Paul Banks in Luxemburg (Den Atelier, 27.01.13)

Nur für den Fall, dass jemand mit dem Namen Paul Banks auf Anhieb nichts anfangen kann: Er ist Sänger und Gitarrist der Band Interpol aus New York.
2009 brachte er unter dem Namen Julian Plenti sein erstes Solo-Album „Julian Plenti Is… Skyscraper“ auf den Markt und auch im Titel der EP, die seinem im Oktober 2012 veröffentlichten zweiten Solo-Album „Banks“ vorausging, ist noch von Julian Plenti die Rede. Dieses Alter Ego existiert seit August diesen Jahres nicht mehr und der Musiker erklärte das im Interview damit, dass die meisten Songs des Debütalbums richtig alt sind und ihre Wurzeln bis in seine College-Zeit reichen und auch das Lied „Summertime is coming“, eines der fünf Lieder der „Julian Plenti lives“-EP, stamme aus dieser Phase seines Lebens, auch wenn das Lied für die EP und das Album noch einmal neu aufgenommen wurde. Da die anderen Songs des aktuellen Albums mit dieser Frühphase des musikalischen Schaffens des Herrn Banks gar nichts zu tun haben, konnte er seinen Aliasnamen, der an diese uralten Songs gekoppelt ist, abstreifen.

Um alte und neue Songs von dem charismatischen Musiker zu hören, machte ich mich am 27.01. auf nach Luxemburg – mit ein wenig schlotternden Beinen an Gaspedal, Bremse und Kupplung. Gäbe es eine Kommission, die den Auftrag hätte, das Wort des Tages zu küren, wären „Eisregen“ und „Straßenglätte“ sicherlich in die engere Wahl gekommen! Aber wenn Paul Banks in der Nähe spielt, kann ich mir das doch nicht entgehen lassen! Einige andere potentielle Besucher sahen das offenbar völlig anders, denn es waren so wenige Karten verkauft worden, dass im Atelier die Zugänge zur Empore abgesperrt waren und noch nicht einmal die Bar im Konzertraum geöffnet war, bloß die im Foyer.

Als kurz nach 20.30 Uhr fünf junge Herren der Vorband Willow die mit Equipment ziemlich überladene Bühne betraten, frotzelte ich noch, wo die sich denn alle hinstellen wollen, und dann kam noch einer dazu, Bandmitglied Nr. 6, der Sänger Pieter-Jan Van Den Troost. Dieser nutzte das bisschen Bewegungsfreiheit, das er hatte, voll aus und stand keinen Moment still, während der Gitarrist zu seiner Linken (Nils Goddeeris) ab und an bloß ein wenig auf der Stelle laufen konnte. Schlagzeuger Jonas Goddeeris und Keyboarder Tom Brewaeys waren an je einem Außenrand der Bühne platziert und der Bassist Pieter Dhaenens (im Wollpulli – der hatte bestimmt schön warm!) sowie ein weiterer Gitarrist (Vincent Buelens), der gelegentlich in der Hocke dasaß und an einem Computer hantierte und dessen hübsche schwarz-weiße Rickenbacker-Gitarre mir natürlich sofort auffiel, reihten sich irgendwie ein. Nach dem ersten Song begrüßte der Sänger das Publikum en français und verriet, dass Willow aus Brüssel stammen.

Ich überlegte die ganze Zeit, an welche Band(s) mich ihre poppige Rockmusik erinnert, und The Killers schwirrten mir im Kopf herum, aber dieser Vergleich passt nicht hundertprozentig. Wer möchte, kann ja im YouTube-Channel der Band ein wenig stöbern, dort findet man u.a. das Video zur Single „Sweater“, die neben sechs anderen Songs gespielt wurde.

Mit meinem Plätzchen in der ersten Reihe in der Mitte war ich zwar vollauf zufrieden. Allerdings hat man beim Fotografieren den Nachteil, dass man nie die ganze Band vor die Linse bekommt. Außerdem war es ziemlich dunkel auf der Bühne, was das Fotografieren, da ich ja keinen Blitz verwende, zusätzlich erschwerte, genau wie die vielen blendenden Lampen. Daher gibt es von Willow nicht allzu viel (sprich: kein) gelungenes Bildmaterial.

                   

Kurz nach 21.30 Uhr wurde das Licht im Saal erneut gedimmt und Paul Banks – schick in dunkler Kleidung, mit Hemd und Anzugsjacke – sowie seine drei Begleitmusiker betraten die Bühne. Es wurde kurz an den Instrumenten herumgezwirbelt, dann ging’s los mit „Skyscraper“. Die Bühne war zunächst ganz in blaues Licht getaucht und ich konnte endlich Pauls Yamaha-Gitarre mit dem großen Aufkleber von Audrey Hepburn, die die ganze Zeit vor dem Schlagzeug stand und daher von dem Monitor am vorderen Rand der Bühne verdeckt war, in Augenschein nehmen. Eigentlich hatte ich darauf gehofft, Pauls Gibson ES-135 vor der Nase zu haben, aber diese „Frühstück bei Tiffany“-Gitarre ist auch speziell. Es ist wohl die Gitarre, die Paul laut eigener Aussage für nur 200 Dollar gekauft hat, eine „shitty guitar“, in die er sich verliebt hat.

