zuschauerraum gibt es keinerlei Absperrung, weswegen die Besucher der ersten Reihe quasi mit dem Bauch an der Bühne stehen und die Musiker wirklich ganz nah vor sich haben. Fantastisch! Ganz abgesehen davon, dass man auch das Handtäschchen und seine Jacke bequem am vorderen Bühnenrand deponieren kann.

Erfreulicherweise war schon um kurz nach 19 Uhr Einlass – so brauchte man nicht allzu lang bei kühlen Temperaturen zu warten – und die Band Darko bot mit ihren eher melancholischen Songs, bei denen Electro mit einer Prise Darkwave auf verzerrte post-rock-artige Gitarrenklänge trifft, einen gelungenen Einstieg in den Konzertabend. Die vier Musiker – einer am Keyboard, zwei Gitarristen und ein Schlagzeuger – oder sogar fünf, wenn man denjenigen dazuzählt, der zu Beginn den Computer mit den Samples startete, haben die 80er Jahre als Kinder erlebt und wurden von der damals in ihrem Umfeld angesagten Musik (The Cure, Depeche Mode, New Order und dergleichen) geprägt. Ob die vier tatsächlich aus den unterschiedlichsten Ländern (Deutschland, Amerika und Frankreich) stammen oder ob der Hinweis auf die internationale Zusammensetzung nur ein Scherz sein sollte, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Vielleicht habe ich diese Worte auch nicht richtig verstanden. Zu blöd aber auch, dass man im Internet so wenig Informationen über diese Band findet!

Der Gesang stand bei Darko eindeutig nicht im Vordergrund, die instrumentalen Parts dominierten, obwohl nicht nur der junge Mann mit der Elektroakustikgitarre von Gibson mit Korpus aus dunklem Holz für die Vocals zuständig war, sondern auch der Bandkollege mit der Fender-Gitarre, der bei einem Lied so eine Art eigenen Gesangspart hatte, während der andere Sänger eine ganz andere Melodie sang. Das hörte sich gut an.

Nach zwei oder drei Songs griff der „Hauptsänger“ aus dem inmitten der Bühne platzierten Rack die rote Gibson Hollow Body, die ich die ganze Zeit schon im Auge hatte, und spielte die restlichen Songs auf diesem schönen Instrument.

Auch in die Tasten eines Keyboards schlug er bei einem Song. Die beiden Gitarrespieler hörten sich nicht nur gut an, sondern boten auch etwas fürs Auge, da sie ständig in Bewegung waren, wenn nicht gerade ihr Einsatz am Mikro verlangt war. Vor allem beim letzten Lied reckten sie ihre Instrumente nur so in die Luft und verbogen ihre Körper dem Groove entsprechend. Ich mag das, wenn es nicht allzu übertrieben wirkt.

Warum der junge Mann mit der schönen Gibson zu seinen Abschiedsworten mit den Händen ein Kreuzzeichen in die Luft malte, wie ein Pfarrer das tut, entzieht sich meiner Kenntnis. Ende der Predigt oder was? SO düster war die Musik jetzt aber nicht. Die Geste passt jedoch zum Artwork der im November 2012 veröffentlichten EP, deren drei Songs man sich auf der Bandpage-Seite von Darko anhören kann.

Beim Umbau der Bühne für Paul Banks dröhnte aus den Lautsprechern Hip Hop mit stellenweise durch Mark und Bein gehendem Bassgewummer. Während ich noch grübelte, wessen Idee es war, solch – pardon! – scheußliche Musik in einer Affenlautstärke laufen zu lassen, fiel mir ein, dass Herr Banks ja nach eigener Aussage auf diese Art der Musik steht, also war die Beschallung mit diesen Beats möglicherweise ihm zu verdanken. Da sieht man wieder, wie unterschiedlich die Geschmäcker sein können!

Als der wichtigste Mann des Abends und seine drei Begleitmusiker gegen 21.15 Uhr die Bühne betraten, war die Halle so gut wie voll, es war inzwischen sogar die anfangs offenbar noch geschlossene Empore mit den Sitzgelegenheiten geöffnet worden.

