Olde: „Shallow Graves“ – neuer Schmaus für doomverliebte Ohren!

Post aus Kanada! Ja genau, Post aus Kanada. Aus Toronto, um genau zu sein. Kein „richtiger“ Brief, aber trotzdem mit absoluter Aaaaah-Herzerwärm-Qualität. Und damit meine ich nicht (na ja, nicht nur) die Mails, die Cory McCallum, Bassist der Band Olde, mir geschrieben hat, sondern vor allem den Anhang dieser digitalen Konversation.

Die fünf Doomer (Gibt’s das Wort?) haben nämlich gerade eine vier Songs umfassende EP herausgehauen, betitelt mit „Shallow Graves“, und ich durfte mir die Lieder bereits vorab anhören. Schon der Titel lässt erahnen, dass sich die Musik im sludgigen Sumpf der finsteren Klänge bewegt, fernab der ausgelatschten Mainstream-Pfädchen. Wer also auf schwermetallische, überwiegend laaaangsame Melodien mit der genau richtigen Prise Düsternis steht, wird die Musik der Kanadier mögen. Die neuen Songs sollen Appetit machen auf das Anfang 2017 als Schallplatte (!) erscheinende Album „Temple“ (bei STB Records)  – und ich hab nach den ersten Hördurchgängen der EP-Lieder schon mehr als nur ein Hüngerchen auf diesen Longplayer.

Shallow Graves

Bei „Absurd Condition“ ist neben den sehr auf mein Wohlgefallen stoßenden Gitarrenriffs Doug McLartys geschreiartiger Gesang das liedbestimmende Element (ähnlich wie beim folgenden Lied „Endless“), bis sich irgendwann auch Drummer Ryan Aubin stärker ins Bewusstsein des Hörers hämmert. Die Tonlage, in der Doug röhrt, ist für mein Empfinden genau richtig, nicht zu düster-grummelig, aber schon so, dass klar ist, dass hier ein gestandener Kerl das Mikro in der Hand hält.

Die Gitarrenmelodie am Anfang von „Limb from limb“ würde ich am liebsten in Endlosschleife hören, so geil finde ich die, aber es lohnt sich absolut, den Song weiteranzuhören. Nach der sehr eingängig-rhythmischen ersten Hälfte, die selbst doom- und sludge-affine Bewegungsmuffel zumindest zum gemütlichen Kopfnicken bringen sollte, folgt nämlich ein Tempowechsel, der das Lied ein wenig flotter enden lässt. Wer jetzt da für welche Gitarre zuständig ist, kann ich vom bloßen Hören natürlich nicht sagen. Gitarristen gibt es jedenfalls zwei in der Band: Greg Dawson und Chris Hughes.
Im Original stammt dieser Song übrigens von Motörhead, allerdings haben Olde ihm vom Sound und der Art der Musik her ihren eigenen Stempel aufgedrückt und ich finde, das haben sie richtig gut hingekriegt.

Diese Songs und natürlich auch den vierten auf der EP, „The turning“ (Ich sag nur: „Sell your soul to meee…“), hört ihr euch am besten selbst an. Es lohnt sich! Bei Bandcamp kann man das Mini-Album streamen oder, noch besser, es in digitaler Form oder als CD käuflich erwerben und damit die Musiker unterstützen. Auch das Debütalbum „I“ existiert dort nach wie vor zum Anhören oder Kaufen.

Und wer jetzt grübelt von wegen „Olde… Olde… Irgendwo hab ich den Bandnamen hier doch schon mal gesehen!?“, der hat Recht, denn Gitarrist Greg stellte vor einiger Zeit eine seiner Gitarren in Luzies Welt vor: >klick<

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Ausflug ins Gitarrenparadies

DSCF8613tNein, nein, ich bin nicht verschollen und Konzerte besuche ich nach wie vor. Bloß fehlt mir die Zeit, ständig stundenlang Fotos zu bearbeiten und Berichte zu schreiben. Mein Leben hat sich nämlich in den letzten 12 Monaten um 180 Grad gedreht und das ist gut so. Allerdings kosten meine neuen Hobbies und generell die geänderten Lebensumstände Zeit. Also gibt’s Konzerte, die ich mir anschaue, nun eher ohne Souvenir-Fotos, zumindest ohne veröffentlichte, denn ein paar knipse ich ja doch meistens.

Passend zum andersartigen Dasein habe ich heute auch einen andersartigen Beitrag geschrieben. Wobei… so ganz andersartig ist er gar nicht, schließlich stehen Gitarren im Mittelpunkt. Jedoch nicht bei Konzerten zur Schau gestellte, sondern Klampfen, die in einem Geschäft hängen. Und zwar alte, richtig wertvolle Gitarren. Solche gibt’s bei Guitarpoint in Maintal bei Frankfurt, und dort habe ich vor dem Konzert von Man.Machine.Industry, Steak Number Eight und Prong mal vorbeigeschaut.

Schon von außen wird man dort nett von überdimensionierten Gitarren begrüßt.

Ein Klick aufs Foto macht es größer.

Innen fiel mein erster Blick in diese Richtung und meine Kinnlade nach unten.

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Dann versetzte mich die Gretsch-Wand in größtes Entzücken…

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…bevor ich mich einigen Details widmen konnte.

Und danach drehte ich Runde um Runde um Runde und konnte mir auch anhören, wie die alten Schätzchen klingen. Das war ein fantastischer Nachmittag, gefolgt von einem irre guten Konzert!

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#PeaceFor Paris

Der Samstagmorgen begann wunderbar. Sonnenstrahlen waren gerade dabei, sich am bewölkten Himmel zu formieren und das Glückshormonreservoir in mir war so gefüllt, dass die Gefahr des Überquellens bestand. Während ich zwei Tassen Kaffee zubereitete, erfuhr ich, dass da irgendwas in Paris vorgefallen war.

In Paris? Wie – was war da denn los?

Terror. Tote. Fiese Attacken an verschiedenen Stellen. In meiner Lieblingsstadt. Unter anderem im Konzertsaal Bataclan, wo beim Konzert der Eagles Of Death Metal viele Menschen im Kugelhagel ihr Leben verloren.

Was zuerst klang wie ein ziemlich mieser Alptraum, erwies sich beim Anzapfen der verschiedenen Medien als traurige Realität.

Das Bataclan… Dort habe ich eine der besten Nächte meines Lebens verbracht >hier nachzulesen bei Bedarf< und viele andere Leute vermutlich auch. Geschockt und fassungslos sitze ich nun da, denke an mein wunderbares Bataclan-Erlebnis und daran, dass dort ab sofort wohl nichts mehr so sein wird wie bisher.

Mein Mitgefühl gilt denjenigen, die an diesem Abend nach Paris gekommen waren, um sich zu amüsieren oder um dort zu arbeiten (was natürlich auch für die Bands gilt), und deren Leben durch die Geschehnisse eine so grauenhafte Wendung nahm, und natürlich auch den Angehörigen von den Menschen, die nicht mehr nach Hause kommen.

Bataclan 2012s

 

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Solstafir in Wiesbaden (Schlachthof, 27.10.15)

Monatelang fieberte ich dem Abend entgegen und gestern war’s dann endlich so weit: Im Schlachthof Wiesbaden gaben sich Solstafir die Ehre und zeigten, nachdem zuerst The Ocean und dann Mono aus Tokio die Bühne für sich hatten, wo der isländische Post-Rock-und-wie-auch-immer-geartete-Metal-Hammer hängt.

Da ich schon vorher wusste, dass ich es auf gar keinen Fall zeitlich schaffen würde, einen Konzertbericht im Luzie-Stil zu verfassen, machte ich erst gar keine Fotos von The Ocean und Mono, denn eins war klar: Sobald das erste Erinnerungsbild geschossen ist, würde es kein Halten mehr geben. Also blieb die Kamera brav im Täschchen und ich fokussierte die Musikermasse von The Ocean (sieben Leute, als zusätzlichen Auffälligkeitsfaktor eine E-Cellistin) und die rein instrumental arbeitenden Japaner von Mono nur mit meinen Augen.

Sobald die vier hochgewachsenen Isländer die Bühne betreten und ihren ersten Song gespielt hatten, dachte ich dann aber doch, dass es blöd wäre, erstens die ganze Zeit über die durch den Fotoapparat deutlich schwerere Tasche umhängen zu haben und das Ding dann doch nicht zu benutzen und zweitens ohne Souvenir in Pixelform da rauszulatschen. Also habe ich dann doch wenigstens ein paar Fotos aufgenommen, die ich mit dem Rest der Welt teilen möchte.

