Luzies Lieblingslongplayer 2012

Best Of-Listen – gegen Ende des Jahres kann man sich diesen Verzeichnissen kaum entziehen, denn sie scheinen überall zu sein und so sehr mir all diese Listerei und Rückblickerei auch auf den Keks geht, hat mich das Übermaß an Top whatever-Aufzählungen doch dazu angeregt, einmal nachzudenken, welche Alben mein Jahr 2012 gerockt haben. Natürlich könnte ich daraus keine Top 10 zusammenzimmern, muss ich ja auch nicht, daher gibt es einfach ohne Rangfolge einen Überblick über die Alben, die dieses Jahr in musikalischer Hinsicht für mich ganz besonders gemacht haben.

In diesem Kontext muss auf jeden Fall die Kollaboration des britischen Duos Soulsavers mit Dave Gahan erwähnt werden. Schon beim ersten Hören, noch bevor das Album veröffentlicht wurde (Internetstream sei Dank), haben sich diese wunderbar melancholischen Songs auf „The light the dead see“ ganz tief in mein Herz gegraben und da sitzen sie immer noch. Awwww-Faktor 150%! Wer hätte gedacht, dass der Depeche Mode-Frontman SO zart singen kann (z.B. bei „In the morning“)! Ich bin immer noch total geplättet – von der Musik und den Texten. Dieses Album wird offenbar nie langweilig, auch wenn einen manche Songs je nach Stimmungslage ganz schön mitnehmen können…

Die Songs der Officers sind im Vergleich dazu ein ganz anderes Kaliber. Als coolen Electro-Indierock mit Industrial-Elementen, zu dem man in Clubs gut abtanzen kann, könnte man die Musik der jungen Leute aus Leeds bezeichnen. Obwohl ich deren Album „On the twelve thrones“ schon seit 2011 besitze – in dem Jahr wurde es in Großbritannien veröffentlicht und ich wollte es unbedingt haben und habe es mir in einem Londoner Plattenladen bestellt, bei uns wurde es erst 2012 veröffentlicht –, habe ich es auch noch im laufenden Jahr sehr häufig gehört und mag es nach wie vor total. Bloß schade, dass bei meiner alten Albumversion der Bonustrack „Petals“ mit Gary Numan nicht dabei ist! Aber egal ob mit oder ohne Bonustrack: Auf jeden Fall anhören, einige Songs des Albums gibt es u.a. auf der Soundcloud-Seite der Band!

Auch Jack Whites Album „Blunderbuss“ hat großen Eindruck bei mir hinterlassen. Beim ersten Song „Missing pieces“ fällt es mir auch nach x-fachem Anhören schwer, still sitzen zu bleiben (was beim Autofahren allerdings förderlich wäre), und zu „Sixteen saltines“ nicht zumindest ansatzweise ausflippen geht gar nicht. Ähnlich verhält sich das bei den restlichen Songs des Albums. Die haben alle den Groove, der mich total anspricht, auch die langsameren Lieder. Also wenn ihr mal irgendwo auf deutschen Straßen eine Irre hinterm Lenkrad seht, die wild mit dem Kopf zuckt, singt und mit den Armen gestikuliert, dann stehen die Chancen gut, dass ich das bin, während ich Jack White höre.

Die als „Supergroup“ bezeichnete Band Axewound mit Matt Tuck von Bullet for my Valentine, Liam Cormier von den Cancer Bats und drei weiteren Musikern, die eigentlich hauptberuflich zu anderen Bands gehören, legte gegen Ende des Jahres ihr erstes Album „Vultures“ vor, ein richtiger Kracher voll nach meinem Geschmack, wobei mir die Songs, in denen Matt Tuck singt, die liebsten sind, allen voran die Single „Cold“, aber auch „Exorchrist“ und „Collide“.

