Eternal Tango – The Last Goodbye (Den Atelier, 22.12.12)

Die Rolling Stones feierten unlängst ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum – wer hätte in den 80ern oder 90ern gedacht, dass die Mannen um Mick Jagger angesichts ihres nicht gerade gesundheitsfördernden Lifestyles auch im neuen Jahrtausend noch Konzerte geben?! Eine ähnliche Dauerhaftigkeit klingt im Bandnamen Eternal Tango zwar an, allerdings kann der ewige Tangotanz ab sofort nur noch zu den bereits bestehenden Musikstücken erfolgen und nur wenn die Musik von CD, als mp3 oder sonstwie „aus der Konserve“ abgespielt wird, denn nach zehn Bandjahren ist nun leider Schluss mit dieser Band aus Luxemburg. Bei den Aufnahmen zum dritten Album kamen manche Bandmitglieder offenbar zu der Erkenntnis, dass sie so nicht weitermachen wollen, und die 20 Songs, an denen Eternal Tango arbeiteten, wurden gar nicht erst fertiggestellt – bis auf einen, dessen Titel „New beginning“ ein wenig Hoffnung gibt, dass man den einen oder anderen der Tango-Jungs vielleicht bei anderen Bandprojekten auf der Bühne sehen wird. (Das offizielle Statement der Band zum Split – in aller Freundschaft, wie es scheint – kann auf der Homepage der Band oder auf ihrer Facebookseite nachgelesen werden.)

Am Samstag gaben Eternal Tango also im ausverkauften Den Atelier in Luxemburg ihr Abschiedskonzert. Obwohl es den ganzen Tag schüttete, erreichten meine Freundin und ich das Innere der Konzerthalle einigermaßen trocken (dank Schirm, den ich vor der Eingangstür auf den Boden legte – ich fragte erst gar nicht, ob ich das ohnehin ramponierte Ding mitnehmen darf – und von dem ich nicht glaubte, dass ich ihn je wiedersehen würde). Wir postierten uns auf der Empore, die uns beste Sicht auf die Bühne garantierte und auf das Spektakel, das sich später im Zuschauerraum ereignen sollte. Nach und nach bevölkerten Menschen aller Altersklassen den Raum vor der Bühne und auf dem Balkönchen.

Die erste halbe Stunde gehörte der Anfang 2012 in Luxemburg gegründeten Band  Mother Heroine. Kaum hatten die vier losgelegt, öffnete sich in meinen Gedanken die Schublade „Stoner Rock, Queens of the Stone Age“, was soviel heißt wie: Ich mochte die Musik, die uns Sänger und Gitarrist Max (mit überaus angenehmer Stimme, ganz nach meinem Geschmack!), Leadgitarrist Michel, Bassist Tim und Drummer Chris boten, und werde die Band auf jeden Fall im Auge behalten. Und im Ohr, denn ihre EP „Red leader“ kann bei http://motherheroine.com/ gestreamt oder käuflich erworben werden. (Nebenbei bemerkt für die, die mich und mein Faible für diverse Saiteninstrumente kennen: Tim spielte, wenn ich das auf die Distanz richtig erkannt habe, auf einem braunen Gibson Thunderbird.)

Um 22 Uhr war dann die Zeit gekommen für den letzten gemeinsamen Auftritt von Sänger David Moreira, David Schmit an der Gibson-Gitarre, Joe Koener mit Duesenberg-Gitarre, Bassist Tom Gatti und Schlagzeuger Pit Romersa, wobei der Sänger im Wollkäppi erst nach dem instrumentalen Intro die Bühne betrat und dann zusammen mit seinen Kollegen dem Publikum „Ronny Roy Johnson” entgegenschmetterte. Von Abschiedsschmerz merkte ich weder bei der Band noch beim Publikum etwas – vielleicht war die Zeit zwischen Ankündigung und Konzert lang genug, um den Schock ein klein wenig zu verdauen. Es wurde gerockt wie eh und je und natürlich durften auch Songs wie zum Beispiel „Da-Da“ und „Oh no” nicht fehlen.