Was den Auftritt von Solstafir betrifft: Für mich war’s atemberaubend schön, weil ein paar meiner Lieblingslieder gespielt wurden, zum Beispiel „Pale Rider“ vom „Köld“-Album und „Fjara“ aus „Svartir Sandar“ – die packen mich emotional total, auch in der Livesituation, wo die Songs durch die meist schummrig-schöne Beleuchtung so richtig in Szene gesetzt wurden. Und gleich am Anfang, vermutlich weil ich in dem Moment schon mit dem Honigkuchenpferd-Glückseligkeitsblick da stand, beugte sich der Sänger und Gitarrist Aðalbjörn Tryggvason zu mir und gab mir ein High Five. Ich hätte mir nur gewünscht, dass Solstafir ein bisschen länger spielen als nur 75 Minuten (oder sieben Lieder angesichts der ausgedehnten Länge mancher Songs), wofür man sich dann aber auf nur eine Vorband hätte beschränken müssen.

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The Picturebooks und The Loranes in Saarbrücken (Kleiner Klub, 23.10.15)

Kennengelernt habe ich The Picturebooks vor ziemlich genau einem Jahr. Damals spielte das Duo in derselben Location als eine der Supportbands für Kadavar >Konzertbericht hier< und weil ich so begeistert war von der Musik der beiden, hielt ich es für eine gute Idee, dem Menschen meines Herzens das aktuelle Album von The Picturebooks, „Imaginary Horse“, zu schenken, auf Vinyl natürlich – garniert mit der Information, dass die beiden Musiker Fynn Claus Grabke und Philipp Mirtschink nebenbei auf Motorräder und Skateboarding stehen. Die Wirkung war wie erwünscht, und er überraschte mich mit der Info, dass er im vergangenen Jahrtausend begeistert war von den Skatebord-Skills des Herrn Grabke senior, Fynns Papa, und dass er auch mit dessen musikalischem Werk vertraut ist. Sobald ich erfuhr, dass The Picturebooks Saarbrücken wieder einen Besuch abstatten würden, war für mich klar, dass wir da hin mussten.

Für eine etwas größere Version hier und bei den anderen Galerien bitte auf das jeweilige Foto klicken!

Das auf der Bühne für die Supportband The Loranes bereitstehende Equipment war schon ein Augenschmaus! Die riesige Bassbox, der Epiphone-Bass und die Harmony-Gitarre sahen sehr oldschoolmäßig aus und die Musik des Trios aus Berlin klingt auch ganz schön nach Rockmusik aus einer längst vergangenen Zeit.

Die Band ist noch recht jung, existiert erst seit 2014 und hat gerade ihr Debütalbum „Trust“ veröffentlicht. Ich weiß nicht, ob es den Loranes zum Halse heraushängt oder ob man ein wenig stolz darauf ist, dass einer der drei Musiker schon ein wenig bekannter ist, aber ich muss es hier ja schließlich erwähnen, dass neben Pat (Sänger und Gitarrist) und Drummer Elias zur Band der Bassist Mammut gehört, und den kennt man ja von Kadavar, wo er zuvor in die dicken Saiten schlug.

Die Musik der drei, die pünktlich um 20 Uhr mit ihrem Liveprogramm starteten, kam gut an. Melodiöse Rocknummern mit coolen Riffs, sehr tanzbar, stellenweise mit dem Bass als Melodielieferant im Vordergrund. Der Zugabenwunsch einiger Zuschauer konnte aufgrund des strikten Zeitplans nicht gewährt werden, schließlich wollten The Picturebooks auch noch ran und danach musste der Kleine Klub für die Disconacht hergerichtet werden.

The Picturebooks… Ich bin ja immer noch geplättet von der Energie, die die beiden Musiker auf der Bühne – nur mit Gitarre, Gesang, Schlagzeug und diversen Rasseln – entfalteten! Auch nach unzähligen Hördurchgängen klingen die Songs des „Imaginary Horse“-Albums für meine Ohren mehr nach US-amerikanischem Südwesten als nach Gütersloh, von wo die beiden Bandmitglieder stammen, und wenn ich die Augen schließe, sehe ich immer noch Klapperschlangen und Skorpione über rötlichen Wüstenboden huschen, während in der Ferne Indianer um ein Feuer tanzen. Dafür ist wohl der Blueseinschlag in der Musik der Picturebooks verantwortlich, aber es dominieren der Rock und vor allem die Rhythmussektion.

Ich habe den Kleinen Klub schon voller erlebt, aber Fynn zeigte sich begeistert angesichts der beachtlichen Zuschauermenge, die gekommen war, um The Picturebooks headlinen zu sehen; schließlich habe man kaum Werbung für die Tour gemacht, alles laufe über Mund-zu-Mund-Propaganda und social media. Insofern hoffe ich, dass es okay ist, dass ich einen kleinen Bericht geschrieben habe und ein paar Bilder poste, auch ohne dass ich vorher gefragt habe. Aus chronischem Zeitmangel hatte ich nämlich gar nicht vor, etwas über das Konzert zu schreiben, aber der Gig war einfach zu gut, um total unerwähnt zu bleiben. Dazu gehört natürlich auch der Hinweis, dass Fynn drei absolut wunderbare Gitarren spielt – zum Teil mit Slide und an einer Stelle sogar mit den Zähnen. Oder zupft er die Saiten mit der Zunge? Die Gitarren sehen alle ziemlich alt aus und ich meine, irgendwann einmal gelesen zu haben, dass der junge Mann seine Instrumente ganz gerne gebraucht kauft.

Drummer Philipp gebührt übrigens ein ganz besonderes Lob. Aufgrund eines Motorradunfalls kurz vor Beginn der Tour war der Musiker nämlich noch nicht völlig schmerzfrei, erzählte sein Bandkollege, und ob die Tour überhaupt stattfinden konnte, schien zunächst fraglich. Hut ab also für die Zähnezusammenbeißmethode! Wenn man das weiß, beeindruckt die Kraft, mit der Philipp auf die Trommeln einschlug, noch mehr! Mit jedem Rums beförderte er den Teppich, auf dem er mit seinem Kit platziert war, ein Stückchen weiter Richtung Publikum.

Trotz Schmerzen gab es eine Zugabe, und was für eine! Eine Coverversion von Madonnas Uralt-Hit „Lucky Star“, die sich überhaupt gar nicht nach Madonna anhörte und stattdessen zeigte, wie mitreißend rhythmisch raffinierte Drumsequenzen sein können!

Nach der Show begaben sich die beiden Musiker sofort zum Merchstand, wo sie zusammen mit ihren Kollegen von The Loranes CDs, Schallplatten, T-Shirts und natürlich auch Skateboard-Decks mit Bandlogo verkauften, Autogramme gaben und mit den Konzertbesuchern plauderten. Sehr sympathisch! Also ich komme Fynns Aufforderung, beim nächsten Headline-Gig im Kleinen Klub wiederzuerscheinen, gerne nach!

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rebelsoul: No Li(v)e at all – Albumrelease

Dass Livemusik einen hohen Stellenwert in meinem Leben einnimmt, ist ja klar. Wäre das nicht so, gäbe es diesen Blog nicht. Wenn ich von den Konzerten, die ich besucht habe, irgendwo ein Bootleg oder zumindest Videos von ein paar Songs auftreiben kann, ist das für mich das i-Tüpfelchen. Klangqualität? Wackelfaktor bei Filmaufnahmen? Piepegal! Ich freue mich immer über Konzerterinnerungen, die über die bloßen Fotos, die ich ja in der Regel selber knipse, hinausgehen.

Tritt der außergewöhnliche Fall ein, dass die Band selbst eine qualitativ hochwertige Konzertaufnahme veröffentlicht, dann ist das natürlich noch willkommener als ein Audiomitschnitt aus den Tiefen einer Hemdtasche. Insofern bin ich momentan superglücklich mit No Li(v)e At All. So heißt das Livealbum, das rebelsoul gerade veröffentlicht haben und das am 30. Mai diesen Jahres quasi in meinem Beisein eingespielt wurde. >Konzertbericht hier<

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Der wunderbare Abend, an dem dieses Werk entstanden ist, zieht jedesmal, wenn ich mir die CD anhöre, vor meinem inneren Auge noch einmal vorbei und lässt mein Herzchen ein wenig hüpfen. Meiner Ansicht nach haben Oscar Braun und Lars Grote von Truetone Records hervorragende Arbeit beim Abmischen der insgesamt zwölf bandeigenen Lieder geleistet. Wer auf rockige Klänge steht, die bei manchen Songs auch etwas softer daherkommen, wird dieses Album lieben!

Ich schätze, die junge Dame, die den Wolf (Ja, das ist ein Wolf!) gemalt hat, damit der Silberling nicht so nackig bleibt, ist wegen der Verwendung ihres Kunstwerks genauso stolz wie die Band angesichts der Veröffentlichung ihres ersten Longplayers.