Dann wäre da noch das Album mit der Banane. Eigentlich kein neues Werk, da es schon 1967 veröffentlicht wurde, aber da „The Velvet Underground & Nico“ dieses Jahr anlässlich seines 45. Geburtstages in mehreren Editionen wiederveröffentlicht wurde und ich die darauf enthaltenen Songs nach wie vor heiß und innig liebe, gehört dieses Album ebenfalls hierher. „Sunday morning“ und „Venus in furs“ lösen in mir immer noch dasselbe angenehme Gefühlskompott aus wie zu der Zeit, als das Abum seinen 25. Geburtstag feierte, und auch die Songs, in denen Nico alias Christa Päffgen mit ihrer samtigen Stimme und ihrem netten Akzent zu hören ist, wecken in mir die angenehmsten Emotionen. Als stolze Besitzerin der Super Deluxe Ausgabe mit sechs CDs plus 88-seitigem Buch mit Fotos und Texten kann ich mir nun noch mehr Nico anhören – in etlichen Liveversionen oder solo auf ihrer CD „Chelsea girl“, die ebenfalls aus dem Jahre 1967 stammt und bislang nicht zu meinem Repertoire gehörte.

Selbstverständlich muss ich hier auch eine CD erwähnen, die eigentlich kein richtiges Album ist, bloß eine EP, aber wenn Placebo drei Jahre nach dem letzten Album fünf neue Songs veröffentlichen, schlägt mein Fangirlherz natürlich eine ganze Weile einen Tick schneller. Den Titeltrack „B3“ kannte ich schon von diversen Konzerten – trotzdem schön, auch eine Studioversion davon zu haben – und als es sämtliche Songs der EP etwa einen Monat vor der Veröffentlichung bei iTunes ausschnittsweise zum Anhören gab, ahnte ich schon, dass Brian Molko & Kollegen mich mit diesem Kleinformat nicht enttäuschen würden. „I.K.W.Y.L“ ist und bleibt mein absoluter Favorit dieser Scheibe; der Text insgesamt ist mir zwar viel zu stark politisch angehaucht, aber mir gefällt diese arrogant-sinistre Art und Weise, wie Brian hier singt, und die Gitarren hören sich so ganz anders an als alles, was Placebo bislang veröffentlicht haben. Ich bin jetzt schon sehr gespannt aufs neue Album, das im Sommer 2013 erscheinen soll!

Ein weiteres Album, das eine ganze Weile lang mein musikalischer Begleiter war und mit dem ich die Leute aus meinem Umfeld zunächst eher genervt und schließlich dann doch infiziert habe, passt vielleicht nicht ganz zu dem Rest auf dieser Seite, weil ich diese Art von Musik eigentlich gar nicht mag. Aber die meisten Lieder auf dem Debütalbum „Mit K“ von der Chemnitzer Band Kraftklub haben mich durch ihre witzigen Texte echt überzeugt und von der Musik her sind die meisten Songs eben auch so beschaffen, dass man am liebsten gleich herumhüpfen würde. Gute-Laune-Songs mit Ohrwurmcharakter. „Niiie, niiie, niiiie, nie wieder Ritalii-iiin!“ schallt es auch jetzt fast automatisch in meinem Kopf und ich verspüre den Drang, zumindest meinen rechten Arm hochzureißen und ihn im Takt zu bewegen.

Ganz andersartige Musik machen Archive und deren Album „With us until you’re dead“ hat auch einen Ehrenplatz in meiner Sammlung. Der Neuzugang Holly Martin, die die Lieder „Violently“ und „Hatchet“ singt und mit ihrer Stimme auch andere Songs verstärkt, war meiner Ansicht nach ein guter Fang für die Band, die momentan also über vier verschiedene Personen für die Vocals verfügt. Wer Archive und speziell dieses Album noch nicht kennt, sollte sich Zeit nehmen, um die Musik auf sich wirken zu lassen. Es wäre meiner Meinung nach ein Fehler, sich diesen Longplayer, wenn man ihn sich zum ersten Mal zu Gemüte führt, bloß nebenbei anzuhören, beim Autofahren zum Beispiel. Da geht zu viel unter, im wahrsten Sinne des Wortes, denn es gibt einige recht leise Passagen, die man beim Brettern über die Autobahn gerne mal überhört, obwohl man sie nicht verpassen sollte, wenn man die Musik vollständig erfassen will. Davon abgesehen sind die Lieder so vielschichtig, dass man sich lieber zuerst einmal zu Hause auf der Couch zurücklehnen und die Musik genießen sollte; ins Autoradio kann man das Album später immer noch packen.