Die Zuschauer, vor allem die in den ersten Reihen vor der Bühne, tanzten ausgelassen und sangen Silbe für Silbe mit und bei den härteren Songs gab es auch die eine oder andere Pogo-Runde. Ich hatte den Eindruck, dass alle Spaß hatten, und auch die Bandmitglieder schienen von der Energie des Publikums angetan gewesen zu sein. Falls Sänger David in seinen gelegentlichen Ansprachen an das Publikum zwischen den Songs etwas anderes gesagt haben sollte, was ich aber nicht glaube, dann sei es mir verziehen, denn er redete auf Luxemburgisch und seine Ausführungen waren daher nur zu einem kleinen Bruchteil verständlich für mich. Fakt ist, dass er immer wieder zur Aftershowparty ins Soulkitchen direkt neben dem Atelier einlud.

Irgendwann warf einer der Securities einen ziemlich großen gelben Ballon in die Zuschauermenge, der häufiger auf der Bühne landete und von den Musikern wieder zurückgekickt oder geworfen wurde. Kurze Zeit später – ich hatte gar nicht gesehen, wo die herkamen – flogen ganz viele gelbe Ballons und mehrere wirklich gigantische schwarze Ballons mit Eternal Tango-Bandzeichen durch die Luft. Besonders lustig fand ich den Moment, als einer dieser dunklen Kolosse mitten auf der Bühne landete und von Sänger David nur noch Oberkörper und Kopf zu sehen waren, bevor er das Ding wieder in die Menge kickte. Die kronleuchterartigen an Kabeln an der Decke befestigten Lampen schwankten infolge Ballonbeschuss gefährlich und die Betreiber der Halle werden wohl ein bisschen Arbeit damit haben, etliche in ihrer Position veränderte Scheinwerfer wieder zurechtzurücken. Einer der Sicherheitsmänner schien es besorgt zur Kenntnis zu nehmen, dass da einiges an der Decke ganz schön baumelt, aber seine Gesten, dass der eine verbliebene große Ballon zu ihm transportiert werden sollte, nahm von den Besuchern auf dem Parkett offenbar niemand wahr. Sei’s drum, wenige Sekunden später beim nächsten Kontakt mit einer offenbar zu spitzen Lampenecke platzte das Ding ohnehin mit einem lauten Knall und zerbarst in viele Einzelteile.

Selbstverständlich war um kurz nach 23 Uhr nicht schon Schluss, sondern es gab noch einen kleinen Zugabenblock, bestehend aus den Liedern „New beginning“ und „Golden City”. Danach erfolgte die finale Verbeugung, Umarmungen, Ende der Ära Eternal Tango.

Bei all dem Enthusiasmus, der der Band vonseiten des Publikums entgegenschlug, ist es wirklich bedauerlich, dass eine derart gute Band wie Eternal Tango nun Geschichte ist. Aber mit diesem fulminanten Konzert bereiteten sich die fünf Luxemburger selber einen adäquaten Abschied vom gemeinsamen Bandleben. Sehr rührend  finde ich, dass jeder Konzertbesucher beim Eintritt einen Papiergutschein für ein Bandplakat mit Abschiedslogo, designt von der Luxemburger Künstlerin Anne Mélan, erhalten hat. Selbstverständlich tauschten meine Freundin und ich unsere Bons nach dem Konzert gegen ein solches Poster ein. Ich empfinde das als nette Geste, jedem, der das möchte, solch ein Andenken mitzugeben! Vielen Dank, Eternal Tango, und villmols merci auch für die tolle Musik und die Konzerte, die ich von euch erleben durfte!

Erfreulicherweise lag mein Schirm noch genau an der Stelle im Eingangsbereich, wo ich ihn beim Eintritt hingepfeffert hatte, und wir erreichten unser Auto somit wieder einigermaßen trockenen Fußes.

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