Wer auch so eine CD haben möchte – für schlanke 10 € -, wendet sich entweder an rebelsoul@t-online.de oder kommt zum nächsten Konzert. Das findet am 31.10.2015 in St. Ingbert im Cartoon Revival statt, wo sich die Rebellen zusammen mit …The Plot That Killed Kennedy die Ehre geben.

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Indelicate, Against Remain und Bermudadreieck in Saarbrücken (Kleiner Klub, 18.09.2015)

Ich glaube, man kann schon sagen, dass Indelicate bisher vom Erfolg verwöhnt wurden, denn die 2013 gegründete saarländische Band schlug mit ihrer rockig-punkigen Musik von Anfang an richtig gut ein: Gewinnerband bei Goldener Scheinwerfer, beim GaS goes Rock Bandcontest… Konsequenterweise war jetzt die Zeit reif für das erste Album und das Konzert zum Release des Longplayers „One Of A Kind“ fand natürlich nicht in irgendeiner Klitsche statt, sondern im Kleinen Klub in Saarbrücken. Eingeladen zum Mitrocken waren die mit der Indelicate-Truppe befreundeten Bands Bermudadreieck und Against Remain.

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Die vier jungen Männer von Bermudadreieck wirkten sehr souverän, als ob es für sie das Normalste auf der Welt wäre, auf einer Bühne zu stehen und die Leute zu entertainen. Sie haben ja auch schon einige Rampenlichterfahrung und suchten nach fast jedem Lied mit witzigen Ansprachen den Kontakt zum Publikum. Genauso wie sich die Brüder Sebastian (Gitarre) und Julius Biewer (Bass, Trompete) den Gesang teilten, quatschte einmal der eine, das andere Mal der andere mit den Zuschauern. Zur Band gehören auch Gabriel Rotley (Gitarre) und Sebastian Schmitt (Schlagzeug), allerdings hatten die Musiker an jenem Abend ihren ehemaligen Drummer Olli dabei, weil Sebastian keine Zeit hatte. Den neuen Mann am Schlagzeug kann man dann vermutlich am 09.10. bei Rock gegen Rechts in Ottweiler bei seiner Arbeit bewundern oder am 30.10. in der Saarbrücker Garage, wo Bermudadreieck Die Kassierer supporten, oder auch beim Goldenen Scheinwerfer am 13./14. November 2015.

Irgendwann holten sich die vier Oli Donate, den Bassisten von Indelicate, auf die Bühne, damit Julius ganz in Ska-Punk-Manier in die Trompete pusten konnte. Ein paar Minuten später beehrte auch Anuschka Gödicke, die bei Indelicate Gitarre spielt und shoutet, die Bermudadreieck-Jungs mit einem Gastauftritt. Mit dem Lied über die Party im Irrenhaus klang der sehr kurzweilige Auftritt aus.

Auf ihrer Soundcloud-Seite bieten Bermudadreieck ein paar ihrer Lieder zum Anhören.

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Against Remain waren vor kurzem noch nach Berlin gereist, um sich dort u.a. von Nena zum 2. Platz beim RTL Com.mit Award gratulieren zu lassen. Diese Auszeichnung gibt es für „Musikbegeisterte zwischen 15 und 29 Jahren, die sich als Einzelperson oder in einer Gruppe nachweislich in einem laufenden Projekt sozial engagieren.“ – im Fall der Band aus Merzig bedeutet das konkret, dass Konzertbesucher dazu aufgerufen werden, Rucksäcke mit Hygieneartikeln oder Kleidung am Merchandise-Stand abzugeben, damit diese Gegenstände später an Obdachlose verteilt werden können. Meines Erachtens ist das eine grandiose Idee und ich hoffe, dass auch an diesem Freitagabend einiges an Sachspenden zusammengekommen ist.

Nina Behr (Gitarre, Gesang), Timo Bone (Bass, Backgroundgesang), Max Brausch (Gitarre) und Tom Bodewes (Schlagzeug) machten auf der Bühne ganz schön Dampf, was ich beim Fotografieren so richtig gut merkte. Passend zur Musik sprang vor allem die Frontfrau mit den roten Haaren unermüdlich zwischen ihren männlichen Bandkollegen hin und her und zeigte den Zuschauern, wie das mit „We are who we are (…) we’re Against Remain“ in der Livesituation zu verstehen ist, aber es gab auch ruhigere, nachdenklichere Töne.

Dass der Gott der Kabel der Band an jenem Abend nicht wohlgesonnen war, trugen die vier jungen Leute und auch die Konzertbesucher mit Fassung; so etwas kann bei Livedarbietungen immer passieren – auch bei Indelicate patzte die Technik ein wenig – und außerdem klangen sowohl Ninas Gitarre als auch das Mikro nach einer Umstöpselungsaktion wieder wie neu.

Ein paar Songs zum Anhören bieten Against Remain auf ihrer Facebookseite, außerdem haben die vier auch ein Video am Start, zum Song „Voices“ von der gleichnamigen EP, die man sich bei Bandcamp zu Gemüte führen kann. Live kann man die Band das nächste Mal am 24.10. im Irish Pub Bernkastel-Kues bewundern.

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Mich hat es für die Bands gefreut, dass so viele Konzertbesucher gekommen waren; der Kleine Klub war richtig gut gefüllt. Sobald Indelicate mit ihrem Liveprogramm loslegten, konnte ich dasselbe beobachten wie vorher schon bei Against Remain: Etliche Zuschauer sangen bei jedem Lied mit! Als es nach ein paar Songs musikalisch mal wieder so richtig wild zur Sache ging, rumpelte es auch ein wenig im Zuschauerbereich und ich hopste mal schnell zur Seite, um keine Bekanntschaft mit Ellbogen und dergleichen zu machen. Ich hatte den Eindruck, das Publikum hatte einen Mordsspaß! Die Musik der fünf – bestehend aus Chefvocalistin Nathalie Andreia, der Gitarristin Anuschka Gödicke, die für die Screams verantwortlich ist, Gitarrist Mathias Vollmer, Drummer Timm Heider und Bassist Oliver Donate, der bei manchen Songs auch am Keyboard klimpert – ist aber auch absolut mitreißend und das, was die jungen Leute an Action auf der Bühne abziehen, ist ebenfalls höchst ansteckend. Es kommt allerdings auch vor, dass das Publikum einfach mal zum Mitmachen verdonnert wird, etwa zu späterer Stunde beim Beatsteaks-Klassiker „Let Me In“, bei dem sich die Zuschauer wie bei einem Konzert von Arnim & Co. hinknien und auf Kommando aufspringen sollten, was natürlich bestens funktionierte. Ich sag ja: Die Stimmung war klasse!

Anuschka richtete zwischen den Songs häufiger mal das Wort ans Publikum und erinnerte auch daran, dass es eine CD zu kaufen gibt, und zwar am Merch-Stand, den an jenem Abend ihre Mutter voll im Griff hatte. Die Indelicate-CD kann ich jedem empfehlen, ich hab sie schon unzählige Male gehört und mag die Lieder wirklich sehr, die fetzigen und die paar ruhigeren, die punkigen, die mit dem Metal-Einschlag und auch die ska-igen Passagen und vor allem die gelegentlich ganz schön frechen Texte, siehe „F*ck You“ oder „Only Tonight“. Das und die Tatsache, dass das Album von den Musikstilen her so abwechslungsreich ist, gefällt mir. Ein paar der Lieder kann man sich bei Soundcloud anhören.

Zum Schluss wurde es auf der Bühne richtig eng, denn die Jungs von Bermudadreieck unterstützten Indelicate beim „Indelicate-Song“, der auch die CD abschließt.

Das nächste Indelicate-Rockspektakel gibt’s schon in ein paar Tagen, und zwar am 10.10. im Saarbrücker N8Werk bei Hard’n’Heavy.

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Demnächst: GaS goes Rock Festival

Alle diejenigen, die auf die verschiedensten Spielarten der Rockmusik stehen, sollten sich den 10. Oktober 2015 dick im Kalender markieren. An besagtem Samstag wird nämlich durch das nächste GaS goes Rock Festival die Aula des Gymnasiums am Steinwald im saarländischen Neunkirchen wieder in eine Konzerthalle umfunktioniert.

Dieses Jahr geben sich ab 17 Uhr wie immer zu einem sehr humanen Eintrittspreis und für einen guten Zweck (konkret: zugunsten der Elterninitiative krebskranker Kinder) die Bands Ampersphere, The Day We Fall, Lacuna, A Very Sad Story, Colaris und Drone die Ehre. Also nix wie hin, es lohnt sich!