Auch Perfume Genius muss hier erwähnt werden und seine Musik würde ich in dieselbe Kategorie wie Archive packen: nur bedingt geeignet als Hintergrundgedudel, eher Musik zum Genießen, aber man muss in der Stimmung dazu sein. Mich machen die überwiegend kurzen und sehr langsamen Songs auf dem Album „Put your back N 2 it“, meist mit Pianobegleitung, ganz ruhig und entspannt, es ist Musik zum Träumen, die perfekte musikalische Untermalung für ein Gefühl des Schwebens. Manchmal werde ich durch das Zusammenspiel von zitternder Stimme und zarten Klängen in Moll auch emotional und muss mir ein Tränchen wegwischen, aber auch für solche Momente braucht man Musik. Ich jedenfalls.

Beeindruckt hat mich in diesem Jahr auch Paul Banks mit seinem zweiten Soloalbum, das tagelang meinen CD-Player nicht mehr verlassen hat. Der Amerikaner, vielen vielleicht eher bekannt als Sänger und Gitarrist bei Interpol, gehört zu denjenigen, die ich wegen ihrer ganz besonderen Stimme schätze. Insofern ist es natürlich suboptimal, dass es auf „Banks“ ein Instrumentalstück gibt, bei dem ich diese Stimme schmerzlich vermisse („Lisbon“), ebenso wie bei „Another chance“, dessen Text nicht von Paul Banks gesprochen wird, sondern aus einem Film stammt. Die anderen acht Songs mit Gesang entschädigen jedoch für Herrn Banks Experimente, und ich mag vor allem „The base“, „Paid for that“ und „No mistakes“. Der Text der Songs „Over my shoulder“, der ziemlich poppig daherkommt, zaubert mir aufgrund seiner Fließgewässer-Metaphern immer ein Grinsen ins Gesicht

Wer sich in Luzies Welt ein wenig eingelesen hat, weiß, dass ein Musikwerk hier auf gar keinen Fall fehlen darf: Es ist zwar schon 2011 erschienen, allerdings am 17.12., womit „Code of persistence“ von Unchained fast schon als 2012-er Album durchgeht; außerdem habe ich es ja erst in diesem Jahr kennengelernt. Es vergeht fast kein Tag, an dem ich nicht wenigstens ein paar Songs daraus anhöre, manchmal ist es mir eher nach den ruhigeren melancholischen Songs wie „Take my hand“ oder „Broken wings“, in anderen Momenten brauche ich eher härtere Lieder wie „Jealousy“ oder „In my cage“ und ganz oft höre ich mir das komplette Album an und drücke, wenn es durchgelaufen ist, wieder auf „play“. Typischer Fall von „zwei Takte gehört, sofort geflasht und seitdem nicht mehr davon losgekommen“.

Auch die Alben „Blueprints“ von Parachutes (Unbedingt anhören!!! Vor allem die Single „Let me build a bridge and tear it down“ sowie „Cascades of light“ sprechen mich total an.), „Coexist“ von The XX und „X“ von The 69 Eyes gehören zu den Alben, die ich zu den gelungeneren des Jahres 2012 zähle.

Ich bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis es mir auffällt, dass ich ein ganz wichtiges Album vergessen habe zu erwähnen!

Schon jetzt weiß ich, dass 2013 mich albummäßig garantiert nicht enttäuschen wird, denn so viele Künstler stehen schon in den Startlöchern mit neuem Material und da MUSS doch etwas Gutes dabeisein: Bullet for my Valentine, Blackmail, Placebo und auch Unchained werden das kommende Jahr ganz sicher musikalisch bereichern!

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