Auch das zweite Lied „Fun that we have“ stammt vom Debütalbum „Julian Plenti Is… Skyscraper“, dann folgte „I’ll sue you“ vom aktuellen Longplayer. Paul Banks hielt die Augen die meiste Zeit geschlossen, auch bei den instrumentalen Parts, nur ab und zu schaute er nach oben in Richtung Empore, die ja eigentlich geschlossen war…
Zwischen den Liedern bedankte sich der Sänger herzlich für den Applaus und zollte der französischsprachigen Zuschauerschaft mit etlichen Merci bien Respekt.

Ganz wie es sich gehört, stellte Paul auch seine drei Begleitmusiker vor, zwar nicht alle zum selben Zeitpunkt, aber er erwähnte in den Pausen zwischen den Songs jeden von ihnen, alle drei sind langjährige Bekannte: Brandon Curtis hatte am meisten zu tun, denn er spielte Bass und Keyboards, sang bei einigen Songs (z.B. „Summertime is coming“) die Backgroundvocals und bediente auch den Computer mit Äpfelchen-Logo, der wahrscheinlich die Samples lieferte. Brandon ist bei verschiedenen US-Rockbands, u.a. The Secret Machines, tätig und war schon bei der letzten Interpol-Tour dabei, damals aber dezent im Hintergrund.

Schlagzeug spielte Charlie Burst (leider ist es mir nicht geglückt, ein akzeptables Foto von ihm zu schießen) und als zweiten Gitarristen hatte Paul Damien Paris von der Band The Giraffes aus Brooklyn dabei. Dessen wunderschöne, mit Stickern verzierte Linkshänder-Gibson Standard hätte aber ein wenig leiser sein dürfen, denn zumindest dort, wo ich stand, war der Klang dieser Gitarre sehr dominant und überlagerte Pauls Stimme stellenweise zu stark. Der Mann mit der Nerd-Brille und den in einen Schnurrbart übergehenden Koteletten spielte allerdings tadellos.

Irgendwann meinte Paul, dass es ihm durch die Wärme der Scheinwerfer ziemlich warm ist, woraufhin er seine Jacke auszog und uns sofort die Klimaanlage um die Ohren pfiff, und zwar mit einer Temperatur, die sich ähnlich wie die momentan herrschende Außentemperatur anfühlte, sodass ich mir nach ein paar Liedern wünschte, das Ding würde wieder abgestellt werden, aber die Kaltluft blies uns bis nach dem letzten Song des Abends ins Genick.

Die Titel der Songs, die an diesem Abend gespielt wurden, meiner Ansicht nach ein gelungener Mix aus älterem und neuem Material, kann man sich auf dem Foto von der Setlist ansehen. Lied Nr. 4, „Only if you run“, gehört zu meinen Lieblingsliedern und es live zu hören, einen Meter entfernt von Paul Banks, verzauberte mich total!

„Goodbye Toronto“ – von Paul Banks auf Französisch erklärt – existiert (noch) nicht als Studioversion, wird aber schon seit der Julian Plenti-Zeit live gespielt.

Es war sicherlich kein Zufall, dass bei „Summertime is coming“ die Bühne vor allem mit gelbem Licht beleuchtet war, das verlieh dem Ganzen tatsächlich eine sonnige Atmosphäre. Wunderschöne Lichtkunst gab es bei „On the esplanade“ in Form eines Lichtmusters am Hintergrund der Bühne.

Dieses Lied sowie „Games for days“ (Großartig!!!) waren eigentlich als Zugaben vorgesehen, jedoch als Brandon nach „Summertime is coming“ die Bühne verlassen wollte, signalisierte Paul ihm, dass ohne Pause weitergespielt wird. Warum, darüber kann nur spekuliert werden. An der Zeit dürfte es jedenfalls nicht gelegen haben, weil es noch nicht einmal 23 Uhr war… Aber in Anbetracht der Winterwetterkapriolen war mir das gerade recht und ich war schon ein wenig erleichtert, als ich mein Auto nach einer sehr nebellastigen Heimfahrt in die Garage steuerte.

Wer Paul Banks gerne live sehen möchte, hat an folgenden Terminen die Gelegenheit dazu:
28.01. Frankfurt, Mousonturm
29.01. Köln, Gloria
31.01. Lausanne, Les Docks (Schweiz)
01.02. Mailand, Magazzini Generali (Italien)
02.02. Ljubljana, Kino Siska (Slowenien)
03.02. Wien, Wuk (Österreich)
05.02. Prag, Roxy (Tschechien)
06.02. Berlin, Kesselhaus
07.02. Kopenhagen, Amger Bio (Dänemark)
09.02. Hamburg, Grünspan
10.02. Amsterdam, Melkweg (Niederlande)
11.02. Paris, L’Alhambra (Frankreich)
13.02. Istanbul, Babylon (Türkei)
14.02. Istanbul, Babylon (Türkei)
15.02. Athen, Fuzz Club (Griechenland)
17.02. Moskau, Milk (Russland)
18.02. St. Petersburg, Kosmonavt (Russland)

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