Hier geht’s zur Facebook-Eventseite.

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rebelsoul in Saarbrücken (Truetone Records, 30.05.15)

Ja ja, das Datum ist korrekt, kein Druckfehler. Fast drei Monate liegt das rebelsoul-Konzert bereits zurück – spätester Konzertbericht ever! – und ich vermute, dass mich die rosa Wolken, die mich immer noch fest umhüllen, ein wenig davongetragen haben. Daher die Verspätung. Dabei war der Konzertabend selbst himmlisch wunderbar, was der Band und der coolen Location sowie auch dem Grund für mein Schippern auf cloud 9 zuzuschreiben ist.

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rebelsoul haben schon an einigen ungewöhnlichen Orten gespielt, in fremder Leute Wohnzimmer zum Beispiel. Trotz diverser Einzigkeitserfahrungen dieser Art schien der Auftritt bei Truetone Records in Saarbrücken etwas ganz Besonderes für die Rebellen – Tom Nothof (Gesang, Bass), Matthias Schaufler (Gitarre, Gesang), Volker Schmidt (Gitarre) und Simon Spaniol (Schlagzeug) – gewesen zu sein, denn es kam mir so vor, als ob die vier an jenem Abend ein wenig Lampenfieber gehabt hätten. Falls das tatsächlich so gewesen sein sollte, lag das vielleicht daran, dass der Gig aufgezeichnet wurde, und zwar in Ton und Bild, und wenn gleich mehrere Leute mit Videokameras um einen herumschwirren, dann sollte die Performance sitzen. Kein Wunder also, dass die Musiker ein bisschen mehr wibbelig als sonst wirkten, wobei es bei ganz gravierenden Patzern natürlich die Möglichkeit gegeben hätte, besagtes Lied noch einmal einzuspielen, aber das war gar nicht notwendig.

Verantwortlich für den Audio- und Video-Mitschnitt sind die Besitzer des Studios, Oscar Braun und Lars Grote, sowie einige freiwillige Helfer hinter den Kameras. Über die beiden Leute von Truetone Records habe ich schon an anderer Stelle geschrieben (>klick<) und der Deal war an jenem vorletzten Tag im Mai noch derselbe: Oscar und Lars veranstalten in der Regel an jedem letzten Wochenende im Monat ein solches Konzert im kleinen Rahmen, zu dem Freunde und Bekannte eingeladen werden. „Eingeladen“ ist hier wörtlich zu verstehen, denn die Zuschauer müssen keinen Eintritt bezahlen und auch für die auftretende Band entstehen keine Kosten. Selbst der Mitschnitt vom Konzert, in dem sehr viel Arbeit steckt, ist ein Geschenk, und Oscar und Lars hoffen dadurch auf ein wenig Mundpropaganda, die bestenfalls dazu führt, dass andere Bands ihre Musik im Truetone Studio professionell aufnehmen lassen, und zwar nicht als Gratis-Livemitschnitt, sondern als Albumproduktion, bei der die anfallenden Arbeiten dann auch entsprechend entlohnt werden. Ich hoffe, der Plan geht auf, denn wenn man sich so umschaut in den Räumlichkeiten, entsteht der Eindruck, dass man sich dort wohlfühlen kann.

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rebelsoul lieferten wie immer ein tadelloses Liveprogramm, das sich zunächst aus ihren eigenen Songs zusammensetzte, und wie vielseitig die sind, habe ich ja schon an einigen anderen Stellen >klick< herausgestellt: Von hart bis zart ist da alles dabei, und neben Hauptsänger Tom meldet sich immer auch Matthias an seinem eigenen Mikro zu Wort. Bei „City Moon“ ist er sogar der Leadvocalist.

Nach und nach schien sich die leichte Anspannung bei den vieren immer mehr zu verabschieden und Tom lässt sich seine witzigen Ansprachen zwischen den Songs sowieso nicht nehmen, weswegen ich die Band auch so mag; es gibt neben richtig guter Musik eben immer auch ganz viel zum Schmunzeln. An diesem Abend zum Beispiel die immer mal wieder an das Publikum geäußerte Bitte, nach den Liedern „zu mache wie abgeriss“, schließlich werde das Ganze ja aufgenommen.

Der Gitarrenfreak in mir war wieder ganz aus dem Häuschen, weil es in Matthias‘ Händen wieder zwei Gitarrenschönheiten zu bewundern gab: die schwarze Duesenberg-Gitarre und die zu späterer Stunde gezückte Gibson mit dem riesigen knallroten Korpus (eine Trini Lopez). Volkers Les Paul ist natürlich auch ein Träumchen – eine andere Paula stellte er hier vor – und selbstverständlich schaue ich mir gerne auch Simon beim Drummen an. Das ist bestimmt ein anstrengender Job und trotzdem grinst er mindestens genauso oft wie seine Bandkollegen und lässt auch ganz gerne die langen Locken im Takt fliegen, woraus ich schließe, dass er das Ganze genauso genießt wie ich beim Zuschauen.

Ich hatte das Gefühl, dass die Band nach zwölf gespielten Songs erst einmal erleichtert war, dass alles so gut geklappt hat, und nach einer kurzen Pause gaaaanz entspannt in Teil 2 des Livemusikabends übergehen konnte, den Teil ohne Kameras und sonstige Aufnahmegeräte. Ab diesem Moment präsentierten rebelsoul ihr reichhaltiges Repertoire an Coversongs, die bei „Normalprogramm“ zwischen die eigenen Songs eingestreut werden, und gewährten damit Einblick in die Musik, die die Bandmitglieder mögen: Biffy Clyro zum Beispiel (vertreten mit „Opposites“ und „Who’s Got A Match“) oder Pink Floyd („Comfortably Numb“) und auch Chris Isaaks „Wicked Game“ hörte ich auf diese Weise seit Ewigkeiten noch einmal, und wer sich beim Blick auf die am Boden liegende Setlist auf Metallica freute, musste sich spontan etwas umarrangieren, denn die Rebellen spielten „One“ von U2.

Sobald Oscar und Lars mit dem Editieren fertig sind, wird das Konzertvideo auf dem YouTube-Kanal von Truetone Records veröffentlicht. Wie mit der CD mit dem Livekonzert verfahren wird, steht noch nicht so ganz genau fest; es ist aber davon auszugehen, dass sie über die Bandhomepage und bei Konzerten erworben werden kann. Also Augen auf, wenn ihr eines der guten Stücke haben möchtet!

Übrigens: Oscar und Lars sind selber Musiker, und die Gitarren und Bässe, die als Wandschmuck im Studio dienen, sind ihre eigenen bzw. gehören zu ihrer Band Oscar And The Peak Prices. Das Quartett hat gerade sein Debütalbum aufgenommen – natürlich in den heiligen Hallen von Truetone Records.

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Crowbar und Earthship in Saarbrücken (Kleiner Klub, 26.07.15)

Ich erinnere mich noch gut an das Crowbar-Konzert im August 2014 im Kleinen Klub (>klick<) – nicht nur wegen dem absolut hochwertigen Sludge-Sound, den die Band aus New Orleans bot, sondern auch weil damals mit Rage Of Samedi eine fantastische Supportband aus der Region mit am Start war. Auch die sensationellen Temperaturen an besagtem Abend, die dem Konzertsaal ein tropisches Ambiente verliehen, bleiben unvergessen und so war meine Freude riesig, als ich vor einiger Zeit sah, dass Crowbar Saarbrücken wieder beehren würden. Zum Glück war in diesem Jahr die Hitzewelle gerade abgeebbt, sodass es sich im Kleinen Klub wesentlich besser aushalten ließ als bei dem Gig im Vorjahr.

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Für das Vorprogramm waren Earthship aus Berlin verpflichtet worden; dieses Quartett spielte bereits vor ein paar Monaten im Kleinen Klub; ich hatte sogar ein Ticket und war vor Ort. Allerdings fühlte ich mich an jenem Abend so grottig, dass ich – eigentlich ein Unding im Luzie-Universum – schon nach den beiden Vorbands Thrall und Zaum den Saal verließ, um zu Hause in die Kissen zu heulen. Selbst die Musik ist gegenüber manchen emotionalen Sperenzchen offenbar machtlos, aber inzwischen ist wieder alles paletti und ich bin froh, dass ich die 2010 gegründete Band, die dem Saarland schon ein paar Besuche abgestattet hatte, nun auch einmal live erleben durfte. Und ja, ich ärgere mich ein wenig darüber, dass ich neulich vorzeitig die Segel strich, denn die live performte Musik von Earthship war absolut mitreißend.