Da ich Paul & Co. ja erst vor kurzem live gesehen habe, sind ein paar Vergleiche mit dem Konzert in Luxemburg natürlich unvermeidlich. Die Band spielte überwiegend dieselben Songs wie im Großherzogtum – abgesehen von „Goodbye Toronto“, das diesmal nicht dabei war. Gestartet wurde in Paris mit „Unwind“ (was es in Luxemburg nicht zu hören gab) und der Opener von Luxemburg, „Skyscraper“, wurde zum Einstieg in den Zugabenblock genutzt. Werft einfach selbst einen Blick auf die Setlist!

Es wäre für mich wie der flüssige Kern im Schokotörtchen gewesen, wenn Paul diesmal auf der Gibson ES-135 gespielt hätte, aber nein, es musste die Fender sein.

Der 34-Jährige sprach nicht viel, aber das muss er ja auch nicht, und bedankte sich zwischen den Songs ein paarmal en français, sehr herzlich, lächelnd, und glänzte auch mit ein paar weiteren Brocken Französisch. Lediglich als bei einem Lied das Mikrofon ab und zu schrille Piepsgeräusche von sich gab, verging Herrn Banks das Lächeln und düstere Blicke wurden in Richtung Mischpult auf der Empore geschickt.

Selbstverständlich stellte Paul auch an diesem Abend seine Begleitmusiker vor, wie in Luxemburg und wahrscheinlich bei allen anderen Konzerten auch nicht alle auf einmal, sondern jeweils einen nach einem Lied. Es kann schließlich nicht vorausgesetzt werden, dass jeder im Publikum weiß, dass das Damien Paris an der anderen Gitarre und Charlie Burst am Schlagzeug ist, und manche Konzertbesucher interessieren sich ja für solche Details. Brandon Curtis, der Bass und Keyboards spielt sowie die Backgroundvocals singt, könnte manchen Zuschauern bereits begegnet sein, sofern sie ein Konzert der letzten Interpol-Tour angeschaut haben.

Das Publikum setzte sich zusammen aus einigen jüngeren Leuten – i.e. Leute im späten Teenageralter und Twens – und etlichen, die eher in die Kategorie Ü-30 passen. Ich hatte sogar den Eindruck, dass die älteren Zuschauer mengenmäßig leicht überwiegen.

Den Sound fand ich in Paris besser als in Luxemburg, weil Damiens Gitarre nicht zu laut und Pauls einzigartige Stimme daher besser hörbar war. Der Mann mit Bart und Brille wirkt übrigens so, als würde er mit größtem Vergnügen in die Saiten hauen; es ist eine Wonne, ihm zuzusehen, auch wenn er nicht spielt und stattdessen Faxen macht! Das scheint ein witziges Kerlchen zu sein, dieser Damien! Leider konnte ich nicht allzu oft zu ihm hinschauen, weil der eine Scheinwerfer über ihm so eingestellt war, dass er mir meistens voll ins Gesicht strahlte (fast jeglicher Versuch, ein akzeptables Foto zu schießen, war daher zwecklos) und ich somit – total geblendet – quasi dazu gezwungen war, meinen Blick auf Paul zu heften.

So gefällt mir „Lisbon“ gleich viel besser! Da mir Pauls Stimme bei diesem Lied fehlt, höre ich es nämlich nicht so gerne wie andere seiner Songs, aber wenn man Herrn Banks dabei beim Gitarrespielen anschauen kann, gewinnt dieses Lied enorm und vielleicht funktioniert das Kopfkino ja so gut, dass ich „Lisbon“ nicht wegdrücke, wenn es mir beim nächsten Mal im normalen Umfeld begegnet.

„On the esplanade“ war wieder so schön, erst nur Paul an der Gitarre, ganz leise, bevor nach und nach die anderen Musiker einsetzten. Hätte es bei diesem Song und beim letzten, „Games for days“, ein ebenso schönes Lichtspiel gegeben wie in Luxemburg – alles wäre perfekt gewesen! Aber auch ohne die Lichteffekte fand ich das Konzert in Paris einen Tick besser als das in Luxemburg.

Wer Paul Banks in den nächsten Tagen noch live sehen möchte und im deutschsprachigen Bereich lebt, muss eine etwas weitere Reise auf sich nehmen, denn der Musiker spielt an folgenden Orten:
13.02. Istanbul, Babylon (Türkei)
14.02. Istanbul, Babylon (Türkei)
15.02. Athen, Fuzz Club (Griechenland)
17.02. Moskau, Milk (Russland)
18.02. St. Petersburg, Kosmonavt (Russland)

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