Die permanent in einen Hauch rotes Licht getauchte Bühne war zum Fotografieren mit nicht-professionellem Equipment der totale Albtraum, aber zur Stimmung der Musik passte diese dezente Beleuchtung perfekt. Zwar gingen die Gitarren von Sänger Jan Oberg und Marcel Schulz wie auch der Bass von Sabine Oberg rein optisch in der Düsternis etwas unter, aber man hörte die Instrumente ja. Auf den Schlagzeuger Florian Häuser fiel ab und zu für den Bruchteil einer Sekunde ein heller Lichtstrahl, sodass die Augen in diesen Momenten etwas mehr von dem ansonsten gänzlich in der Finsternis agierenden Drummer wahrnehmen konnten. Meine Ohren registrierten interessante Breaks in den Songstrukturen neben Kopfnicker-Passagen und auf brachiales Gebrüll stehe ich ja ohnehin. Also rundum ein großartiger Einstieg.

Ein Blick auf die Setlist zeigt, dass der etwa 40 Minuten dauernde Auftritt im Kleinen Klub dominiert wurde von Liedern aus dem aktuellen, bereits dritten Album „Withered“, das man wie auch sämtliche anderen Veröffentlichungen komplett bei Bandcamp anhören kann.

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Colaris und Trees in Zweibrücken (Gasthaus Sutter, 17.07.2015)

Das Konzert von Colaris im Erdgeschoss / Gasthaus Sutter markierte nicht nur den Start der Sommertour der Post-Rock-Band aus Pirmasens, die die Musiker in den folgenden acht Tagen durch fünf Länder führen wird, sondern diente auch als Release-Party für Album Nr. 2. „Nexus“ lautet der Titel des guten, acht Songs umfassenden Stücks, das in der CD- und Vinylversion in Kooperation der Labels Revolvermann Records, Narshardaa Records sowie Wolves and Vibrancy Records veröffentlicht wurde, während Puzzle Records verantwortlich sind für die Edition als Kassette. Ja, so etwas gibt es noch und das finde ich grandios! Zumal das Ganze auf 70 handnummerierte Exemplare beschränkt ist und das Artwork von Colaris-Drummer Julian gestaltet wurde. Natürlich gibt’s die neue Scheibe auch als reinen Download (wobei „Scheibe“ dann nicht wirklich die passende Bezeichnung ist), und zwar auf der Bandcamp-Seite von Colaris, wo es selbstverständlich auch das ältere Songmaterial zum Anhören und natürlich auch zum Kaufen gibt.

Für die Vinylliebhaber hatten Colaris die Doppel-Vinyl-Ausgabe von „Nexus“ nicht nur in schnödem Schwarz, sondern auch in Lila pressen lassen. Ein Träumchen – limitiert auf 150 Exemplare gegenüber 350 schwarzen.

Colaris Nexus

Im Hinblick auf das Konzert versprachen die drei Musiker auf der Facebook-Eventseite, das komplette neue Album zu spielen und zudem ein paar selten und sogar noch nie live performte Lieder, neben Klassikern.

Zunächst einmal gehörte die Bühne aber den vier Leuten aus Saarbrücken, die sich Trees nennen. Zwei Tracks, „Learning“ und „Drowning“, haben die vier jungen Musiker zum Anhören ins Internet gestellt >klick< und ich mochte die beiden Songs, die mich vom Gesang her ein wenig an 30 Seconds To Mars und die Parachutes denken ließen, auf Anhieb. Beim Konzert zeigte Sänger Peter, dass er nicht nur inbrünstig schreien kann, sondern auch die zarteren Töne beherrscht, hin und wieder eine Akustik-Gitarre von Yamaha in den Händen haltend. Die Augen hatte er dabei meistens geschlossen und er wirkte so, als wäre er völlig eins mit seiner Musik, abgetaucht in die Welt, von der er singt. Unterstützung hatte er beim Gesang gelegentlich von Bassist Steve.

Beim vorletzten Lied konnte der Drummer Olli ein wenig chillen, denn bei diesem Song musizierten nur Peter, Steve und Gitarrist Timo. Die meisten Zuschauer wahrten immer noch ein wenig Abstand zur Bühne, obwohl Peter das Publikum ein paarmal aufforderte, näher zu kommen, und tanzen könnte man ja auch. In der Tat, aber es ist ja irgendwie oft so, dass viele Leute Bands, die sie nicht kennen, erst einmal aus der Ferne anschauen, und sich erst dann, wenn die Hauptband startet, direkt vor die Bühne heften.

Der Auftritt der Trees war auch jeden Fall ein richtig genialer Einstieg, und wer auf der Suche nach einer mitreißenden Liveband ist, sollte Trees über ihre Facebookseite kontaktieren. Die vier Musiker suchen nämlich nach Auftrittsmöglichkeiten. Bald schon kann man Peter & Co. wieder live bewundern, und zwar am 31.07. auf dem Nauwieser Fest in Saarbrücken (18.45 Uhr, Hauptbühne Max Ophüls Platz). Nix wie hin!!!

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Gegen 22.40 Uhr starteten dann Colaris mit ihrem Programm. Recht spät, ja, aber die Vorband hatte ja auch erst um 21.30 Uhr mit ihrem Auftritt begonnen, vermutlich wegen der Hitze und weil die vielen Konzertbesucher auch nach Öffnung der Türen um 20.30 Uhr gar keine Anstalten machten, ins Innere zu gehen. Zu schön war es im Freien, und die Stühle und Tische luden ja auch zum Verweilen ein.

Heiße Saharaluft umhüllte an diesem Freitag die Region und Jessie beklagte sich ein paarmal über die Affenhitze, wobei es auf der Bühne durch die Scheinwerfer mindestens ein halbes Grad wärmer gewesen sein dürfte, auch wenn die Beleuchtung, die Colaris gewählt hatten, im Vergleich zu der Sutter-typischen fotografenfreundlichen Anstrahlung der Musiker ziemlich minimalistisch war. Auf Sascha war ein vor der Bühne postierter Scheinwerfer mit blauer Lampe gerichtet, während Julian und Jessie in grünes Licht getaucht waren, aber eben nur ein bisschen, was eine perfekt zur Musik passende Atmosphäre schuf. Dass die Temperaturen dem Mann an der Gitarre – eine mit RBC-Schriftzug am Kopf im Telecaster-Style – so einheizten, liegt vermutlich auch daran, dass er, genauso wie Sascha, sich von den Melodien derart mitreißen ließ, dass er quasi permanent in Bewegung war und die langen Locken nur so umherflogen.

Wie angekündigt wurde zuerst das komplette neue Album in einem Rutsch durchgespielt, bevor „Haste“ von der 12“-Split mit Ampersphere und noch ein paar weitere Lieder performt wurden.

Das auf der Bühne stehende Mikro mag bei manchen den Verdacht gehegt haben, dass es für die neuen Lieder benötigt wird, aber recht schnell wurde klar, dass es lediglich notwendig war für Jessies gelegentlichen Smalltalk mit den Zuschauern. Denn auch im Jahr 2015 stehen Colaris für Instrumentalmusik und die neuen Lieder sind wie die alten mal mehr rockige, mal eher zum Träumen anregende, aber stets „anspruchsvolle atmosphärisch dichte, epische Klangteppiche“, wie ich das immer gern formuliere.

Viele Konzertbesucher ließen sich von den Melodien treiben, manche warfen ihre langen Haare im Takt hin und her und andere standen fast die gesamte Zeit mit geschlossenen Augen da. Die Musik verleitet einen tatsächlich dazu, die Lider zuzuklappen, sich aufs Zuhören zu konzentrieren und zu genießen, aber das kann man ja immer auch zu Hause tun. Ich finde es toll, wenn man die Musiker direkt vor der Nase hat und ihnen bei der Arbeit zusehen kann, insofern gab es die Option „Augen schließen“ für mich nicht.

Julian und Jessie sind übrigens immer noch auf der Suche nach einem Bassisten für Colaris. Sascha, der auch das aktuelle Album am Viersaiter eingespielt hat, ist ja eigentlich der Sänger und Gitarrist von Ampersphere und genau von der Band gab es beim letzten Lied noch mehr tatkräftige Unterstützung in Gestalt von Ampersphere-Gitarrist Thorsten Winkler, der zum Abschluss mitmusizierte.

An folgenden Orten kann man Colaris in den nächsten Tagen live erleben:
19.07. München (Sunny Red) mit Waves & Nasmyth
20.07. Österreich, Wien (Venster99) mit Nervöus & Colored Moth
21.07. Österreich, Salzburg (Rockhouse Bar) mit Lando & Michael Zimmel
22.07. Italien, Cassano d’Adda (Milano, The One) mit La Fin and more
23.07. Schweiz, Genf (Urgence Disk)
24.07. Saarlouis (JUZ Utopia) mit Burt
25.07. Luxemburg (Rocas)

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Dying Fetus, Katatonie und Dreadful Prophecy in Saarbrücken (Kleiner Klub, 15.06.15)

Irgendwie hatte ich es geahnt, dass das Konzert von Dying Fetus im Kleinen Klub ein krasses Event werden würde, und besorgte mir rechtzeitig mein Ticket. Meine Vorfreude auf infernalisches Gebrüll erhielt etwa drei Wochen vor dem Gig noch einmal einen Push, nachdem Dreadful Prophecy neben Katatonie als zweite Supportband angekündigt worden waren.

Sobald die fünf Männer von Dreadful Prophecy pünktlich um 19.45 Uhr die Bühne betreten hatten und die vier im Vordergrund sich dem Publikum zunächst von ihrer Rückseite präsentierten, sorgte Vocalist Fabian zuerst einmal für das richtige olfaktorische Ambiente, indem er ein paar Räucherstäbchen zum Qualmen brachte. Die Augen hatte er mit horrorfilmtauglichen Kontaktlinsen aufgepeppt, zur Bandoptik gehören außerdem schwarze Klamotten und Schnürstiefel sowie schwarze Schlieren aus Ganzkörperschminke an den Armen und im Gesicht, letztere zumindest bei Gitarrist Manuel und Bassist Florian großflächig aufgetragen, während die Arme von Gitarrist und Backgroundgröler Dennis ja durch diverse Tattoos bereits gemustert sind und die von Fabian in langen Ärmeln steckten, und von Drummer Chris sah ich selten mehr als das Gesicht, wenn überhaupt. Die fünf waren so in action, dass sich die Schminke irgendwann ein wenig zu verflüssigen drohte. Viel wichtiger als der optische ist ohnehin der akustische Eindruck und der war ganz nach meinem Geschmack an diesem Montagabend: martialisches Gebrüll in Kombination mit kopfnickerfreundlichen Rhythmen, immer wieder durchsetzt mit thrashigen Parts und peitschenden Beckenschlägen. Mit anderen Worten: Der Death Metal Abend im Kleinen Klub fing richtig gut an!

Zu hören gab es während des 30-minütigen Auftritts Lieder aus der aktuellen EP „The Art Of Flaying“ (hier klicken zum Anhören) sowie aus dem 2012 veröffentlichten Album „Absence Of Light”.

Und wer noch etwas lesen möchte: Hier hat Manni vor einiger Zeit seine Schecter-Gitarre vorgestellt.

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Wie die musikalische Pausenmusik mit Liedern wie „In Da Club“, „It’s Gettin Hot In Heeeeere“ und diesem „Uh la la la“ da reinpassen sollte, ist mir nach wie vor schleierhaft. Das war echt brutal!!! Zum Glück dauerte der Bühnenumbau nicht allzu lang.

Den vier Musikern von Katatonie aus Trier gehörte die Bühne als Nächstes und ich fand es echt erstaunlich, wie Vocalist Daniel von tiefstem Gegrowle im Bruchteil einer Sekunde zu Gequieke in den höchsten Tönen wechseln kann! In die Schublade „Grindcore“ steckt das Quartett seine Musik. Auch hier gab es Songstrukturen, deren Tempo mich total ansprach, und schnellere Parts, aber allen Liedern gemeinsam war die Kürze. Für mich fühlte es sich so an, als wäre kein Track länger als zwei Minuten gewesen, und als zum Schluss die Frage aufkam, ob die Zeit noch für eine Zugabe reicht, rief jemand aus der Zuschauermenge, die Band solle noch einen schnellen Songs zum Schluss spielen (Es lebe die Ironie!), was natürlich geschah. Weiterlesen

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!WOM! mit Rocks Off, rebelsoul, S.U.C. und Jollycaster (St. Ingbert, 24.05.2015)

WOMVor kurzem durfte ich mein erstes Festival für 2015 erleben. Zwar nur ein kleines, aber das sind für mich sowieso die allerschönsten. Erst recht, wenn das Wetter stimmt, und das zeigte sich von seiner idealen Seite: ein wunderbarer bewölkter Himmel bewahrte mich vor Sonnenbrand und die Temperaturen waren zunächst ebenfalls Open-Air-tauglich, also weder zu heiß noch zu kalt. Eintritt musste man als Besucher für das allererste !WOM! nicht bezahlen, aber damit die Freude am Spielen nicht der einzige Lohn für die Bands bleiben würde, gab es eine Geldsammlung per Hut und ich hoffe, dass da einiges zusammenkam angesichts der Tatsache, dass schon recht früh ziemlich viele Leute vor Ort waren. Bockmöbeltische und -bänke luden zum Verweilen ein und für Essen und Getränke war ebenfalls gesorgt. Perfektes Ambiente!

Die Band, die mich an den Wombacher Weiher in St. Ingbert verschlagen hatte, war mal wieder rebelsoul, und die spielten an jenem Samstag als Zweites, ab 18 Uhr. Recht früh, gell? Da es noch ein wenig privates Gedöns zu bewerkstelligen gab, bekamen wir von der ersten Band, Rocks Off, die bereits um 16 Uhr loslegte, nur noch ein paar Lieder mit. Diese Musiker haben sich aufs Covern klassischer Rockhits spezialisiert und so gab es neben Liedern von den Rolling Stones („Jumping Jack Flash“ und „Satisfaction“) u.a. Songs von Westernhagen zu hören.

Recht pünktlich begannen rebelsoul ihr gut anderthalbstündiges Programm und darüber, ob Sänger und Bassist Tom Nothof tatsächlich aussieht wie ein junger Bud Spencer mit langem Haar, wie vom Tontechniker Hammi angekündigt, kann sich jeder beim Anblick eines der beiden Videos vom !WOM! selber ein Urteil bilden. >klick< Mir fiel beim Blick auf den Frontmann zuerst einmal auf, dass der Pearl Jam-Aufkleber an Toms Bass Gesellschaft bekommen hatte von einem Morbid Angel-Sticker. Außerdem stand am Bühnenrand auf Matthias‘ Seite eine Gibson-Gitarre mit rotem, großen Korpus, die der Musiker später statt seiner Duesenberg verwendete, sodass ich in Sachen Schaufler-Gitarren an diesem Abend eine doppelte Portion eyecandy hatte.

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Vor der Bühne hatte es sich ein kleines Grüppchen miteinander befreundeter Fans gemütlich gemacht; manche genossen die Livemusik zunächst auf einer großen Decke liegend, während es für andere von Anfang an kein Halten gab und ganz schön herumgehüpft und getanzt wurde. Eine solch agile Menschenmasse vor der Bühne zu haben, macht einer Band bestimmt Laune und Tom ließ in seinen Ansprachen ans Publikum seiner Begeisterung freien Lauf. Auch Volker Schmidt, der mit seiner Gibson diesmal auf der linken Bühnenseite zu Werke ging, schien sich, wenn ich mir sein ständiges Lächeln in Erinnerung rufe, prächtig zu amüsieren, wie auch Drummer Simon Spaniol, der mit dem üblichen Enthusiasmus das Schlagzeug bearbeitete, was für mich auch immer ein echter Hingucker ist.

Über die Qualität des Sounds kann ich normalerweise kein Urteil fällen, da ich ja eh immer meine Ohrstöpsel trage. Auffallen würde mir bloß eine besonders miese Akustik, aber im Bereich zwischen „normal“ und „megagenial“ können meine Lauscher die Unterschiede nicht so wahrnehmen. Laut Aussage meines Begleiters war der Sound beim !WOM! aber richtig spitzenmäßig.

Diesmal gab es neben den bandeigenen Songs – „Illusions“ zum Beispiel oder „The Rebel Inside“ und „Captain Of The Machine“ sowie das von Matthias gesungene „City Moon“ – ein paar Coversongs mehr als zuletzt im Devils Place. Zum guten Schluss heizten die vier Musiker mit New Model Armys Klassiker „51st State“, gefolgt von Iggy Pops „The Passenger“ noch einmal tüchtig ein, bevor man sich artig bedankte und die Bühne verließ, damit die nächste Band – S.U.C. – weitermachen konnte.

Übrigens: Wenn ihr rebelsoul dabei unterstützen wollt, einen Slot auf dem Rocco del Schlacko zu gewinnen, dann stimmt doch dort für die Band ab!

Die nächsten rebelsoul-Konzerte:
18.07. Saarbrücker Altstadtfest (Rockwiese, 14.30 Uhr)
24.07. Gehnbachstraßenfest in St. Ingbert

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Ich hatte inzwischen einige Bekannte getroffen, die ich schon ewig nicht mehr gesehen hatte, und war so ins Gespräch vertieft, dass ich gar nicht richtig auf die Musik achtete, und meine Kamera steckte auch in den Tiefen meines Handtäschchens fest. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, spielten S.U.C. wie die erste Band nur Cover, allerdings auch solche jüngeren Datums und nicht nur die ganz alten Klassiker.

Aufgrund der mittlerweile recht kühlen Temperaturen und weil uns ein Hüngerchen woanders hintrieb, verließen wir das Festivalgelände, bevor Jollycaster anfingen zu rocken, was ich ja schon etwas bedauerte. Deren aktuelles Album „A Place Like Home“ gefällt mir nämlich richtig gut und ich werde mir die drei bei nächster Gelegenheit sicher einmal live anschauen!

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rebelsoul, Fringe Area, Sovereign Citizen und An Assfull Of Love in Saarbrücken (Devils Place, 16.05.15)

Mmmmmmr – So hätte ich diesen Artikel auch nennen können, wie ein wohliges Geräusch und zugleich Abkürzung für „Mein musikalisch megagenialer Monat Mai mit rebelsoul“. rebelsoul mit kleinem r. Die sympathische Band konnte ich nämlich innerhalb von acht Tagen gleich zweimal live erleben, einmal am 16.05.15 im Saarbrücker Devils Place und dann eine Woche später beim !WOM! in St. Ingbert. Und wenn ich noch ein paar Tage lang im Extremchillmodus geblieben wäre, anstatt mal die Berichte über die vier Musiker und ihre beiden Auftritte zu schreiben, könnte ich das am kommenden Samstag bei Truetone Records über die Bühne gehende rebelsoul-Konzert grad hier mit einbeziehen. Aber Türülü hin, Marmeladenhirn her – so zwischendrin mal wieder in den Normalzustand zurückzukehren, ist sicherlich nicht schädlich.

Also: Los geht’s mit rebelsoul Station 1! (Der Bericht zum !WOM! ist inzwischen fertig und befindet sich eine Etage weiter oben.)

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Das saarländische Rockquartett eröffnete den Konzertabend im Saarbrücker Rockclub Devils Place, sogar relativ pünktlich um kurz nach 20 Uhr, bevor die Bühne Sovereign Citizen, Fringe Area und An Assfull Of Love gehörte. Klasse fand ich, dass das Eintrittsgeld dem Straßenmusiker, der am 30.04. in Saarbrücken auf offener Straße lebensgefährlich verletzt wurde, zugute kommen wird, und es war allein schon deshalb super, dass so viele Leute gekommen waren. Als rebelsoul loslegten, war der Konzertraum bereits ganz gut gefüllt und Toms Ankündigung, alles zu geben und sich beim Abrocken den letzten Saft aus den Bandscheiben herauszuquetschen (sofern vorhanden), war keine Übertreibung.

Zunächst standen ein paar eigene Songs auf dem Programm, direkt zu Beginn die absolut starke Kombination von „The Rocket“ und „No Life At All“ sowie „Illusions“, und während ich da stand, ganz im Sog der Livemusik, tippte mir plötzlich jemand an die Schulter wie zuletzt schon beim Konzert von Thorny Roses und Dudley Taft >klick< und ich war doch sehr froh, dass das keine Illusion, sondern eine sehr reale wunderbare Überraschung war!

Man merkt nach ein paar rebelsoul-Songs, dass Tom Nothof (Gesang, Bass), Volker Schmidt (Gitarre), Matthias Schaufler (Gitarre) und Simon Spaniol (Schlagzeug) ganz verschiedene musikalische Register ziehen, von zart bis hart, von groovig bis evil. Auch Toms beeindruckende Rockröhre wird dem geneigten Hörer schnell als Pluspunkt der Band ins Ohr gehen, wobei der Mann am Bass des Öfteren stimmlich begleitet wird von Matthias, der auch mal längere Passagen allein singt. An jenem Abend hatte der junge Mann seine wunderbare Duesenberg-Gitarre mit dem schwarzen Korpus dabei, weswegen ich es doppelt bedauerlich fand, dass es im Devils Place immer so duster ist, dass ich mit meiner Knipse keine ordentlichen Bilder hinbekomme. Immerhin stand Volker mit seiner Gibson in einem vergleichsweise hellen Eckchen. Und Simons Action am Schlagzeug KANN eigentlich keinem entgehen, auch nicht bei der schummrigsten Beleuchtung, wobei er nicht nur auf sämtliche Trommeln eindrischt wie das Tier von der Muppet-Show, während die dunklen Locken dementsprechend durch die Luft wirbeln, sondern auch den Becken die leiseren Beats gekonnt entlockt, am Anfang von „Wings Of An Angel“ zum Beispiel.

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Zu einem rebelsoul-Gig gehören immer auch ein paar Cover. Vor Beginn des Konzerts meinte Tom zu mir, die Coversongs dieses Abends wären streng geheim, aber er könnte mir schon verraten, dass der eine „Still Loving You“ von den Scorpions wäre. Was war ich froh, dass das alles nur ein Scherz war – rebelsoul-Auftritte sind nämlich immer auch mit jeder Menge Humor verbunden! – und als erstes Cover „Dirty black summer“ von Danzig zu hören war. Ich fand’s beeindruckend, vor allem weil Tom es gut hinbekam, Glenn Danzigs Stimmfarbe ein wenig zu imitieren. Das machte Laune, und es dürfte der Band noch mehr Laune machen, wenn ich hier gleich schon einmal erwähne, dass jemand nach dem Konzert meinte, dass sämtliche rebelsoul-Lieder aus eigener Feder so viel besser wären als die nachgespielten Songs, die es daher gar nicht gebraucht hätte. Das mag wohl tatsächlich so sein, aber so ein paar bekannte Songs dazwischengestreut kommen in der Regel immer gut an, vor allem wenn sie gut gespielt sind, und ich als Biffy Clyro-Fan möchte die rebelsoul-Version von „Who’s Got A Match“ natürlich nicht missen.

Bei „Essence Of Love” (looooove) bat Tom die Zuschauer nicht nur darum, ein wenig schmusig zu werden, sondern auch den „oooo-oooo-ooooo“-Part mitzusingen, und übte das schnell einmal, und nach dem Kuschel- und Mitschunkelmodus gab’s dann mit „A Kick In The Balls“ wieder ordentlich eins auf die – äh – Mütze.

Schon recht früh wurde das letzte Lied angekündigt, obwohl auf der Setlist noch mindestens drei oder vier Songtitel notiert waren, verbunden mit der Hoffnung, dass alle Zuschauer danach wie elektrisiert nach einer Zugabe schreien würden, was natürlich auch geschah, und zwar ein paarmal. Ohne „Wings Of An Angel“ wäre ich auch nur ungern heimgefahren. Wobei es selbstverständlich nicht sofort nach Hause ging, es spielten ja noch andere Bands, aber zunächst machten wir (ja ja, Wechsel des Personalpronomens) einen Abstecher zu einem Imbissstand in der Stadt und verpassten daher den größten Teil des Auftritts von Sovereign Citizen. (Eine Bandhomepage konnte ich leider nicht ausfindig machen. Leute, wo seid ihr im Internet zu Hause?!)

rebelsoul spielen übrigens am 18.07. beim Saarbrücker Altstadtfest auf der Rockwiese (um 14.30 Uhr) und am 24.07. beim Gehnbachstraßenfest in St.Ingbert. Nicht verpassen!

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Gesättigt und zufrieden konnten wir dann den Gig von Fringe Area genießen. Die habe ich ja erst neulich kennengelernt >klick< und der erste Liveeindruck, dass es sich dabei um eine ganz fantastische Band handelt, deren Lieder eine Vielzahl von Ecken und Kanten haben, wodurch sie so richtig interessant werden, bestätigte sich an diesem Abend. Dave Gröbe, der im Wechsel sowie zusammen mit Volker Schild singt, hatte im Devils Place eine ESP-Gitarre mit schwarzem Korpus dabei, war jedoch wie zuvor Matthias mit seiner schwarzen Schönheit im dunkelsten Bereich der Bühne platziert. Volkers weiße Flying V konnte ich da schon besser bestaunen, und da die aufgrund eines Saitenrisses schnell ausgedient hatte, lernte ich auch Volkers Alternativgitarre kennen, eine rote Gibson Explorer. Bassist Sven Strauß hielt sich wie zuletzt beim Studiokonzert im Zentrum des Geschehens auf und wirkte die meiste Zeit hochkonzentriert beim Bearbeiten der Saiten seines Instruments, was aufgrund der vielen Breaks in den Songstrukturen vermutlich auch notwendig ist. Auch vom Schlagzeuger Robin Petry wird daher eine Menge an Aufmerksamkeit verlangt und ich hatte den Eindruck, dass der junge Mann an jenem Abend noch besser in Form war als bei dem Gig in den Truetone Studios.

Schade fand ich, dass ganz viele Konzertbesucher sich zu diesem Zeitpunkt lieber an der Bar oder im Außenbereich des Devils Place aufhielten, um mit ihren Freunden und Bekannten zu quatschen. Man könnte fast meinen, die Musik hätte sie völlig kalt gelassen, obwohl sie ja auch draußen nicht zu überhören war. Aber Fringe Area nur als Hintergrundgedudel wahrzunehmen, wird der Band meiner Ansicht nach nicht gerecht. Da MUSS man doch hinhören und auch hinsehen, wenn man die Möglichkeit dazu hat!? Aber jut, es ist nicht jeder so gepolt wie ich. Gerade die Tatsache, dass es da so viele Schnörkel und Rhythmuswechsel gibt, fasziniert mich so an den Songs von Fringe Area – und natürlich die beiden unterschiedlichen Stimmen der Sänger, die jede für sich genommen einzigartig ist und im Zusammenspiel einen ganz besonderen Effekt ergeben. Hört mal rein bei Soundcloud!

Mittlerweile war es schon fast 1 Uhr. Als Assfull Of Love mit ihrem Auftritt loslegten, war der Raum wieder gut gefüllt und dass die Band unterhaltsam ist, sowohl was die Performance der Lieder betrifft als auch die Interaktion mit dem Publikum, steht außer Frage. Allein schon das Styling der Musiker treibt einem das Grinsen ins Gesicht. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit traten wir aber nach ein paar Liedern den Heimweg an. Ja ja, das Alter? Nö, eher das real life, das in letzter Zeit ein wenig anstrengend war und ein bisschen an den Energiereserven gezehrt hat. Aber das wird wieder!

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Dudley Taft und Thorny Roses in Saarbrücken (Kleiner Klub, 08.05.15)

„Das ist so ’ne Gothic Metal-Band“, meinte neulich ein lieber Bekannter, als ich ihm erzählte, dass ich mir die Thorny Roses anschauen würde. Mit nach oben gezogenen Augenbrauen blickte ich meinem Gesprächspartner, der da ganz offenkundig etwas zu verwechseln schien, ins Gesicht, denn soweit ich informiert war, ist bei den Thorny Roses Bluesrock angesagt und die Lieder, die die vier bei Soundcloud hochgeladen haben, haben so gar nichts mit Metal zu tun, und zwar mit keiner Spielart davon. Und dennoch hatte mein Bekannter nicht Unrecht. Ich erfuhr nämlich vor dem Konzert, während die Musiker noch schnell vor dem Kleinen Klub frische Luft schnappten, dass die 2007 gegründete Band tatsächlich zunächst zur Gothic Metal-Szene gehörte und erst jetzt, nach diversen Wechseln im Bandgefüge, die Musik fabriziert wird, an der den Mitgliedern und vor allem Thorny Roses-Urgestein Udo Löw so richtig was gelegen ist: irgendwas zwischen Classic Rock und Blues Rock mit einer Prise Funk.

Die Thorny Roses 2015 sind Daniela Rössler am Mikrofon, Udo Löw an der Gitarre, Bassist Christoph Jakobs und der Schlagzeuger Andre Reinartz. Und so kam es, dass ich einen Abend lang tatsächlich den Blues hatte, rein musikalisch betrachtet, denn Dudley Taft und seine Musiker legten ab 21 Uhr noch so richtig einen drauf!

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Erst kurz vor Beginn des Auftritts zurrten Udo und Daniela die Setlist zusammen und notierten auf der Bühne ihre Auswahl an Thorny Roses-Songs mit dickem Filzstift auf einem Blatt Papier. Was genau mich da erwarten würde, war mir ganz und gar nicht klar, denn Bluesrock ist ja überhaupt nicht „meine Baustelle“, allerdings war ich, sobald es pünktlich um 20 Uhr losging, recht erstaunt, wie viel Schmackes da doch durch Gitarre, Bass und Schlagzeug produziert wurde, begleitet durch die warme, kraftvolle Stimme von Daniela Rössler. Das gefiel mir, zumal es mal was anderes war als das Gebollere, Gegröle und Gegrunze, das üblicherweise an meine Lauscher dringt! Bis zu einem gewissen Grad bin ich da ja flexibel.

Die Musiker waren außerdem ein wenig zum Smalltalk und kleinen Scherzen aufgelegt, etwa bei der Ankündigung eines Liedes über einen One-Night-Stand („Wisst ihr, was das ist?“ Nö, natürlich völlige Ahnungslosigkeit bei den zahlreichen Zuschauern, wobei hier und da ein verschmitztes Grinsen zu entdecken war.), noch dazu mit ein paar Französischen Textfetzen, ou la la! Als sich Bassist Chris nach besagtem Lied, „Sunday Liberty“, an den Tontechniker wandte mit der Bitte „Dreh ne runner, ich zieh ne dann raus!“, gab es bei der Sängerin und auch bei einigen Zuschauern in Sachen Lachanfall kein Halten mehr und der Wechsel des Vier- bzw. Fünfsaiters – ganz ohne Störgeräusch beim Kabelumstöpseln – war wunderbar und höchst passend überbrückt.

Es gab aber nicht nur zwei Bässe zu sehen, überwiegend im Hintergrund, wo sich Chris offenbar am wohlsten fühlte, sondern auch zwei Gitarren: Udo startete mit einer Fender Stratocaster und schnappte sich in der zweiten Konzerthälfte die wunderschöne 57er Gibson Les Paul Custom mit schwarzem Korpus. Auch ganz abgesehen von den hübschen Gitarren war das eine sehr beeindruckende Aufwärmpartie für den großen Meister des Bluesrock.

Die Band war sehr darauf bedacht, sich an den vorgegebenen zeitlichen Rahmen zu halten, damit Dudley Taft pünktlich die Bühne übernehmen konnte, was auf Kosten weiterer Zugabensongs ging, die etliche Zuschauer sehr gerne gehört hätten. Die müssen dann eben eines der nächsten Konzerte von Thorny Roses besuchen und wann und wo die stattfinden, sieht man auf deren Bandhomepage.

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Die Augen hinter einer Sonnenbrille versteckt, auf dem Haupt ein schwarzer Hut und die Strat um die Schultern zeigte Dudley Taft sofort, wie energiegeladen sein Auftritt werden würde. Bloß hinterm Mikro stehen und beim Singen Gitarre spielen ist nicht. Der Mann bewegt sich nonstop und Gleiches gilt für den Keyboarder Eric Robert, der mit einem Enthusiasmus in die Tasten seines Instruments schlug, dass manche Figuren aus der Muppet Show neidisch werden könnten! Zudem entlockte der Musiker dem Keyboard durch das Drehen an diversen Knöpfchen die herrlichsten verzerrten Quietschgeräusche, den Körper natürlich immer im Takt mitwippend und auch von seiner Mimik her schien er vollkommen in die Welt des Sounds abgetaucht gewesen zu sein. Einige Songs hatten sogar regelrechte Keyboard-Soli und in diesen Momenten trat der Frontmann meist zur Seite, damit wirklich Eric Robert ganz im Vordergrund stand, was beim Publikum zu Ausrufen der Begeisterung führte. Wenn das Tasteninstrument mal nicht gebraucht wurde, schwang der Musiker irgendwelche Rasseln und er beteiligte sich auch am Gesang. Sogar kleine „Gitarren-und-Keyboard-Battles“ waren hier und da ins Programm eingebaut, wodurch der Eindruck entstand, dass die Leute auf der Bühne das Musizieren so richtig genießen.

Der Bassist John Kessler hielt sich fast die ganze Zeit im Hintergrund zwischen Keyboard und Schlagzeug, das von Carl Martin bearbeitet wurde, nur gegen Ende kam er einmal nach vorne und musizierte ein paar Takte lang Seite an Seite mit Dudley. Der Mann am Bass lächelte fast permanent und stellte mit manchen Leuten aus den ersten Reihen einen freundlichen Blickkontakt her, wie auch der Bandleader selbst, der manche Zuschauer direkt anzuvisieren schien und ihnen dann eine Lächeln schenkte, was allerdings aufgrund der schwarzen Sonnenbrillengläser auf mich ein wenig irritierend wirkte, denn man sah ja dadurch gar nicht, wo der Musiker nun wirklich hinschaute. Gegen Ende kam er jedenfalls mit seiner Gitarre von der Bühne in die Zuschauermenge hineingestiefelt und drehte in die Saiten hauend eine große Runde, woraufhin natürlich die Menge der hochgehaltenen Smartphones exponentiell anstieg. Weiterlesen

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